Politik

Studie zu Verschwörungstheorien AfD-Anhänger glauben eher Corona-Mythen

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2020 kam es immer wieder zu Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung.

(Foto: imago images/Olaf Wagner)

Corona-Leugner sind grundsätzlich der Überzeugung, die Pandemie sei eine Verschwörung einer globalen Elite, heißt es in einer Studie zu Verschwörungstheorien. Und sie machen einen vergleichsweise großen Anteil der AfD-Wähler aus. Aber auch in anderen Gruppen sind derartige Ansichten weit verbreitet.

Anhänger der AfD sind laut einer Studie der Universität Leipzig stärker für Verschwörungserzählungen empfänglich als Wähler anderer Parteien. Das gilt den Wissenschaftlern zufolge auch in Bezug auf Covid-19. "Dennoch bleibt festzuhalten, dass Verschwörungserzählungen auch darüber hinaus Verbreitung finden und sich nicht alleine auf Menschen im rechten Spektrum beschränken", heißt es in dem Papier, das sich auf die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage vom Frühsommer 2020 stützt.

Um die Zustimmung zu Corona-bezogenen Verschwörungserzählungen zu messen, sollten sich die Befragten zu zwei Aussagen positionieren: "Die tatsächlichen Hintergründe der Corona-Erkrankung werden nie ans Licht der Öffentlichkeit kommen" und "Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige von ihr profitieren können". Bei der Auswertung der Ergebnisse stellten die Forscher des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts fest: Rund 68 Prozent der Menschen, die bei der nächsten Wahl ihr Kreuz bei der AfD machen wollten, stimmen diesen Aussagen eher zu.

Das Gleiche gilt demnach auch für rund 65 Prozent der Nichtwähler sowie für knapp 47 Prozent der Wähler der FDP und rund 37 Prozent der SPD-Anhänger. Unter den Wählern der Linkspartei vertrat den Angaben nach fast jeder Dritte (31,9 Prozent) eine solche Ansicht. Bei den Anhängern der Unionsparteien waren es gut 28 Prozent. Mit 21,4 Prozent lag der Wert bei den Wählern der Grünen am niedrigsten.

"Viele Erzählungen sind absurd und widersprüchlich"

Corona-Leugner sind grundsätzlich der Auffassung, dass die Coronavirus-Pandemie eine Verschwörung einer sogenannten globalen Elite ist, welche eine "neue Weltordnung" installieren will, schreiben die Autoren. Das Forscherteam unter Leitung des Sozialpsychologen Oliver Decker warnte davor, Bedeutung und Gefahren von Verschwörungserzählungen zu unterschätzen.

In der Studie heißt es: "Viele Erzählungen sind absurd und widersprüchlich, sie werden daher oft in ihrer politischen Bedeutung unterschätzt." Ihre Verbreitung liege seit Jahren auf hohem Niveau, auch wenn sie in der Politik meist nicht bedeutsam würden. "Sie stellen allerdings unter bestimmten Bedingungen eine Form 'dunkler Ressource' dar, denn sie liefern in krisenhaft erlebten Zeiten Möglichkeiten der Angst- und Bedrohungsbewältigung. Gleichzeitig führen sie zu Polarisierung und Radikalisierung", wird weiter ausgeführt. Verschwörungserzählungen basierten oft auf einer einfachen Freund-Feind-Konstruktion und seien so angelegt, dass sie unüberprüfbar und damit auch unwiderlegbar seien.

Für die Leipziger Autoritarismus-Studie waren im Mai und Juni 2020 bundesweit 2503 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. Wissenschaftler der Universität Leipzig beobachten seit 2002 die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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