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Attentäter mit Dschihad-Erfahrung? Ansbach-Täter angeblich schon lange IS-Mitglied

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Bei dem Bombenanschlag von Ansbach kam D. ums Leben. Er verletzte 15 Menschen.

(Foto: dpa)

Wer war der Mann, der in Ansbach eine Bombe zur Detonation brachte? Und wie nahe stand er dem IS? Ein der Terrormiliz nahe stehendes Magazin behauptet nun: Mohammad D. ist seit langer Zeit ein Kämpfer des Kalifats gewesen.

Der Attentäter von Ansbach hat nach Darstellung einer IS-nahen Zeitschrift eine lange dschihadistische Vergangenheit gehabt. Der Mann aus dem nordsyrischen Aleppo habe sich "sehr früh" dschihadistischen Bewegungen angenähert, berichtete das Magazin "al-Nabaa". Zunächst habe er sich mehrere Monate einer Vorgängerorganisation des sogenannten Islamischen Staats im Irak angeschlossen.

Später sei Mohammad D. in seine Heimat zurückgekehrt, wo er untergetaucht sei, um nicht von den Geheimdiensten von Staatschef Baschar al-Assad aufgespürt zu werden. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 bildete der Mann laut "al-Nabaa" mit Freunden zusammen eine bewaffnete Gruppe, die Regierungstruppen mit Sprengsätzen angegriffen habe. Schließlich habe der Syrer sich der Al-Nusra-Front angeschlossen.

In Aleppo wurde der Syrer dem Bericht zufolge verletzt, weshalb er das Land verließ, um sich in Europa behandeln zu lassen. Aber auch aus dem Ausland habe der Mann die Aktivitäten der späteren IS-Miliz aufmerksam verfolgt. Dem Aufruf von IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi folgend habe er begonnen, akribisch einen großen Anschlag in Deutschland vorzubereiten. Vor dem Anschlag habe er engen Kontakt mit "einem der Soldaten" des IS gehabt.

D. offenbar per Chat beeinflusst

Der 27-jährige Flüchtling aus Syrien war am Sonntagabend im mittelfränkischen Ansbach vor einem Lokal bei der Explosion einer Bombe getötet worden, die er bei sich trug. 15 Menschen wurden verletzt. Zuvor war ihm der Zutritt zu einem Konzert verweigert worden, weil er keine Eintrittskarte hatte. In einem Video bekannte sich der Mann zum IS. Die Terrormiliz hatte D. schon zuvor als einen "Soldaten des Islamischen Staats" bezeichnet.

Ob die Behauptungen des Propagandamediums "al-Nabaa" zutreffen, ist zweifelhaft. Nach bisherigen Informationen handelte es sich bei Mohammad D. nicht um einen religiösen Eiferer. Er hielt sich bereits seit zwei Jahren im Land auf und sollte nach Bulgarien abgeschoben werden. Er galt als suizidgefährdet und hatte zwei Selbstmordversuche begangen. Daher wurde die Abschiebung zunächst nicht vollzogen.

Nach jüngsten Erkenntnissen der Ermittler wurde der Attentäter über einen Handychat von außen beeinflusst. "Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Bei der Auswertung der Handys des Täters seien die Ermittler auf diesen "intensiven Chat" gestoßen, berichtete Herrmann und fügte hinzu: "Der Chat endet unmittelbar wohl vor dem Attentat." Herrmann sagte, man wisse noch nicht, wie lange der Chat-Kontakt bereits bestanden habe - ob das Wochen oder Monate zurückreiche oder gar noch länger.

Quelle: n-tv.de, jog/AFP

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