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Die Polizei am Tatort in Ansbach.
Die Polizei am Tatort in Ansbach.(Foto: dpa)

Chat mit unbekannter Person: Attentäter von Ansbach wurde beeinflusst

Der Attentäter von Ansbach bekam möglicherweise Anweisungen. Laut Bayerns Innenminister Herrmann haben die Ermittler Hinweise, dass er von einer unbekannten Person direkt beeinflusst wurde. Mit dieser habe er bis kurz vor dem Anschlag gechattet.

Nach dem Bombenanschlag in Ansbach haben die Ermittler Hinweise darauf entdeckt, dass der Attentäter von einer unbekannten Person in einem Chat direkt beeinflusst wurde. "Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Rande einer Kabinettsklausur am Tegernsee.

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Ob es sich dabei um einen Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt haben könnte, konnte Herrmann nicht sagen, dies sei Gegenstand der Ermittlungen. Man wisse auch noch nicht, wo sich der Chat-Partner des Mannes aufgehalten habe.

Bei der Auswertung der Handys des Täters seien die Ermittler auf diesen "intensiven Chat" gestoßen, berichtete Herrmann und fügte hinzu: "Der Chat endet unmittelbar wohl vor dem Attentat." Herrmann sagte, man wisse noch nicht, wie lange der Chat-Kontakt bereits bestanden habe - ob das Wochen oder Monate zurückreiche oder gar noch länger.

Sollte Bombe später explodieren?

Am Sonntagabend hatte sich ein syrischer Flüchtling in der Innenstadt von Ansbach in die Luft gesprengt und 15 Menschen verletzt. Der IS reklamierte die Tat für sich. Das Sprachrohr der Terrororganisation, Amak, brachte ein Bekennervideo heraus, dessen Authentizität noch unklar ist.

Die Ermittler prüfen auch, ob der Attentäter die Bombe tatsächlich in diesem Moment zur Explosion bringen wollte. "Es gibt aufgrund der ganzen Zeugenaussagen des Geschehens und übrigens auch des Chat-Verlaufs in der Tat Fragen, ob das in dem Moment jedenfalls von ihm beabsichtigt war, in dieser Minute die Bombe zu zünden", sagte Herrmann weiter.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bestätigte derweil einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach ein Psychologe bereits Anfang 2015 Verhaltensauffälligkeiten bei dem späteren Attentäter festgestellt hatte. In dem Gutachten schreibt der Therapeut, der Syrer sei ein "extremer Geist", und es sei ihm "durchaus zuzutrauen, dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzt".

Das Gutachten wurde für das spätere Asyl-Gerichtsverfahren des 27-Jährigen erstellt. Das Bamf hatte seinen Antrag im Dezember 2014 abgelehnt, weil er bereits in Bulgarien einen Schutzstatus erhalten hatte. Der Syrer befand sich wegen Depressionen und Suizidversuchen in psychiatrischer Behandlung.

Quelle: n-tv.de

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