Politik

Konsum von Ecstasy und Kokain Bericht: Amri nahm regelmäßig Drogen

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Anis Amri war bereits in seinem Heimatland Tunesien mit Drogendelikten aufgefallen.

(Foto: AP)

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt kommen weitere Details über den Attentäter Anis Amri ans Licht: Offenbar finanzierte er nicht nur sein Leben mit dem Dealen, sondern nahm auch selbst Drogen. War er während des Anschlags im Rausch?

Der Berliner Attentäter Anis Amri nahm offenbar selbst Drogen und finanzierte sein Leben weitgehend als Dealer. Der Tunesier, der einen Lkw in einen Berliner Weihnachtsmarkt lenkte und dabei zwölf Menschen tötete, habe regelmäßig Ecstasy und Kokain konsumiert, berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf den Sachstandsbericht zum Terroranschlag vom 19. Dezember. Mit dem Bericht will sich das für die Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags am Montag befassen.

Schon in seiner Heimat Tunesien war der 24-Jährige demnach wegen Drogendelikten aufgefallen. Die Ermittler fragen sich demnach, ob er womöglich auch bei dem Anschlag unter Drogeneinfluss gestanden hat. Amri hatte bereits zuvor mehrere Monate in Berlin gelebt - und wurde von März bis September 2016 in der Hauptstadt von der Polizei überwacht. Den Behörden war er als gefährlich bekannt. Die Überwachung ergab jedoch keine konkreten Hinweise auf geplante Gewalttaten.

Stattdessen erfuhren die Ermittler lediglich, dass Amri offenbar am Görlitzer Park im Stadtteil Kreuzberg, einem bekannten Treffpunkt in der Drogenszene, dealte. Für eine Verlängerung der Überwachung reichte das nicht. Im September brach die Polizei die Aktion dann ab. Danach soll Amri mehrmals von Nordrhein-Westfalen nach Belgien gereist sein, wo es eine starke Islamisten-Szene gibt. Die Suche nach Kontakten Amris gestalte sich jedoch schwierig, weil die Ermittler auf seinem Handy nur zwei gespeicherte Telefonnummern gefunden hätten.

Amri hatte 1000 Euro bei sich

Dem Bericht zufolge hielt sich Amri bereits mehrere Tage vor dem Anschlag in Berlin auf - und spähte offenbar auch das spätere Anschlagsziel aus. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, soll der Attentäter den Abend vor dem Anschlag gemeinsam mit seinem mutmaßlichen Kontaktmann Bilal A. in einem Restaurant direkt am Breitscheidplatz verbracht haben. Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass A. in die Pläne Amris eingeweiht war. Der 26-Jährige war Anfang Januar in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft verhaftet worden.

*Datenschutz

Unklar ist nach wie vor, ob Amri Helfer im Ausland hatte. Im Rucksack des Attentäters, der einen Tag vor Weihnachten in Mailand von der Polizei erschossen wurde, fand die Polizei laut "Welt am Sonntag" die Fahrkarte aus Frankreich, eine holländische Telefonkarte, ein deutsches Duschgel, Rasierschaum und 1000 Euro. Das habe die Mailänder Polizei auf Anfrage mitgeteilt. Drogen habe man nicht bei Amri gefunden. Woher er das Geld hatte, werde derzeit untersucht.

Bundestag will Fall untersuchen

Bereits am Samstag war bekannt geworden, dass sich womöglich ein Untersuchungsausschuss im Bundestag mit Versäumnissen bei der Überwachung Amris befassen wird. Die Unions-Fraktion hatte Zustimmung zur Einrichtung eines solchen Gremiums signalisiert. Die Grünen forderten zudem Aufklärung über Berichte zu möglichen Geheimdienstverbindungen Amris.

Auch die Linksfraktion im Bundestag verlangte eine Antwort auf die Frage, ob Sicherheitsbehörden Amri als Quelle in der Islamistenszene genutzt haben. "Es gibt eine Menge Indizien, dass da etwas faul ist", sagte Frank Tempel, der Vizefraktionschef der Linken, der "Bild am Sonntag". "Wir müssen aufklären, ob im Fall Amri die Informationsbeschaffung aus der Islamistenszene vor der Gefahrenabwehr kam."

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/rts

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