Politik

Steine und Molotow-Cocktails Polizei räumt Braunkohle-Dorf Lützerath

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Aktivisten und Polizisten stehen sich am Rande des besetzten Braunkohleorts Lützerath direkt gegenüber.

(Foto: dpa)

Am Morgen beginnt die Polizei mit der Räumung des Braunkohle-Dorfs Lützerath. Befürchtungen, dass es zu Gewalt zwischen Aktivisten und Einsatzkräften kommen könnte, bewahrheiten sich. Es fliegen Steine, Flaschen und sogar Molotow-Cocktails auf die Beamten.

Die Polizei hat damit begonnen, das von Klimaaktivisten besetzte Dorf Lützerath im rheinischen Braunkohlerevier zu räumen. Wie Livebilder von der Aktion zeigen, bewarfen teilweise vermummte Aktivisten die Beamten mit Steinen und Flaschen. Auch Pyrotechnik wurde eingesetzt. ntv-Reporter Jan Heikrodt berichtete vor Ort, dass die Polizei auch mit Molotow-Cocktails beschossen worden sei. Es kam vereinzelt zu Rangeleien. Zuvor hatte das zuständige Polizeipräsidium Aachen bei Twitter bestätigt, dass mit dem Räumen der Ortslage begonnen wurde.

Klimaaktivisten berichteten, sie wehrten sich mit Barrikaden und Menschenketten gegen die laufende Räumung. Der Aktionsticker Lützerath meldete, dass Polizisten weit in das Dorf vorgedrungen seien und auch die Zeltwiese der Aktivisten erreicht hätten. Bei einer als "Gegenschlag" bezeichneten Aktion habe ein Dutzend Menschen den Zugang in den Tagebau bei Jackerath blockiert. Demnach seilten sich Aktivisten von einer alten Autobahnbrücke über die Straße ab. Der Hauptzugang der Polizei zu ihrem Logistiklager im Tagebau sei damit blockiert.

Trotz der Aufforderung der Polizei, Lützerath zu verlassen, wollen Aktivisten das Dorf weiter besetzt halten. "Die Menschen sind fest entschlossen dazubleiben, auszuharren, die Bäume und die Gebäude zu schützen", sagte Mara Sauer, eine Sprecherin der Initiative "Lützerath lebt". Zu möglichen Verletzten habe sie noch keine Erkenntnisse.

RWE mahnt zu Gewaltlosigkeit

RWE will das Dorf abreißen, um die unter der Ortschaft gelegene Braunkohle abbaggern zu können. Der Energiekonzern hat angekündigt, an diesem Mittwoch mit dem "Rückbau" des rheinischen Braunkohleortes Lützerath zu beginnen. "Als eine der ersten Maßnahmen wird aus Sicherheitsgründen ein gut anderthalb Kilometer langer Bauzaun aufgestellt", teilte der Konzern am Morgen mit.

Die Besetzer rief RWE zur Gewaltlosigkeit auf. "Gewalt gegenüber Polizei oder eingesetzten Beschäftigten ist vollkommen inakzeptabel", betonte der Versorger am Morgen in einer Mitteilung. RWE rufe die Besetzer dazu auf, den Rechtsstaat zu achten und die widerrechtliche Besetzung der RWE gehörenden Häuser, Anlagen und Flächen friedlich zu beenden. "Niemand sollte sich selbst durch gesetzeswidrige Handlungen in Gefahr bringen." Auch die Polizei appellierte auf Twitter an die Aktivisten: "Unterlassen Sie sofort das Werfen von Molotow-Cocktails. Verhalten Sie sich friedlich und gewaltfrei!"

Symbol für Anti-Kohle-Bewegung

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Die Räumung des Protestdorfs ist nach Einschätzung des Aachener Polizeipräsidenten Dirk Weinspach einer der herausforderndsten Einsätze der letzten Jahre. Lützerath ist ein Ortsteil der 43.000-Einwohner-Stadt Erkelenz im Westen von Nordrhein-Westfalen. Der inmitten von Feldern gelegene Weiler befindet sich inzwischen unmittelbar an der Kante des Braunkohletagebaus Garzweiler. Die darunter liegende Kohle soll zur Stromgewinnung gefördert werden. Gegen die Pläne protestieren Klimaschützer, die das Dorf besetzt halten.

Lützerath ist zu einem Symbol für die Anti-Kohle-Bewegung geworden. RWE verwies darauf, dass der Kohleabbau notwendig sei, um die Braunkohle-Kraftwerke mit hoher Auslastung zu betreiben und damit Gas bei der Stromerzeugung in Deutschland einzusparen. RWE hatte mit dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen eine Vereinbarung getroffen, wonach der Konzern den Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorziehen will. Die ursprünglich knapp 100 Einwohner des kleinen Ortes sind alle umgesiedelt.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 11. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jug/rts/dpa

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