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Waffenklau bei der Bundeswehr Abgeordnete kritisieren schweres Versagen

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"Wenn G36-Sturmgewehre aus einem Panzer entwendet werden, ist das ein schwerwiegender Vorfall": In Munster trainieren viele Einheiten.

(Foto: REUTERS)

Im Skandal um terrorverdächtige Soldaten will sich die Verteidigungsministerin von der Leyen nicht in die Defensive drängen lassen. Aber die Kritik hält an: Ein aufgebrochener Panzer und gestohlene Sturmgewehre sorgen für neuen Ärger.

Die Serie an aufgedeckten Missständen bei der Bundeswehr reißt nicht ab: Die ohnehin unter Druck stehende Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gerät nun auch wegen eines Waffendiebstahls in der Truppe in die Kritik. Vorgeworfen wird der CDU-Politikerin in diesem Zusammenhang vor allem, dass Informationen über den Diebstahl von Waffen erst über die Medien nach draußen drangen.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Wolfgang Hellmich, warf dem Verteidigungsministerium schweres Versagen vor. "Wenn G36-Sturmgewehre aus einem Panzer entwendet werden, ist das ein schwerwiegender Vorfall, über den die Obleute des Verteidigungsausschusses informiert werden müssen." Obwohl der Vorfall bereits drei Monate zurückliege, sei das nicht geschehen, sagte der SPD-Politiker der "Welt".

Wer hat die Waffen?

Unbekannte hatten auf einem Truppenübungsplatz bei Munster in Niedersachsen einen "Fuchs"-Panzer aufgebrochen und zwei G36-Sturmgewehre, eine P8-Pistole, eine Signalpistole, zwei Funkgeräte, zwei Magazine ohne Munition sowie ein Fernglas gestohlen. Der aufgebrochene Transportpanzer gehört dem Vernehmen nach zu einer Einheit aus Minden in Nordrhein-Westfalen, die das Fahrzeug in Munster im Rahmen eines Übungsaufenthalts abgestellt hatte. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Diebstahl und der Gruppe um den rechtsgesinnten Franco A. gibt, sei bislang nicht bekannt, sagte der Sprecher des Ministeriums.

Von der Leyen verspiele Vertrauen, wenn Parlamentarier erst aus den Medien von solchen Vorgängen erführen, sagte das Mitglied des Verteidigungsausschusses, Lars Klingbeil, der Zeitung. "Das ist seit Monaten das gleiche Muster" sagte der Sozialdemokrat. Der Bundeswehr-Standort Munster liegt mit seinen beiden Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Munster-Süd im Wahlkreis Klingbeils. Die Obfrau der Grünen-Bundestagsfraktion im Verteidigungsausschuss, Agnieszka Brugger, ging von der Leyen ebenfalls hart an. "Es kann nicht sein, dass Abgeordnete nicht über einen solch schwerwiegenden Diebstahl unterrichtet werden", sagte sie der "Welt".

Es sei schockierend, wenn Waffen und Munition der Bundeswehr gestohlen werden können: "Wir haben bereits nach dem Munitionsdiebstahl durch Franco A. eine umfassende Anfrage zu weiteren Fällen gestellt und erwarten zeitnah einen Bericht des Verteidigungsministeriums."

Dschihadisten-Handbuch gefunden

Der Fall Franco A. wirft viele Fragen auf: Der unter Terrorverdacht stehende 28-jährige Bundeswehr-Offizier hatte sich als Flüchtling aus Syrien registrieren lassen. Nach Ansicht der Ermittler plante er einen Anschlag. Vor dem Wochenende teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit, dass ein weiterer Soldat wegen rechtsextremer Äußerungen vom Dienst suspendiert worden sei.

Nach Informationen des "Spiegel" stellte die Bundeswehr erst diese Woche fest, dass der inzwischen ebenfalls inhaftierte mutmaßliche Komplize von Franco A., Maximilian T., im Sommer 2014 an einem Schießtraining der Bundeswehr teilgenommen hatte, bei dem eine Pistole verschwunden war. Der Diebstahl ist bislang nicht aufgeklärt. Der Verdacht liegt nahe, dass Maximilian T. mit dem Diebstahl der fraglichen Pistole zu tun gehabt haben könnte. Bewiesen ist allerdings noch nichts.

Wie zuletzt ebenfalls bekannt wurde, ließ sich Franco A. bei seinen Terrorplänen offenbar auch von Dschihadisten inspirieren. Die Ermittler stießen in den Beweismitteln, die nach der Verhaftung von Franco A. sichergestellt wurden, auf eine Anleitung zum Bombenbau. Laut "Spiegel" fanden sie auf Datenträgern das in islamistischen Terrorkreisen verbreitete "Mujahideen Explosives Handbook", das angeblich auch den Bau von improvisierten Sprengfallen beschreibt.

Fragwürdige Traditionspflege

Der Fall Franco A. bringt bei der Bundeswehr einiges ins Rollen: In der Kaserne von Franco A. im elsässischen Illkirch hatte das Jägerbataillon 291 einen Gruppenraum mit militärhistorischen Erinnerungsstücken dekoriert, darunter undifferenziert auch solchen der Wehrmacht - weshalb von der Leyen sämtliche Kasernen nach Andenken an die Wehrmacht durchsuchen lässt.

Diese Kampagne hatte auch Konsequenzen für ein Foto von Altkanzler Helmut Schmidt. Da ein Bild den 2015 gestorbenen SPD-Politiker in Wehrmachtsuniform zeigt, ließ die nach ihm benannte Bundeswehruniversität Hamburg sein Konterfei aus dem Flur eines Studentenwohnheims entfernen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, das wäre nicht zwingend notwendig gewesen. Der Präsident der Universität, Wilfried Seidel, kündigte ein Gespräch mit den Studenten an, um etwaige Missverständnisse auszuräumen. Die Universität habe sich nicht von Schmidt distanzieren wollen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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