Politik

Mutmaßlicher Hassprediger Anti-Terror-Einheit fasst den "weißen Emir"

Nahe Toulouse ist französischen Fahndern der mutmaßliche geistige Anstifter der Paris-Attentäter ins Netz gegangen. In einer groß angelegten Razzia nehmen Spezialeinheiten den sogenannten "weißen Emir" fest. Der Mann ist alles andere als ein Unbekannter.

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Französische Anti-Terror-Fahnder haben einen mutmaßlichen Hassprediger festgenommen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen kam der als "Weißer Emir" bekannte Mann nach einer großangelegten Razzia in seinem Wohnort in der Gemeinde Artigat in Polizeigewahrsam. Ein Großaufgebot von Polizei und Gendarmerie hatte dafür das gesamte Dorf etwa 60 Kilometer südlich von Toulouse abgeriegelt.

Französischen Medien zufolge sollen an dem Einsatz am Fuße der Pyrenäen 60 Polizisten in gepanzerten Fahrzeugen beteiligt sein. Alle Fahrzeuge und Passanten wurden kontrolliert, Ausweispapiere werden geprüft. Auch zwei Hubschrauber kreisten den Angaben zufolge über dem Gebiet.

Imam mit Beziehungen zu IS-Dschihadisten

Der festgenommene Imam ist ein aus Syrien stammender Franzose namens Olivier Corel. Er gilt als Salafist und möglicher "Mentor" von Dschihadisten wie Fabien Clain, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die Stimme von Clain war nach den Anschlägen von Paris in einer Bekennerbotschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) identifiziert worden. Der Verdacht, dass auch Corel in die Pariser Terrorattacken verwickelt ist, hat sich nun offenbar erhärtet.

In Toulouse hatte Clain dem radikalen Islamisten Mohamed Merah nahegestanden, der 2012 drei Soldaten, einen Lehrer und drei Schüler einer jüdischen Schule erschoss. Fabien und sein Bruder Jean-Michel kommen von der Insel La Réunion und konvertierten zum Islam. In Artigat gerieten sie dann offenbar unter den Einfluss Corels, den sie als spirituellen Führer betrachteten.

1200 Durchsuchungen binnen elf Tagen

Clain wurde im Juli 2009 wegen der Rekrutierung von Dschihadisten für den Kampf im Irak zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung reiste er mit mehreren anderen Islamisten aus Toulouse nach Syrien aus, wo er sich der IS-Miliz anschloss. Von Syrien aus blieb er in Kontakt mit Dschihadisten in Frankreich. Er gilt als einer der Drahtzieher des gescheiterten Anschlags eines jungen Algeriers auf eine Kirche in Villejuif bei Paris im April.

Seit den Anschlägen von Paris haben französische Ermittler nach eigenen Angaben bereits mehr als 1200 Wohnungen durchsucht. Dabei wurden 165 Menschen vorläufig festgenommen und 230 Waffen sichergestellt. 142 Personen seien zunächst in Polizeigewahrsam gekommen, berichtete Innenminister Bernard Cazeneuve am Nachmittag vor der französischen Nationalversammlung. Nach AFP-Informationen wurden zudem 266 Personen vorläufig unter Hausarrest gestellt.

Quelle: n-tv.de, dsi/shu/AFP/dpa

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