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Mehr Geflüchtete im Mittelmeer Athen bestellt türkischen Botschafter ein

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Das Flüchtlingslager Moria ist heillos überfüllt. (Archivbild)

(Foto: AP)

Allein 13 Boote mit Flüchtlingen aus der Türkei landen innerhalb einer Stunde auf Lesbos an. Die Ankunft von Hunderten Migranten schreckt Griechenland auf. Denn eigentlich soll ein Abkommen diese Art von Fluchtbewegung verhindern. Der türkische Botschafter muss antreten.

Mehr als 540 Migranten haben am Donnerstag aus der Türkei zur griechischen Insel Lesbos übergesetzt. Es handelt sich damit um die meisten Migranten, die seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im Jahr 2016 an einem einzelnen Tag in Griechenland angekommen sind. Man habe am Donnerstag "eine Art Ansturm" gehabt, sagte ein Offizier der Küstenwache. "Woran das liegt, kann ich nicht sagen."

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Allein 13 Boote seien innerhalb einer Stunde in Lesbos angekommen, teilten die örtliche Polizei und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Alle Migranten wurden den Angaben zufolge im bereits überfüllten Registrierlager von Moria auf Lesbos gebracht. Dort harren zurzeit mehr als 10.000 Geflüchtete aus. Das Lager habe eigentlich eine Aufnahmekapazität für nicht mehr als 3000 Menschen, berichtete der griechische Nachrichtensender Skai.

Die Ankunft von mehr als 500 Flüchtlingen an nur einem Tag stellt die griechischen Behörden vor neue Herausforderungen. Diplomatenkreise sprachen von einem "nie dagewesenen Anstieg" der Flüchtlingszahlen. Griechenland habe wegen der immer schwierigeren Unterbringung der Geflüchteten die Europäische Union kontaktiert und den türkischen Botschafter einbestellt, hieß es. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen teilte Außenminister Nikos Dendias dem türkischen Gesandten "seine starke Unzufriedenheit" mit. Er habe ihn an die Verpflichtungen der türkischen Regierung gemäß dem im März 2016 vereinbarten EU-Türkei-Abkommen zu erinnert.

1000 Menschen sollen aufs Festland

Der Flüchtlingspakt sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Im Gegenzug nehmen EU-Staaten der Türkei schutzbedürftige Flüchtlinge aus Syrien ab und finanzieren Hilfen für in der Türkei lebende Flüchtlinge. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hatte es Tage gegeben, an denen über die Türkei rund 7000 Migranten griechische Inseln erreichten.

Einen Tag nach der Ankunft Hunderter Migranten auf Lesbos kündigte unterdessen die griechische Regierung die Verlegung von rund 1000 Menschen aus dem Registrierlager aufs Festland an. Die Migranten sollen an Bord von zwei Kriegsschiffen der griechischen Marine am 3. September von Lesbos zum Lager von Nea Kavala nahe Thessaloniki gebracht werden.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP/rts

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