Politik

Deutschland befürchtet Chaos Afghanistan-Abzug der Nato hat begonnen

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Ende einer Mission: Deutsche Soldaten beim Besuch von Außenminister Maas.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach den USA ist Deutschland der größte Truppensteller nach den USA in Afghanistan. Während die Nato mit dem Abzug beginnt, verrät ein vertraulicher Bericht der Bundesregierung, dass Experten einen Bürgerkrieg in dem Land nach dem Ende der Mission nicht ausschließen.

Die Nato hat den Rückzug ihrer Mission aus Afghanistan gestartet. "Dieser Abzug hat begonnen", sagte ein Nato-Vertreter am Nachmittag. Die Nato ist mit ihrem Einsatz "Resolute Support" zur Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte bisher noch mit rund 9600 Nato-Soldaten am Hindukusch, darunter rund 1100 Bundeswehrsoldaten.

Kurz vor Beginn des Truppenabzugs hatte Außenminister Heiko Maas dem Land weitere Unterstützung für die Zeit danach versprochen. "Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner an der Seite der Menschen in Afghanistan", sagte der SPD-Politiker bei einem Kurzbesuch in der Hauptstadt Kabul und bei den deutschen Soldaten im nordafghanischen Masar-i-Scharif.

Ihnen dankte Maas für den fast schon 20 Jahre dauernden Einsatz. Was auch dank der internationalen Truppen aufgebaut worden sei, habe das Land "weit vorangebracht". "Deshalb ist das nicht umsonst gewesen." Die Nato hatte vor zwei Wochen entschieden, die 10.000 noch in Afghanistan verbliebenen Soldaten nach Hause zu holen. Zuvor hatten sich die USA als größter Truppensteller darauf festgelegt, bis zum 11. September das Land zu verlassen - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des Netzwerks Al-Kaida in den USA. Inzwischen ist eine Verkürzung der Abzugsphase bis zum 4. Juli im Gespräch, dem Nationalfeiertag der USA.

Bundesregierung befürchtet Verschlechterung der Sicherheitslage

Nach Informationen des "Spiegel" befürchtet die Bundesregierung eine erhebliche Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan nach dem Abzug. Wie das Magazin unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht von Experten des Auswärtigen Amts und des Bundesverteidigungsministeriums berichtet, stellen sich die Experten für die kommenden Monate auf "eine weitere, erhebliche Verschlechterung der Sicherheitslage" ein, sollte "keine Einigung mit den Taliban über Art, Umfang und verlängerte Dauer der Präsenz internationaler Streitkräfte" erzielt werden.

Eine gemeinsame Delegation von Außen- und Verteidigungsministerium hatte dem Bericht zufolge Anfang März vier Tage lang die Lage in Kabul sondiert. In ihrem Bericht warnten die Experten demnach, dass internationale Organisationen in Afghanistan wieder vermehrt zum Ziel von Anschlägen werden könnten. Da der Einsatz der Bundeswehr früher als der anderer Nato-Partner verlängert worden sei, könne die deutsche Präsenz dabei "besonders in den Fokus geraten".

Worst Case: Bürgerkrieg, Sturm auf Kabul

Absolute "Worst-Case-Szenarien, wie zum Beispiel ein Bürgerkrieg mit Sturm auf Kabul" und damit auch die Schließung der deutschen Botschaft seien "nicht völlig auszuschließen", zitiert der "Spiegel" aus der Analyse. Ein "Landmarsch in ein Drittland" sei in einem solchen Fall abwegig. Eine Evakuierung deutscher Staatsbürger müsse dann über den Flughafen von Kabul oder die US-Militärbasis Bagram nahe der Hauptstadt laufen.

Zwar habe die US-Botschaft angeboten, die deutschen Kollegen notfalls mit Hubschraubern auszufliegen, doch darauf solle sich die Bundesregierung besser nicht verlassen, warnen die Sicherheitsexperten dem "Spiegel" zufolge. "Angesichts der hohen Anzahl eigener Schutzbefohlener" sei zu vermuten, "dass die USA im Evakuierungsfall nur sehr eingeschränkt helfen können". Die Experten empfehlen deshalb die Anmietung ziviler "Lufttransportkapazitäten".

Offiziell beginnt das Bündnis am 1. Mai mit dem vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan. Der Abzug der internationalen Truppen, zu denen auch das Bundeswehrkontingent gehört, soll im Herbst abgeschlossen sein. Deutschland ist der zweitgrößte Truppensteller nach den USA.

Quelle: ntv.de, mau/AFP/dpa

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