Politik

Merz gerät ins Schwärmen Bei der Frauenquote kommt die CDU in Fahrt

314473997.jpg

Die ehemalige Ernährungsministerin Julia Klöckner reißt die Delegierten in ihrer Rede spürbar mit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bis zuletzt bleibt die Frage nach der Frauenquote spannend. Nach einer leidenschaftlichen Debatte, scheint die Unterstützung prominenter Redner das Ruder rumzureißen. Vor allem eine Frau schafft es, die Delegierten von ihrer Position zu überzeugen.

Friedrich Merz hat sich sichtlich Mühe gegeben. Und scheitert am Ende doch. Nicht mit dem Ergebnis der Frauenquote - denn die hat es am Ende mit 559 Stimmen durch die Abstimmung geschafft. In seiner Eröffnungsrede versucht er noch den Eindruck zu erwecken, dass die Entscheidung um die Frauenquote am 35. Parteitag der CDU Nebensache sei, indem er sie gar nicht erst erwähnt. Doch weit gefehlt.

Wie hitzig und wichtig die Debatte um die Frauenquote in der Partei am Ende ist, zeigt die hohe Anzahl von 34 Rednerinnen und Rednern. Um die Zeit einzugrenzen, wird die Rededauer auf zwei Minuten beschränkt. Der Schlagabtausch zwischen Pro und Kontra hält sich bis zum Schluss die Waage. Doch gibt es am Ende deutlich mehr Frauen, die sich zu dem Thema äußern. Und jede von ihnen macht mit viel Elan und Nachdruck klar, was die Quote für sie bedeutet.

Als Hendrik Wüst als Redner aufgerufen wird, geht ein Raunen durch den Raum. Der Ministerpräsident von NRW gewinnt die Aufmerksamkeit mit einer emotionalen Rede: "Ich stehe hier, weil starke Frauen mich gefördert haben", beginnt Wüst. "Als erstes natürlich unsere Mutter." Sie habe eine Ausbildung zur Fleischerin gemacht, "mehr Chancen hatte sie nicht". Er als Kind habe alle Möglichkeiten gehabt, die Mütter und Frauen vergangener Generationen nicht gehabt hätten. "Es geht darum, dass wir uns darauf konzentrieren, Frauen mehr Chancen zu geben". Applaus braust auf, der lauteste aller Redner bis dato.

Doch er bleibt nicht der einzige prominente Befürworter. Ein paar Minuten später betritt die ehemalige CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer die Bühne. "Ich stehe hier als eine CDU-Frau, die dieser Partei unglaublich viel zu verdanken hat", fängt sie ihre Rede an. Sie habe viel erreicht, doch den allerersten Schritt konnte sie nur gehen, weil es ein Frauenquorum gegeben habe. "Wenn es funktioniert hätte, was wir bisher getan haben, wären wir nicht, wo wir jetzt sind", so Kramp-Karrenbauer. Auch sie erhält begeisterten Applaus.

"Leidenschaft, die ich mir immer gewünscht habe"

Wiebke Winter, die mit 26 Jahren das jüngste Mitglied des CDU-Bundesvorstands ist, sei froh, keine "Quotenfrau" zu sein. Damit argumentiert sie wie die meisten Gegnerinnen der Quote. Doch niemand reißt die Delegierten so sehr mit, wie die ehemalige Ernährungsministerin Julia Klöckner. Sie betritt als eine der letzten die Bühne und stellt klar: Es bringt gar nichts, wenn Frauen gegen Frauen in Stellung gebracht werden und gegeneinander argumentieren.

Es scheine schon ein "Schenkelklopfer" zu sein, wenn Frauen erklären, sie wollten keine "Quotenfrau" sein. Gerade junge Politikerinnen hätten davor Angst, so genannt zu werden. "Ist Ihnen das aufgefallen?", fragt sie in den Messesaal in Hannover. Hätte es zu ihrer Zeit keine Quote gegeben, wäre sie heute nicht in der Politik, so Klöckner. "Man hat mich dreimal gefragt, man hat sich um mich bemüht." Wenige Argumente später, der Punkt geht an Klöckner. Der Saal tobt.

"Das ist die Leidenschaft, die ich mir immer gewünscht habe", schließt Merz die Debatte und setzt noch einen nach: "Trauen wir uns einen so kleinen Schritt nach vorne zu gehen." Sichtlich angestachelt von seinen Vorrednern, ist von seiner anfänglichen Zurückhaltung bei dem Thema nichts mehr übrig. Die Stimmung im Saal ist aufgeladen, die Entscheidung scheint gefallen.

Frauenanteil von 26 Prozent "ist beschämend"

"Ich finde es wichtig, dass wir uns für die Frauenquote entschieden haben", sagt Wüst nach der Wahl ntv.de. "Erstens, weil das Thema lange diskutiert worden ist", so der Ministerpräsident. "Und zweitens, weil es auch ein Signal an die Frauen ist, die sich bisher vielleicht noch nicht in der CDU engagiert haben." Es sei eine Einladung an alle Frauen, bei der Partei mitzumachen.

Klöckner zeigt sich froh, diese Etappe erreicht zu haben. Doch die Arbeit komme erst noch, sagt sie ntv.de. "Am Ende geht es um die Selbsterhaltung einer CDU, dass sie eben nicht auf Vorbilder, auf Personen verzichten kann, auf die Wählerinnen und Wähler aufmerksam werden." Dazu gehörten auch Frauen. "Es ist beschämend, dass wir nur 26 Prozent Frauenanteil haben, und wir sehen ja, wie die Akzeptanz der Wählerinnen ist", so die ehemalige Ministerin.

Auf die Frage, warum sich ausgerechnet so viele junge Frauen gegen die Quote ausgesprochen hätten, sagt Klöckner, das habe sie als Jugendliche auch getan. "Aber aus einem ganz klaren Grund, weil man sich nicht beweisen musste, sondern als junge Frau schon die Hausarbeiten fertig hatte, wo die Jungs abschreiben wollten."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen