Nach US-VerfolgungsjagdBericht: Beschlagnahmter Öltanker gehört russischer Firma von der Krim

Laut den USA versucht vor zwei Wochen ein Öltanker in der Karibik, den Sanktionen zu entgehen. Schließlich wird der Frachter im Nordatlantik von US-Streitkräften gestoppt und geentert. Nun scheint auch seine Herkunft geklärt.
Der von US-Streitkräften im Nordatlantik beschlagnahmte Öltanker "Marinera" soll Medienberichten zufolge zu einem russischen Unternehmen gehören. Laut der Online-Zeitung Nowaja Gaseta Europe stammt der Frachter aus dem Besitz des russischen Unternehmens Burevestmarine, das vor sechs Monaten in Rjasan registriert wurde. Geschäftsführer und alleiniger Eigentümer ist demnach Ilja Bugai, ein Unternehmer von der annektierten Krim, der heute in Moskau lebt.
Bugai ist den Recherchen zufolge im Seehandel aktiv. Stellenanzeigen des Unternehmens aus dem Jahr 2015 sollen auf Verbindungen zu Schifffahrtsbetrieben hindeuten. Er soll außerdem CEO von Rusneftekhimtorg sein, einem Handelsunternehmen für Erdölprodukte. Nowaja Gaseta Europe bezieht sich dabei auf Daten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und des Einheitlichen Staatlichen Registers juristischer Personen. Zuvor ist der Frachter demnach von November 2024 bis Dezember 2025 unter der Flagge Guyanas und unter dem Namen "Bella 1" gefahren. Davor war er unter den Flaggen Panamas, Palaus, Liberias und der Marshallinseln registriert.
Wie die "New York Times" zudem berichtet, besteht die aktuelle Besatzung des Tankers aus Russen und Ukrainern. US-Behörden zufolge gehört das Schiff zur sogenannten Schattenflotte Putins, die unter Verstoß gegen US-Sanktionen Öl für Länder wie Venezuela, Russland und den Iran transportierte.
Die "Marinera", ehemals "Bella 1, hatte sich mehr als zwei Wochen lang den US-amerikanischen Bemühungen der Blockierung venezolanischer Öllieferungen entzogen, bevor sie schließlich im Nordatlantik von der US-Küstenwache geentert und beschlagnahmt wurde. Zunächst hatte der Frachter unter guyanischer Flagge seine Reise im Iran begonnen, machte dann einen Zwischenstopp in Venezuela und setzte seine Reise anschließend fort.
Ende Dezember versuchte die US-Küstenwache, das Schiff in der Karibik zu stoppen, jedoch weigerte sich die Besatzung, den Anweisungen Folge zu leisten, und änderte den Kurs, was eine Verfolgungsjagd auslöste. Während seiner Flucht habe die Besatzung eine russische Flagge auf den Rumpf gemalt. Wenige Tage später sei das Schiff offiziell in "Marinera" umbenannt und in das russische Schiffsregister eingetragen worden, berichtet der russische Dienst der BBC.
Quellen aus der Trump-Regierung teilten weiteren Berichten zufolge mit, dass Russland ein U-Boot und andere Marineschiffe als Sicherheitseskorte des Tankers entsandt habe. Offiziell bestätigt wurde dies vom Kreml jedoch nicht. Anfang Januar wurde berichtet, dass der Tanker unter russischer Flagge fuhr, was die rechtlichen und diplomatischen Auseinandersetzungen um die Beschlagnahmung durch die USA jedoch nicht verhinderte. US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete die "Bella 1" in einem Interview mit Fox News als "gefälschten russischen Tanker" und beschuldigte deren Betreiber, es als russisches Schiff auszugeben, um Sanktionen zu umgehen.
Nach der Beschlagnahmung teilte das russische Verkehrsministerium mit, der Tanker habe eine vorläufige Genehmigung zur Fahrt unter russischer Flagge erhalten. Das Ministerium argumentierte, dass gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen die Freiheit der Schifffahrt auf hoher See gelte und Staaten kein Recht hätten, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die in anderen Gerichtsbarkeiten ordnungsgemäß registriert seien.