Politik

Kritik: 50 Fälle sind zu viel Ärzte bemängeln Infektions-Obergrenze

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Mitarbeiter des Gesundheitsamts in Berlin-Mitte nehmen Abstriche.

(Foto: picture alliance/dpa)

Maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner darf es in sieben Tagen geben - sonst müssen wieder strengere Maßnahmen greifen, vereinbarten Kanzlerin Merkel und die Länderchefs. Ärzte in den Gesundheitsämtern schlagen Alarm: Die Grenze sei viel zu hoch angesetzt.

Der Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat die von Bund und Ländern vereinbarte Infektions-Obergrenze für die Rücknahme von Lockerungen als viel zu hoch kritisiert: "Wie die Gesundheitsämter damit klarkommen sollen, ist mir ein Rätsel. Das ist nicht zu schaffen", sagte die Verbandsvorsitzende Ute Teichert dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Die Gesundheitsämter werden ohne dauerhafte Personalunterstützung in die Knie gehen", warnte sie.

In einer Schalte vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird. In der Schalte hatte es nach Informationen der dpa heftige Diskussionen über diesen Punkt gegeben, weil vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen diese Obergrenze nicht akzeptieren wollten. Auf Nachfrage begründete Merkel die Zahl 50 mit den Kapazitäten der Gesundheitsämter, Quarantänemaßnahmen zu überwachen und die Infektionsketten nachzuverfolgen.

"Die Zahl 50 ist eine mir nicht bekannte Zahl. Uns ist schleierhaft, wo sie herkommt", sagt Teichert. Sie betonte, die Gesundheitsämter hätten in den vergangenen Wochen die Arbeit nur geschafft, weil das Personal unter anderem durch Medizinstudenten und viele Freiwillige verdrei- bis vervierfacht worden sei. "Und dennoch sind alle Mitarbeiter der Gesundheitsämter in den vergangenen Wochen auf dem Zahnfleisch gekrochen", sagte sie. Die Aushilfskräfte seien nun teilweise schon wieder weg, weil sie ins Studium oder in ihren eigentlichen Job zurückgekehrt seien.

Quelle: ntv.de, ibu