Politik

Vorlage für Grönland-Übernahme?Als Dänemark den USA eine Inselgruppe verkauft hat

19.01.2026, 18:29 Uhr
imageVon Kevin Schulte
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Die Flaggen Dänemarks, der US-Jungferninseln und der USA in der Inselhauptstadt Charlotte Amalie auf Saint Thomas. (Foto: imago images / Danita Delimont)

Die USA wollen mit aller Macht Grönland besitzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Washington den Dänen eine Insel abkauft. Vor über 100 Jahren ging eine dänische Karibik-Kolonie in US-amerikanischen Besitz über.

Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, tropischer Regenwald: Die Amerikanischen Jungferninseln sind ein Paradies mitten in der Karibik, Traumziel für Urlauber und Kreuzfahrer. Die Inselgruppe könnte aber auch ein historisches Vorbild für Donald Trump und seinen Grönland-Plan werden. Der US-Präsident möchte bekanntlich die größte Insel der Welt besitzen. Alles andere sei "inakzeptabel", so Trump. Dafür holt er inzwischen die Zollkeule heraus, um einen Deal durchzudrücken. Notfalls droht Trump aber auch mit härteren Maßnahmen: "Wenn wir es nicht auf die einfache Art durchsetzen können, machen wir es auf die harte Art."

Er sei ein "Fan von Dänemark", sagt Trump, aber nur, weil die Dänen "vor 500 Jahren mit einem Boot dort angelandet sind", würden sie nicht Grönland besitzen, meint der US-Präsident. Trump argumentiert, dass Grönland nur im Besitz der USA vor Russland und China geschützt werden könnte. Die riesige Arktisinsel sei für die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Um etwas zu verteidigen, müsse man es besitzen, begründet Trump das.

25 Millionen Dollar für Dänisch-Westindien

Einer von Trumps Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgängern im Weißen Haus hat vor über 100 Jahren schon mal einen Deal mit Dänemark gemacht. Woodrow Wilson - von 1913 bis 1921 US-Präsident - hat 1917 Dänemark die Kolonie Dänisch-Westindien abgekauft. Die Amerikanischen Jungferninseln waren geboren, bestehend aus den drei Hauptinseln Saint Croix, Saint John und Saint Thomas sowie Dutzenden weiteren kleinen Inseln. Kostenpunkt: 25 Millionen Dollar. Heutzutage wären das etwa 630 Millionen Dollar, also umgerechnet ungefähr 550 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Laut NBC gehen Insider von bis zu 700 Milliarden Dollar aus, die die USA in einem theoretischen Szenario schätzungsweise für Grönland auf den Tisch legen müssten.

Dagegen waren die Jungferninseln vor 119 Jahren ein Schnäppchen. Es war damals ein Kauf mit langer Vorlaufzeit. Erst im dritten Anlauf bekamen die Amerikaner den Zuschlag. Dänemark, das im 17. Jahrhundert zunächst St. Thomas besiedelt und kolonialisiert hatte, erhielt Mitte des 19. Jahrhunderts das erste Angebot der Amerikaner. Die USA wollten zwei der drei Hauptinseln von Dänisch-Indien kaufen. Zu der Karibik-Kolonie zählten inzwischen auch St. Jan (heute Saint John) und Saint Croix, das die Dänen zuvor von Frankreich gekauft hatten. Der Verkauf zweier Inseln scheiterte jedoch im US-Kongress.

Kauf klappt im dritten Anlauf

Im Jahr 1900 machte Washington ein neues Angebot - aus strategischen Gründen. Angeblich hatte damals auch das deutsche Kaiserreich Interesse an der dänischen Karibik-Kolonie. Die USA wollten Deutschland zuvorkommen, konnten sich mit Kopenhagen aber nicht einigen.

Erst 1917, im dritten Anlauf, klappte der Kauf: Die USA befanden sich gerade im Ersten Weltkrieg. Sie befürchteten, dass Deutschland Dänemark besetzen und eine Militärbasis in der Karibik bauen könnte. Dänemark wiederum war eine Seefahrer-Nation im Niedergang und auf jedes Geld angewiesen. Eine Volksabstimmung auf dem dänischen Festland besiegelte den Verkauf. Die Inselbewohner wurden nicht befragt. 25 Millionen Dollar in Goldmünzen wechselten den Besitzer und die dänische Flagge in der Karibik wurde gegen die US-amerikanischen "Stars and Stripes" getauscht.

Seitdem besteht das Königreich Dänemark aus drei Ländern: dem dänischen Festland, den Färöern im Nordatlantik und Grönland, der größten Insel der Welt.

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Quelle: ntv.de

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