Politik

US-Vorwahlen in Nevada Alle gegen Bernie Sanders

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Ist jetzt der Gejagte: Bernie Sanders

(Foto: REUTERS)

Der Vorwahl-Zirkus der US-Demokraten zieht vom kalten und ethnisch weißen Norden in den warmen und bunten Süden. Heute in den Bundesstaat Nevada, in einer Woche nach South Carolina und nur wenige Tage später schon in den Super Tuesday mit 16 Staaten und Territorien. Dann könnte der Vormarsch des linken Bernie Sanders gestoppt werden, der in landesweiten Umfragen deutlich führt. Welcher seiner Konkurrenten kann den moderaten Parteiflügel hinter sich vereinen, ihm die Stirn bieten und womöglich im November gegen US-Präsident Donald Trump antreten?

Wer ist in Nevada gesetzt?

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Ganz eindeutig Bernie Sanders. Nach seinem ersten Platz bei der Vorwahl in New Hampshire und dem knapp zweitem in Iowa ist er auch hier der eindeutige Favorit. In Nevada führt er etwa in einer Umfrage von Data in Progress mit 19 Prozent Vorsprung. Sanders genießt demnach die größte Unterstützung der hispanischen Wähler. Die machen in dem südwestlichen Bundesstaat immerhin 30 Prozent der Bevölkerung aus. Zudem hat er Geld. Seine demokratisch-sozialistische "Bewegung" generiert nicht nur Begeisterung, sondern auch viele Spenden. Die können wahlentscheidend werden, wenn man nicht wie die Milliardäre Mike Bloomberg oder Tom Steyer die Wahlkampfkosten aus eigener Tasche bezahlen kann. Was sind also Sanders Probleme? Die Mehrheit in der Partei befürchtet, er sei zu links und am Ende landesweit unwählbar. In Nevada stößt zudem sein Plan, alle bestehenden Krankenversicherungen abzuschaffen und durch ein staatliches Gesundheitssystem zu ersetzen, auf den Widerstand der Culinary Union in Las Vegas. Die Mitglieder der sehr einflussreichen Gewerkschaft der Hotel- und Casinomitarbeiter wollen ihre derzeitigen Versicherungen nicht für Sanders' Konzept aufgeben.

Wer dachte, er sei in Nevada gesetzt?

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Joe Biden. Der hatte, als es klar wurde, dass er bei den ersten zwei Wahlen im ethnisch weißen Norden nicht ganz vorn liegen würde, immer gesagt: Wartet auf die dritte und die vierte Wahl - auf Nevada und South Carolina im Süden. Dann, so Biden, würde sich zeigen, dass er als alter Haudegen der Partei die größte Unterstützung bei nicht-weißen Wählern habe. Aber als das Biden-Lager dies verkündete, war noch nicht klar, dass Iowa und New Hampshire katastrophal enden würden. Wenn Biden im Rennen bleiben will, muss er in Nevada gut abschneiden und eine Woche später in South Carolina gewinnen. Und das deutlich, denn Biden ist mittlerweile knapp bei Kasse.

Wer hofft auf eine Überraschung?

Elizabeth Warren. Die Favoritin vom Herbst wurde ähnlich wie Biden in Iowa und New Hampshire deklassiert. Auf der linken Flanke nahm ihr Bernie Sanders die Stimmen ab, auf der moderaten Pete Buttigieg. Ihre Strategie war gewesen, am Ende von links kommend die beiden Flügel der Partei zu vereinen. Aber vor allen ideologischen Grundsatzfragen wollen die Demokraten zuerst einen Spitzenkandidaten, der im Herbst Donald Trump schlagen könnte - und dafür muss man Siege vorweisen können. Am Mittwochabend schien ihr das bewusst geworden zu sein. Bei der TV-Debatte war Warren kampfeslustig, austeilend, agil; der eindeutige Star der Diskussion. Mit ihren Attacken zerlegte sie nicht nur Mike Bloomberg auf offener Bühne, sondern teilte auch kräftig gegen Buttigieg und Klobuchar aus. Danach sammelte sie in weniger als 24 Stunden rund fünf Millionen Dollar Spendengelder ein.

Wer muss über 15 Prozent kommen?

Pete Buttigieg. Keiner erwartet, dass der rhetorisch brillante Jungstar dieses Vorwahlkampfes in Nevada gewinnt, dafür ist seine Unterstützung in der ethnisch bunten Wählerschaft bislang zu gering. Der immer perfekt anmutende Buttigieg ist der Liebling der gebildeten, älteren und vor allem weißen Wähler. Aber auch wenn er in Nevada nicht gewinnen sollte, das Überspringen der 15-Prozent-Hürde ist Pflicht. Denn nur dann bekommt man Delegierte für den Wahlparteitag zugesprochen. Nach seinem hervorragenden Abschneiden in Iowa und New Hampshire hat er bislang knapp die meisten Wahlmänner. Er muss versuchen, so wenig Boden wie möglich gegenüber Sanders zu verlieren.

Wer muss beweisen, dass er keine Eintagsfliege ist?

Amy Klobuchar. Die Senatorin hatte sich in der vorherigen TV-Debatte so verhalten wie Warren am Mittwoch und wurde für ihre Attacken belohnt. In der Vorwahl von New Hampshire erreichte sie den dritten Platz, deklassierte Biden sowie Warren und nahm - viel wichtiger - auch Buttigieg Stimmen weg. Der junge Ex-Bürgermeister und Klobuchar kämpfen um die Spitzenposition des moderaten Parteiflügels. Sollte Biden weiter abstürzen und Bloomberg sich weiter so schwach zeigen wie im TV. Um relevant zu bleiben, muss Klobuchar auch in Nevada so viel wie möglich punkten.

Wer ist froh, dass er (noch) nicht dabei ist?

Mike Bloomberg. Der Ex-Bürgermeister von New York tritt ja bekanntlich erst beim Super Tuesday am dritten März zu den Vorwahlen an. Weil er sich erst so spät zu einer Kandidatur durchgerungen hatte, waren die Meldefristen für die ersten vier Vorwahlen verstrichen. Aber was der Multimilliardär zeitlich verpasst hat, macht er finanziell wett. Mit einem Flächenbombardement an TV-Werbung, für das er bislang deutlich über 300 Millionen Dollar aus eigener Tasche ausgegeben hat, konnte er sich in landesweiten Umfragen auf den zweiten Platz hinter Sanders vorschieben. Aber bei seiner ersten Teilnahme bei einer TV-Debatte musste er lernen, dass man sich eine Präsidentschaftswahl vielleicht doch nicht erkaufen kann. Ihm tut es wohl ganz gut, etwas Gras über die Niederlage wachsen zu lassen und auf den Super Tuesday zu warten.

Wer hofft, dass alles glatt läuft?

Tom Perez. Der ehemalige Arbeitsminister unter Barack Obama ist der Vorsitzende des Democratic National Committee - auf deutsche Verhältnisse übertragen eine Art Mischung zwischen Parteivorsitzenden und Generalsekretär. Unter seine Ägide wurden die Abstimmungsregeln in Iowa geändert - das eh schon komplizierte Caucus-System wurde dadurch noch komplizierter. Eine neue, ungetestete App machte die Auszählung zum Desaster und die Demokratische Partei zum Gespött. Würde sich das in Nevada wiederholen, wäre Donald Trump einer Wiederwahl vielleicht ein Schrittchen näher.

Quelle: ntv.de