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Karten, Zahlen, Infografiken Alle Daten, alle Fakten zur US-Wahl

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Weitere vier Jahre unter Donald Trump? Am 3. November haben die US-Amerikaner die Wahl.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Tag der Entscheidung rückt näher: Anfang November wird in den Vereinigten Staaten gewählt - inmitten der schwersten Pandemie-Krise der Gegenwart geht es um das Amt des Präsidenten. Gelingt Donald Trump die Wiederwahl?

Richtungsentscheidung in den USA: Am 3. November 2020 stimmen mehr als 200 Millionen US-Wähler darüber ab, wer für die kommenden vier Jahre als Präsident der Vereinigten Staaten die mit Abstand wirtschaftlich stärkste, militärisch mächtigste und kulturell einflussreichste Nation der Erde regieren wird.

Im Pandemiejahr 2020 begann die letzte Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfs mit einer Aufsehen erregenden Entwicklung: Amtsinhaber Donald Trump, der sich bei der Wahl um eine zweite Amtszeit bemüht und die Gefahren einer Ansteckung lange kleingeredet hat, hat sich selbst mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Knapp 32 Tage vor der Wahl muss der 74-jährige Republikaner seinen Wahlkampf zunächst aus der Quarantäne führen.

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In den Umfragen lag zuvor schon sein Herausforderer Joe Biden vorn. Trotz seines hohen Alters gilt der 77-jährige Demokrat unter Gegnern des früheren Immobilien-Tycoons und Reality-TV-Stars Trump als Hoffnungsträger und Symbol für eine Rückkehr zu einer vernunftgeleiteten US-Politik. Zudem ist er mit den Amtsgeschäften an der Spitze der USA bestens vertraut: Biden war bis 2016 Vizepräsident neben Trumps Amtsvorgänger Barack Obama.

Wahlberechtigt ist in den USA jeder der rund 330 Millionen US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das sind gut 233 Millionen. Ausgeschlossen sind Bewohner von US-Außengebieten wie Puerto Rico. In den meisten Bundesstaaten dürfen zudem Häftlinge und Menschen, die wegen einer schweren Straftat verurteilt wurden, nicht wählen.

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Das betrifft der Bürgerrechtsorganisation ACLU zufolge derzeit rund 5,85 Millionen US-Bürger. Besonders strikt wird die lebenslange Aberkennung des Wahlrechts in mehreren Südstaaten gehandhabt. In Florida und Kentucky zum Beispiel wird die Stimmabgabe etwa jedem fünften Afroamerikaner dauerhaft verwehrt.

Alle anderen Bürger müssen sich vor der Abstimmung zuerst beim zuständigen Wahlamt registrieren lassen. 2016 gab es rund 214 Millionen eingetragene Wähler, von denen 140 Millionen abstimmten. Das heißt: Rund 190 Millionen Wahlberechtigte nahmen - aus verschiedenen Gründen - vor vier Jahren nicht an der Wahl teil.

So funktioniert die US-Wahl

Donald Trump bewirbt sich um eine zweite Amtszeit. Der Kandidat der Republikaner will weiter mit seinem 61-jährigen Vizepräsidenten Mike Pence regieren. Sein Herausforderer Joe Biden will im Falle eines Wahlsiegs mit der kalifornischen Senatorin Kamala Harris ins Weiße Haus zurückkehren. Die 55-jährige Demokratin Harris wäre bei einem Wahlsieg die erste Frau, die erste Schwarze und die erste asiatischstämmige US-Bürgerin im Amt der Vizepräsidentin.

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Die US-Wähler können nur indirekt darüber abstimmen, wer der nächste Präsident wird. Ihre Stimme entscheidet über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums ("Electoral College"), das dann den Präsidenten wählt. In 48 der 50 Bundesstaaten funktioniert das so: Der Kandidat, der sich eine Mehrheit sichern kann, bekommt alle Stimmen zugesprochen.

Ein Beispiel: Falls Trump Florida mit 50,1 Prozent der Stimmen gewinnen sollte, bekäme er die Stimmen aller 29 Wahlleute des Bundesstaats, Biden ginge komplett leer aus. Amerikaner sprechen daher vom Prinzip "the winner takes all". Einzig in den beiden kleinen Bundesstaaten Nebraska und Maine werden die Stimmen der Wahlleute annähernd proportional vergeben.

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Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat die Stimmen von mindestens 270 Wahlleuten gewinnen. Die Anzahl der Wahlleute eines Bundesstaats entspricht der von dort entsandten Zahl der Senatoren und Kongressabgeordneten und richtet sich damit grob nach der Einwohnerzahl. Faktisch haben die Stimmen aus den kleineren Bundesstaaten dadurch ein etwas höheres Gewicht. In Wyoming kommt ein Wahlmann auf 135.000 Wählerinnen und Wähler, in Kalifornien sind es 411.000.

Die Wahlleute stimmen 41 Tage nach der Präsidentenwahl ab, dieses Jahr am 14. Dezember. Sie richten sich dabei nach dem Ergebnis in ihrem Bundesstaat - in vielen Staaten würde den Wahlmännern und Wahlfrauen sonst eine Strafe drohen. Das offizielle Ergebnis wird am 6. Januar im Kongress bekannt gegeben.

Wegen des indirekten Wahlsystems ist es möglich, dass ein Kandidat die meisten Direktstimmen bekommt, die Wahl aber trotzdem verliert. Das war zum Beispiel 2016 der Fall. Damals stimmten mehr US-Amerikaner für Hillary Clinton, Donald Trump konnte sich aber durch die von ihm gewonnenen Bundesstaaten die Mehrheit der Wahlleute sichern.

Welche Bundesstaaten entscheiden die Wahl?

Besonderes Augenmerk liegt bei der Wahl 2020 auf Florida im Südosten der USA: Der nach Kalifornien und Texas drittbevölkerungsreichste Bundesstaat gilt als der Jackpot: Mit 29 Wahlleuten ist es einer der wichtigsten umkämpften Staaten.

Dahinter folgen die traditionellen "Battleground States" oder "Swing States", also jene Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Dazu gehören Pennsylvania (20 Stimmen) und Ohio (18), genauso wie Michigan, Wisconsin und Minnesota (zusammen 36 Stimmen). Aktuelle Umfragen deuten auch in Georgia (16), North Carolina (15) und Arizona (11) auf einen offenen Ausgang hin.

Ein politisches Erdbeben wäre es, falls es Biden gelingen würde, Texas zu gewinnen. Der große Staat mit 36 Stimmen geht seit Jahrzehnten an Republikaner - manche Umfragen räumen ihm dort aber zumindest einige Chancen ein.

Viele andere Staaten sind dagegen kaum umkämpft. Für die Demokraten etwa sind die Staaten an der Westküste eine sichere Bank, darunter Kalifornien mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern sowie Oregon und Washington im Nordwesten der USA. Auch im Nordosten gibt es zahlreiche als sicher geltende Staaten, darunter New York, New Jersey, Connecticut, Massachusetts, Rhode Island, Delaware und Maryland.

Die Republikaner schneiden dafür in der Regel im Zentrum des Landes stark ab, darunter im Mittleren Westen sowie im Süden. Sie gewinnen in der Regel Staaten wie Montana, Kansas, Oklahoma, Missouri, Tennessee, Kentucky, West Virginia, Arkansas, Alabama, Louisiana, Mississippi und South Carolina.

Rückblick ins Wahljahr 2016: So kam Trump ins Amt

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Am 3. November geht es jedoch nicht nur um das Weiße Haus. Zeitgleich mit der Präsidentenwahl werden auch die Machtverhältnisse im US-Kongress neu bestimmt. Zur Wahl stehen alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel der 100 Sitze im Senat.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa