Politik

Als einziger EU-Regierungschef Orban nimmt an Trauerfeier für Gorbatschow teil

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Hat Gorbatschow die letzte Ehre erwiesen: Viktor Orban.

(Foto: AP)

Wegen der russischen Invasion in der Ukraine sagen sämtliche westliche Regierungschefs ihre Teilnahme an der Trauerfeier für Michail Gorbatschow ab - abgesehen von Viktor Orban. Der ungarische Ministerpräsident reist trotzdem nach Moskau. Doch mit Putin trifft er sich nicht.

In der russischen Hauptstadt Moskau hat die Trauerfeier für den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow begonnen. Hunderte Menschen versammelten sich am Haus der Gewerkschaften in Sichtweite des Kremls. Dort wurde der Leichnam des Friedensnobelpreisträgers aufgebahrt. Viele warteten mit Blumen in den Händen vor dem Gebäude. Unter den Trauergästen ist auch der wegen seines Russland-Sonderweges innerhalb der EU in der Kritik stehende Viktor Orban.

Der ungarische Regierungschef hatte seine Reise nach Moskau auf Twitter angekündigt. Er wolle Gorbatschow "die letzte Ehre erweisen", teilte das Außenministerium mit. Der Kreml betonte umgehend, dass kein Treffen zwischen Orban und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant sei. Orban wird von seinen Kritikern eine zu starke Moskau-Nähe vorgeworfen. Unter anderem hat Ungarn als einziges EU-Land seit Beginn des Ukraine-Krieges den Gas-Bezug aus Russland erhöht.

Gorbatschow war am Dienstag im Alter von 91 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Am frühen Nachmittag soll der frühere Staats- und Parteichef auf dem Moskauer Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster in der Nähe des Stadtzentrums neben seiner Frau Raissa bestattet werden. Ein Staatsbegräbnis gab es nicht - anders als nach dem Tod des Präsidenten Boris Jelzin.

Keine führende Politiker aus Westen

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Deutschland wird durch den Geschäftsträger der Botschaft in Moskau vertreten. Zudem reisten keine führenden Politiker aus dem Westen zu dem Begräbnis. Hintergrund sind die Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Russlands amtierender Präsident Wladimir Putin fehlt ebenfalls, der Kreml machte im Vorfeld Terminschwierigkeiten geltend. Stattdessen war es der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew, der Gorbatschow die letzte Ehre erwies. Der heutige Vizechef des Sicherheitsrats legte im Haus der Gewerkschaften Blumen am Sarg nieder.

In Russland wird Gorbatschow von vielen für den Zerfall der Sowjetunion und damit für den Niedergang der Größe Russlands verantwortlich gemacht. Gorbatschow, der als wichtiger Wegbereiter der deutschen Einheit gilt, war am Dienstag im Alter von 91 Jahren gestorben. Er hatte die Sowjetunion als deren letzter Präsident von 1985 bis 1991 geführt. Deutschland wird bei der Trauerfeier durch den Geschäftsträger der Botschaft in Moskau, Géza Andreas von Geyr, vertreten.

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 03. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP

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