Kritik wegen VetternwirtschaftAfD-Chef beschäftigt Frau eines Parteikollegen im Bürgerbüro

Landtags- und Bundestagsabgeordnete der AfD in Sachsen-Anhalt beschäftigen gegenseitig Verwandte als Mitarbeiter. Nun wird ein ähnlicher Fall beim Chef der Bundespartei bekannt. Auch in Baden-Württemberg muss sich ein AfD-Politiker gegen Vorwürfe verteidigen.
Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla beschäftigt nach eigenen Angaben in seinen Bürgerbüros die Ehefrau des sächsischen Landtagsabgeordneten Robert Kuhnert. Problematisch sei das nicht, betonte Chrupalla, der sich den Vorsitz der Partei und der AfD-Bundestagsfraktion mit Alice Weidel teilt, auf der Plattform X. Die Frau koordiniere in den Büros in Weißwasser und Niesky für ihn Bürgeranfragen und Besucherfahrten zum Bundestag. Seinen Post überschrieb Chrupalla mit den Worten "aus aktuellem Anlass".
In Sachsen-Anhalt waren zuletzt mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Familienangehörige von AfD-Politikern bei anderen Bundestagsabgeordneten beschäftigt worden sind. Chrupalla hatte mit Blick darauf am Sonntag in der ARD von einem "Störgefühl" gesprochen. Es handle sich zwar um Verträge, die rechtskräftig und nicht zu beanstanden seien, sagte er. Aber: "Ein Geschmäckle hat's."
Die Mitarbeiterin ist demnach seit 2017 bei ihm angestellt, ihr Ehemann wurde 2019 in den Landtag gewählt. "Wir sind weder miteinander verwandt, noch bestehen Überkreuzbeschäftigungen in seinem Büro", führt Chrupalla weiter aus und schreibt in Bezug auf seine eigene Familie: "Bei uns zu Hause sind wir uns einig, einer in der Politik ist genug."
Neuer Vorwurf gegen AfD-Spitzenkandidaten
Roberto Kuhnert, der Ehemann von Chrupallas langjähriger Mitarbeiterin, ist laut der Website des sächsischen Landtags seit 2015 Mitglied der AfD. Mit Chrupalla teilt er sich, wie dem Internetauftritt des AfD-Kreisverbandes Görlitz zu entnehmen ist, die Bürgerbüros in Niesky und Weißwasser.
Am Abend wies auch der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, Vorwürfe der Vetternwirtschaft zurück. Im Interview mit dem SWR sagte er: "Man muss immer mal schauen, wie ist eigentlich jemand für eine Aufgabe qualifiziert, und per se zu sagen, nur weil man irgendwie aus der Familie kommt, darf der nicht mehr Politik machen oder für eine Partei arbeiten, das ist falsch." Es komme auf den Einzelfall an. Zuvor hatte er bestätigt, dass seine Frau für den AfD-Bundestagsabgeordneten Johann Martel arbeitet. Frohnmaier ist auch Vize-Fraktionschef der AfD im Bundestag.