Politik

Wo Berlin von Bayern lernen kannAusgerechnet eine CSU-Frau bringt Berlins Behörden auf Vordermann

15.02.2026, 14:01 Uhr
imageVon Roberta Bieling und Dimitri Blinski
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Was haben Bayerns Ministerpräsident und so gut wie alle Berliner gemeinsam? Sie schimpfen gern über die Hauptstadt. Zu Unrecht, findet Berlins Staatssekretärin für Verwaltungsmodernisierung. "Nach meiner Erfahrung funktioniert die Berliner Verwaltung praktisch genauso gut wie die in Bayern", sagt Martina Klement.

Noch steht das E-Bike mit dem großen blau-roten Container, wie man es von Paketzustellern kennt, in der Garage. Doch sobald es etwas wärmer wird, soll das erste mobile Kiezbürgeramt Berlins auf den Straßen unterwegs sein. "Vor Ort auf Straßenfesten, Behörden, in Altenheimen. Da kann man dann vor Ort und ohne Termin einfach zum Bürgeramt gehen und seine Dienstleistungen erledigen", schwärmt Martina Klement von diesem neuen Projekt. Einen neuen Personalausweis zwischen Bratwurststand und Kettenkarussell beantragen - das soll dann möglich sein. Nur die Internetverbindung muss stehen. Die Behörde holt ihre Kunden da ab, wo sie eben sind.

Die 45-Jährige geht neue Wege. So will sie nach und nach die Berliner Verwaltung beschleunigen, deren Ruf in der Hauptstadt lange legendär schlecht war. Das mobile Bürgeramt ist da nur ein Baustein. Es gehe um eine Kombination aus einzelnen Maßnahmen, sagt Klement im Gespräch mit ntv.

Es geht voran, wenn auch langsam

Die größte Herausforderung liegt darin, dass Berlin aus zwölf Bezirken besteht, die alle mehr Einwohner haben als viele andere deutsche Großstädte. "Mehr digitales Angebot, mehr Personal in den Bürgerämtern; wir haben einen Springerpool eingerichtet, neue Standorte eröffnet - und jetzt greifen alle Maßnahmen ineinander und wir haben auf einmal jeden Tag freie Termine und man kann eigentlich jeden Tag ins Bürgeramt seiner Wahl kommen", erklärt Klement ihr Erfolgsrezept.

Die Auswirkungen sind bereits zu spüren: Eine Stichprobe im Service Portal Berlin zeigt viele freie Termine, auch kurzfristig, wenn auch nicht für das gewünschte Amt in Tiergarten. Dort würde der Antrag auf einen neuen Reisepass einige Wochen dauern. Aber wenn man längere Wege in Kauf nimmt, geht es auch schneller. Die Wartezeit auf einen Termin lag im Juli 2025 bei durchschnittlich 27 Tagen, ein Jahr zuvor waren es noch 33 Tage. Es geht also voran, wenn auch langsam. Immerhin kann man mehr als 400 Bürgerdienstleistungen komplett online erledigen.

"Da könnten sich die Berliner was von den Bayern abschneiden"

Klement ist seit 2023 Staatssekretärin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in Berlin. Die 45-Jährige stammt aus Bayern und ist seit über zehn Jahren CSU-Mitglied. Der größte Unterschied zwischen dem Freistaat und der Hauptstadt? "Das Selbstbewusstsein", antwortet die Neu-Berlinerin. "Da könnten sich die Berliner ein bisschen was von den Bayern abschneiden. Nach meiner Erfahrung funktioniert die Berliner Verwaltung praktisch genauso gut wie die in Bayern." Was wohl der bayerische Ministerpräsident Markus Söder dazu sagen würde? Dazu habe sie ihn noch nicht befragt, aber "der würde vermutlich auch selbstbewusst behaupten, das konnte nur jemand aus der CSU und jemand aus Bayern, hier so aufräumen", sagt sie und kann ihr Lachen kaum unterdrücken.

Die erste CSUlerin im Berliner Senat ist eine echte Frohnatur. Nach eigener Aussage hat sie "fast unerschütterliche gute Laune" und ebenso viel Energie. Und mit der hat sie zu Beginn ihr Einzelbüro im Roten Rathaus direkt umgewandelt. "Wir haben tatsächlich etwas hemdsärmelig und mit Bordmitteln hier auf ein Großraumbüro umgestellt, haben seit neuestem eine Telefonzelle, sind selber zu Ikea gefahren und sitzen jetzt immer zu vielen hier", erklärt sie. Auch in anderen Büros werde "Desk-Sharing" betrieben. "Aber ja, macht Spaß", sagt Klement und strahlt dabei.

Ihr war schon immer klar, dass sie Beamtin werden und beim Staat arbeiten will. "Tatsächlich brennt mein Herz für die Verwaltung. Klingt vielleicht etwas außergewöhnlich, aber es macht Spaß, die Verwaltung weiter nach vorn zu bringen und zu modernisieren und zu digitalisieren." Mittlerweile wird nicht nur aus anderen Kommunen genau beobachtet, was Martina Klement in Berlin so macht. Auch auf Bundesebene könnte vielleicht ein neues Jobangebot auf sie zukommen. Aber aktuell sei sie in Berlin sehr zufrieden. Sie wolle jetzt Dinge realisieren, für die sie zwei Jahre gearbeitet hat, bis sie spürbar werden.

Quelle: ntv.de

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