Im Aufsichtsrat bei HyperglobusAltkanzler Schröder auf Kennenlern-Reise in Moskau

Altkanzler Schröder wird bei einem Filialbesuch nach seiner Berufung in den Hyperglobus-Aufsichtsrat von Beschäftigten gefeiert. Vor dem Hintergrund staatlicher Eingriffe in ausländische Unternehmen äußert er sich zur Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen.
Nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat einer russischen Supermarktkette ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder von Beschäftigten einer Moskauer Filiale mit Applaus empfangen worden. Schröder betrat die Hyperglobus-Filiale im Westen der Hauptstadt lächelnd, wie Aufnahmen des Senders RBC zeigten. "Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen", zitierte der Sender den 82-Jährigen. Der Handelskonzern bestätigte den Besuch.
Hyperglobus war im vergangenen Jahr von der deutschen Globus Holding abgespalten worden. Die mehr als 20 Supermärkte nutzen jedoch weiterhin den bekannten Markennamen. Die Personalie folgt kurz nach einer Entscheidung der Regierung in Moskau, die russischen Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro unter vorübergehende staatliche Verwaltung zu stellen. Russland versucht im Moment, ausländischen Firmen die Kontrolle über deren Vermögenswerte im Land zu entziehen.
Schröder pflegt seit seiner Amtszeit als Bundeskanzler von 1998 bis 2005 eine enge Beziehung zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dafür wird er spätestens seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 in Deutschland massiv kritisiert. Wegen seiner Weigerung, Putin zu verurteilen, hatte der Bundestag dem SPD-Politiker sein steuerfinanziertes Büro gestrichen. Schröder erklärte nun, es sei wichtig, dass Unternehmer wie Thomas Bruch und Firmen wie Globus weiterhin wirtschaftliche Beziehungen nach Russland pflegten und in dem Land investierten. "Dies ist besonders wichtig in einem so grundlegenden Bereich wie der Sicherung der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung."
Schröder hatte sich stets für engere Energiebeziehungen zu Russland eingesetzt und war unter anderem für den staatlichen Ölkonzern Rosneft sowie die Gaspipeline-Projekte Nord Stream tätig. Putin hatte Anfang des Jahres erklärt, Schröder sei sein bevorzugter Ansprechpartner für Gespräche über eine neue europäische Sicherheitsordnung. Die Europäische Union lehnte diese Idee ab. Im Juni hatten sich die beiden im Kreml zu einem Gespräch unter vier Augen getroffen.
