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Wer die minderjährigen Flüchtlinge als vermisst gemeldet hat, ist unbekannt.
Wer die minderjährigen Flüchtlinge als vermisst gemeldet hat, ist unbekannt.(Foto: dpa)
Montag, 11. April 2016

Innenminister beantwortet Anfrage : 5835 Flüchtlingskinder sind unauffindbar

Seit Längerem heißt es, dass etliche minderjährige Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland spurlos verschwinden. Das Bundesfamilienministerium bestätigte dies bislang nicht. Nun nennt das Innenministerium auf Nachfrage konkrete Zahlen.

In Deutschland sollen im vergangenen Jahr 5835 minderjährige Flüchtlinge verschwunden sein. Die Zahl gehe aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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Anfang Februar hatte das Bundesfamilienministerium allerdings mitgeteilt, es gebe keine belastbaren Hinweise, dass in Deutschland Tausende alleinreisende Flüchtlingskinder verschwunden sein könnten. In diesem Zusammenhang wurde auf "Vielfachzählungen" oder andere Registrierungsfehler verwiesen. Viele junge Flüchtlinge haben sich alleine auf den Weg nach Deutschland gemacht.

Es ist unklar, wer die verschollenen Flüchtlingskinder als vermisst gemeldet hat. Nach dem Medienbericht seien von 8006 als vermisst gemeldeten minderjährigen Flüchtlingen bisher 2171 wieder aufgetaucht. "Die vermissten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kommen überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Marokko und Algerien", heißt es in dem Papier des Bundesinnenministeriums. Unter den verschwundenen minderjährigen Flüchtlingen seien 555 Kinder. Als Kind gilt in Deutschland, wer jünger als 14 Jahre ist.

Warum ist Regierung nicht Alarmbereitschaft?

Gründe für das Verschwinden nannte das Bundesinnenministerium nicht. In diesem Zusammenhang kritisiert die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg die Bundesregierung. "Dass 5835 unbegleitete Jugendliche und Kinder, die im vergangenen Jahr verschwunden sind, die Bundesregierung nicht in Alarmbereitschaft versetzen, ist traurig", sagte Amtsberg den Zeitungen. Die Regierung solle jetzt aktiv werden, forderte die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.

Es bereite ihr Sorgen, dass die Bundesregierung "die Gefahren durch Zwangsprostitution und Ausbeutung nicht ernsthaft in Betracht zieht", sagte Amtsberg. Ende März hatten mehrere Europa-Abgeordnete in einem Brief darauf hingewiesen, dass verschollene minderjährige Flüchtlinge womöglich Opfer von paneuropäischen Banden würden, die sie für Sexarbeit, Sklaverei oder Organhandel missbrauchten.

Quelle: n-tv.de