Politik

Chirac-Trauerfeier ohne Schröder Altkanzler kann nicht Abschied nehmen

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Politische Freunde von einst: Gerhard Schröder und Jacques Chirac.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ganz Frankreich nimmt Abschied vom früheren Präsidenten Chirac. Auch mehrere Gäste aus dem Ausland sind geladen, um dem Staatsmann die letzte Ehre zu erweisen. Altkanzler Schröder ist nicht dabei. Es gab Verwirrung um seine Einladung.

Mit einer großen Trauerfeier und Dutzenden Staatsgästen aus dem Ausland nimmt Frankreich von seinem früheren Präsidenten Jacques Chirac Abschied. An einem Gottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice nahmen unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kremlchef Wladimir Putin, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker teil.

Zu dem Trauergottesdienst war auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder erwartet worden. Doch sein Platz in der Kirche blieb leer. Schröders Büro hatte zuvor mitgeteilt, sein Wunsch auf Teilnahme an den Feierlichkeiten sei von der Protokollabteilung des Elysée-Palastes zurückgewiesen worden. Dabei handelte sich es nach Elysée-Angaben aber um ein "Missverständnis": Offenbar habe Schröder eine offizielle Einladung zu der Zeremonie erwartet, teilte das Präsidentenbüro mit. Diese habe es aber für keine der Dutzenden internationalen Gäste gegeben. Stattdessen sei nur der protokollarische Weg beschritten worden.

Aus dem Elysée hieß es weiter, für Schröder sei sowohl ein Platz in der Kirche Saint-Sulpice reserviert gewesen als auch bei einem anschließenden Mittagessen mit Präsident Emmanuel Macron und anderen amtierenden und früheren Staats- und Regierungschefs. Schröders Büro erklärte hingegen, der Elysée-Palast habe gegenüber der deutschen Botschaft in Paris auf den begrenzten Platz in der Kirche verwiesen. Dies sei der Grund dafür, dass die Teilnehmerzahl stark eingeschränkt werden müsse.

Den ganzen Tag herrscht Staatstrauer

Nach Bekanntwerden der Elysée-Stellungnahme erklärte Schröders Büro, offenbar habe es sich bei der Angelegenheit um ein "Kommunikationsproblem" der verschiedenen Protokollabteilungen gehandelt.

Chirac war von 1995 bis 2007 französischer Präsident; Schröder von 1998 bis 2005 deutscher Bundeskanzler. Die Politiker arbeiteten in verschiedenen Fragen eng zusammen. Unter anderem lehnten sie im Jahr 2003 eine Beteiligung am US-geführten Kriegseinsatz im Irak ab. Schröder bezeichnete Chirac nach dessen Tod als "Freund", den er "persönlich sehr geschätzt" habe.

Den ganzen Tag über herrscht in Frankreich Staatstrauer. Der konservative Politiker war am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Tausende Menschen hatten seit Sonntag auch noch in der Nacht angestanden, um sich von Chirac zu verabschieden. Vor der Pariser Kathedrale Saint-Louis-des-Invalides bildete sich seit Sonntagmittag bei Regenwetter eine mehrere hundert Meter lange Schlange.

Diskussionen um Marine Le Pen

Der Sarg des früheren Staatschefs stand - bedeckt von der französischen Trikolore - im Eingang der Kirche. Dort hielten Vertreter verschiedener Religionen zuvor eine interreligiöse Zeremonie ab, um Chirac zu gedenken. Am Abend mischte sich Chiracs Tochter Claude unter die Wartenden, sprach mit ihnen, schüttelte ihnen die Hand oder umarmte sie. Am heutigen Montag wird sich dann die Familie noch einmal im engsten Kreis von Chirac verabschieden.

Für Unruhe sorgt in Frankreich, dass auch Rechtsextremistin Marine Le Pen an dem Trauergottesdienst teilnehmen wollte. "Ich bin Präsidentin der ersten Partei in Frankreich, und es ist ganz natürlich, dass ich zur Beerdigung des ehemaligen Präsidenten der Republik, Jacques Chirac, gehe", sagte die Vorsitzende der Partei, Rassemblement National, dem Sender BFMTV zunächst.

Ihre Partei war bei der Europawahl im Mai knapp stärkste Kraft geworden. Am Sonntagabend erklärte sie dann, doch nicht gehen zu wollen, da Chiracs Familie sich gegen ihre Anwesenheit ausgesprochen habe. Chirac hatte sich in der Vergangenheit klar von den Rechten abgegrenzt. Bei der Präsidentenwahl 2002 hatte Chirac den rechtsextremen Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen, Vater von Marine Le Pen, mit gigantischen 82 Prozent geschlagen. Bei der Stichwahl versammelten sich damals die demokratischen Kräfte hinter Chirac. Für Le Pen war das Ergebnis eine krachende Niederlage.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa/AFP