Politik

Karten, Zahlen, Infografiken Alle Daten, alle Fakten zur US-Wahl

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Weitere vier Jahre unter Donald Trump? Die US-Amerikaner hatten die Wahl.

(Foto: picture alliance/dpa)

In den USA steht der Wahlausgang fest: Joe Biden wird als 46. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen. Donald Trump hat die Wahl verloren. Bis das offizielle Wahlergebnis vorliegt, kann es jedoch noch dauern.

Die US-Präsidentschaftswahl 2020 ist auf Basis vorläufiger Ergebnisse der Auszählung entschieden. Vier Tage nach dem Wahltag riefen US-Medien gestützt auf Hochrechnungen den Wahlsieger aus: Joe Biden, der Kandidaten der Demokraten, hat die Wahl gewonnen. Dank der Erfolge in Pennsylvania und Nevada konnte er einen deutlichen, uneinholbaren Vorsprung bei den Wahlmännerstimmen für sich verbuchen.

Offiziell gewählt ist der Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump allerdings noch nicht. In mehreren Bundesstaaten dauert die Auszählung der Stimmzettel und Briefwählerstimmen noch an. Doch selbst im Fall etwaiger Neuauszählungen hat Trump Beobachtern zufolge keine Chancen mehr, die Wahl noch für sich zu entscheiden. Gut eineinhalb Wochen nach dem Wahltag am 3. November sahen US-Medien Biden übereinstimmend auch in Arizona vorn.

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ntv.de zeigt den Stand der Auszählung anhand der Daten des US-Nachrichtensenders CNN. Knapp war das Rennen demnach in den ersten Tagen nach der Wahl vor allem noch in Nevada, Georgia, North Carolina und Pennsylvania. Einzelne US-Medien, darunter auch Trumps Haussender Fox News, schlugen Arizona bereits früh Biden zu. CNN und NBC folgten etwas vorsichtiger erst am 13. November. Die vorläufige Entscheidung des Wahlkrimis hatte sich zuvor bis zum Samstag, 7. November hingezogen. Theoretisch blieben Trump bis dahin noch geringe Chancen auf einen knappen Wahlsieg oder ein sogar ein Patt.

Die US-Wahl 2020 entwickelte sich damit für beide Seiten zur Nervenprobe. Erst am Wochenende nach dem Wahltermin hatte das Warten ein Ende: Am späten Vormittag (11.10 Uhr Ortszeit US-Ostküste, 17.10 Uhr MEZ) rief CNN-Moderator Wolf Blitzer den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, als Wahlsieger aus. Andere Sender, darunter auch Fox News, schlossen sich der Einschätzung an.

Die Entscheidung fiel demnach im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania. Dort ging die Mehrheit der ausgezählten Stimmen an den Demokraten. Mit den Stimmen der 20 Wahlleute, die dort zu vergeben waren, kam Biden unterm Strich auf 273 Wahlmännerstimmen. Die Schwelle zur Mehrheit liegt bei 270. Biden ging damit uneinholbar in Führung. Mittlerweile liegt er bei 290 Stimmen im Gremium der Wahlleute. Trump kommt nur auf 217.

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Für den bisherigen Amtsinhaber Donald Trump bestehen keine Aussichten mehr, die Wahl noch zu gewinnen und für weitere vier Jahre im Weißen Haus als US-Präsident zu amtieren. Selbst der bislang Trump-treue US-Sender Fox News sieht Biden in Pennsylvania sowie auch in Nevada und Arizona vorn. Trump wollte seine offenkundige, aber noch nicht offizielle Niederlage bisher nicht anerkennen. Stattdessen spricht er offensiv von Wahlbetrug und angeblich "illegalen Stimmen". Er kündigte juristische Schritte an, konnte bisher aber keinerlei Beweise für seine Behauptungen vorbringen.

"Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist", teilte er am ersten Wochenende nach der Wahl mit. "ICH HABE DIESE WAHL GEWONNEN, DEUTLICH!", twitterte er in Großbuchstaben. Noch offen ist, wie deutlich Trumps Niederlage letztlich ausfallen wird. Der 74-Jährige könnte sein Ergebnis durch Siege in Georgia und North Carolina noch etwas verbessern. Für die Mehrheit wird dies aber nicht reichen.

Bei der US-Wahl 2020 ging es nicht nur um das Präsidentenamt, sondern auch um die politischen Machtverhältnisse im Kongress. Zur Wahl standen am 3. November auch die Neubesetzung im gesamten Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der Sitze im US-Senat. Auch dort sind Stimmauszählungen noch nicht abgeschlossen. Im Repräsentantenhaus fehlen den Demokraten noch mindestens fünf Sitze zur Mehrheit. Im Senat liegen sie mit den Republikanern gleichauf.

Die Wahlaussichten im Repräsentantenhaus:

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Die Aussichten im US-Senat:

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Die Mehrheitsverhältnisse in beiden Kongresskammern werden darüber bestimmen, mit welchen politischen Spielräumen der künftige US-Präsident in den kommenden Jahren rechnen kann. Bereits am Morgen nach der langen Wahlnacht zeichnete sich ab, dass die Entscheidung über das Präsidentenamt in den letzten noch offenen Bundesstaaten fallen sollte. Die Auszählung könnte sich im schlimmsten Fall noch über Wochen hinziehen.

Letztlich dürfte damit auch die Wahlbeteiligung in den besonders umkämpften Battleground States den Ausschlag gegeben haben. Das politische Gewicht der Bundesstaaten ist - grob bemessen an der Einwohnerzahl - alles andere als gleichmäßig verteilt.

Das sind die Wähler

Wahlberechtigt waren in den USA eigentlich jeder der rund 330 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind gut 257 Millionen. Ausgeschlossen sind Bewohner von US-Außengebieten wie Puerto Rico. In den meisten Bundesstaaten dürfen zudem Häftlinge und Menschen, die wegen einer schweren Straftat verurteilt wurden, nicht wählen.

Das betrifft der Bürgerrechtsorganisation ACLU zufolge derzeit rund 5,85 Millionen US-Bürger. Besonders strikt wird die lebenslange Aberkennung des Wahlrechts in mehreren Südstaaten gehandhabt. In Florida und Kentucky zum Beispiel wird die Stimmabgabe laut ACLU etwa jedem fünften Afroamerikaner dauerhaft verwehrt. Alle anderen Bürger müssen sich vor der Abstimmung zuerst beim zuständigen Wahlamt registrieren lassen.

2016 gab es rund 214 Millionen eingetragene Wähler, von denen 140 Millionen abstimmten. Das heißt: Rund 74 Millionen eingetragene Wähler nahmen - aus verschiedenen Gründen - nicht an der Wahl teil. Von der Wahlbeteiligung der Unentschiedenen und Unentschlossenen wird auch bei dieser Wahl abhängen, welches Lager - Republikaner oder Demokraten - sich am Ende durchsetzt.

So funktioniert die US-Wahl

Donald Trump bewarb sich um eine zweite Amtszeit. Der Kandidat der Republikaner wollte weiter mit seinem 61-jährigen Vizepräsidenten Mike Pence regieren. Sein Herausforderer Joe Biden dagegen will im Falle seines Wahlsiegs mit der kalifornischen Senatorin Kamala Harris ins Weiße Haus zurückkehren. Die 55-jährige Demokratin Harris wird durch den Wahlsieg die erste Frau, die erste Schwarze und die erste asiatischstämmige US-Bürgerin im Amt der Vizepräsidentin.

Die US-Wähler können nur indirekt darüber abstimmen, wer der nächste Präsident wird. Ihre Stimme entscheidet über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums ("Electoral College"), das dann den Präsidenten wählt. In 48 der 50 Bundesstaaten funktioniert das so: Der Kandidat, der sich eine Mehrheit sichern kann, bekommt alle Stimmen zugesprochen.

Ein Beispiel: Gewinnt ein Kandidat in Florida mit 50,1 Prozent der Stimmen, bekommt er die Stimmen aller 29 Wahlleute des Bundesstaats, sein Mitbewerber geht komplett leer aus - egal wie viele Menschen dort für ihn gestimmt haben. Amerikaner sprechen daher vom Prinzip "the winner takes all". Einzig in den beiden kleinen Bundesstaaten Nebraska und Maine werden die Stimmen der Wahlleute auf Basis kleinerer Wahldistrikte vergeben.

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Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat landesweit die Stimmen von mindestens 270 Wahlleuten gewinnen. Die Anzahl der Wahlleute eines Bundesstaats entspricht der von dort entsandten Zahl der Senatoren und Kongressabgeordneten und richtet sich damit ungefähr nach der Einwohnerzahl. Faktisch haben die Stimmen aus den kleineren Bundesstaaten dadurch ein deutlich höheres Gewicht. In Wyoming kommt ein Wahlmann auf 135.000 Wählerinnen und Wähler, in Kalifornien sind es 411.000.

Die Wahlleute stimmen formell 41 Tage nach der Präsidentenwahl ab, dieses Jahr am 14. Dezember. Sie richten sich dabei nach dem Ergebnis in ihrem Bundesstaat - in vielen Staaten würde den Wahlmännern und Wahlfrauen sonst eine Strafe drohen. Das offizielle Ergebnis wird am 6. Januar im Kongress bekannt gegeben.

Wegen des indirekten Wahlsystems ist es möglich, dass ein Kandidat die meisten Direktstimmen bekommt, die Wahl aber trotzdem verliert. Das war zum Beispiel 2016 der Fall. Damals stimmten mehr US-Amerikaner für Hillary Clinton, Donald Trump konnte sich aber durch die von ihm gewonnenen Bundesstaaten die Mehrheit der Wahlleute sichern.

Welche Bundesstaaten entscheiden die Wahl?

Besonderes Augenmerk lag bei der Wahl 2020 auf Florida im Südosten der USA: Der nach Kalifornien und Texas drittbevölkerungsreichste Bundesstaat galt als der Jackpot: Mit 29 Wahlleuten ist es einer der wichtigsten umkämpften Staaten.

Dahinter folgten die traditionellen "Battleground States" oder "Swing States", also jene Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Dazu gehören Pennsylvania (20 Stimmen) und Ohio (18), genauso wie Michigan, Wisconsin und Minnesota (zusammen 36 Stimmen). Die letzten Umfragen vor der Wahl deuteten auch in Georgia (16), North Carolina (15) und Arizona (11) auf einen knappen Ausgang hin.

Ein kleineres politisches Erdbeben wäre es gewesen, falls es Biden gelungen wäre, Texas zu gewinnen. Der große Staat mit 36 Stimmen geht seit Jahrzehnten an Republikaner - manche Umfragen hatten Biden dort zumindest einige Chancen eingeräumt.

Viele andere Staaten sind dagegen kaum umkämpft. Für die Demokraten etwa sind die Staaten an der Westküste eine sichere Bank, darunter Kalifornien mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern sowie Oregon und Washington im Nordwesten der USA. Auch im Nordosten gibt es zahlreiche als sicher geltende Staaten, darunter New York, New Jersey, Connecticut, Massachusetts, Rhode Island, Delaware und Maryland.

Die Republikaner schneiden dafür in der Regel im Zentrum des Landes stark ab, darunter im Mittleren Westen sowie im Süden. Sie gewinnen in der Regel Staaten wie Montana, Kansas, Oklahoma, Missouri, Tennessee, Kentucky, West Virginia, Arkansas, Alabama, Louisiana, Mississippi und South Carolina. Deutliche Unterschiede im Wahlverhalten gibt es in nahezu jedem Bundesstaat auch zwischen den Städten und den eher ländlich geprägten Wahlbezirken.

Rückblick ins Wahljahr 2016: So siegte Trump

Vor vier Jahren konnte sich Donald Trump den Sieg in der Präsidentschaftswahl nur aufgrund des besonderen US-Wahlsystems sichern. Die Mehrheitsverhältnisse fielen nur innerhalb des entscheidenden Wahlmännergremiums zu seinen Gunsten aus. Trump konnte sich in den entscheidenden Bundesstaaten für viele Beobachter überraschend doch eine Mehrheit sichern.

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In der sogenannten Popular Vote lag er dagegen auf Platz zwei. Gemessen an der Anzahl der abgegebenen Stimmen hätte er sich seiner Gegenkandidatin Clinton von den Demokraten geschlagen geben müssen - wenn es in den USA nicht das eigentümliche Wahlverfahren mit der ausschlaggebenden Entscheidung im Electoral College geben würde. Auch beim Stimmanteil lag Trump deutlich hinter Clinton.

Die Ergebnisse der Wahl 2020 im Detail

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Wann das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahl 2020 feststeht, ist noch offen. Die Stimmauszählung könnte sich durch Klagen und etwaige Neuauszählungen noch Wochen hinziehen. Unklar ist auch noch, wie genau der Wahlverlierer auf seine mittlerweile offenkundige Niederlage reagieren wird. Sicher dagegen ist, dass auf Joe Biden als 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten schwere Aufgaben zukommen.

Millionen von US-Wählern wollten auch nach vier Jahren unter Trump keinen Regierungswechsel im Weißen Haus - allen Skandalen, Tabubrüchen und fragwürdigen Polit-Projekten zum Trotz. Anders als von vielen Meinungsforschern vorhergesagt, blieb der von Trump-Gegnern erhoffte Erdrutschsieg aus. Die US-Wahl entwickelte sich stattdessen zu einem unerwartet engen Rennen, das vor dem endgültigen Finale noch in ein juristisches Tauziehen münden könnte.

Quelle: ntv.de