Israel dämpft ErwartungenBericht: Entwaffnung der Hamas steht kurz bevor

Die Hamas erklärt sich offenbar bereit dazu, die meisten ihrer Waffen abzugeben - aber nicht an Israel. Die Gewehre der Terrororganisation bleiben einem Bericht zufolge Streitpunkt. Indes sterben wieder Menschen bei israelischen Angriffen im Gazastreifen, auch Kinder.
Bei Gesprächen in Kairo über eine Entwaffnung der palästinensischen Terrororganisation Hamas im Gazastreifen soll es bedeutende Fortschritte gegeben haben. Dies bestätigten auch Hamas-Kreise. Bei intensiven Verhandlungen in der ägyptischen Hauptstadt sei weitgehende Einigkeit über einen 15-Punkte-Fahrplan erzielt worden, hieß es.
Eine Quelle aus dem sogenannten Friedensrat von US-Präsident Donald Trump sagte der israelischen Zeitung "Haaretz", eine Einigung mit der Hamas werde "innerhalb von Stunden oder Tagen" erzielt werden. Ein israelischer Regierungsvertreter versetzte den Erwartungen jedoch einen Dämpfer.
Die Vermittler seien noch in Kontakt mit Israel, um letzte Details zu klären, hieß es aus Hamas-Kreisen. Die Hamas ist demnach bereit, ihre Waffen unter die Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung sowie der internationalen Vermittler zu stellen. Eine Übergabe an Israel sei nicht vorgesehen. Im Gegenzug müsse Israel seine Truppen komplett aus dem Gazastreifen abziehen und gezielte Tötungen in dem Palästinensergebiet stoppen.
Vorgesehen sei auch, dass die palästinensische Übergangsverwaltung "volle Verantwortung" für die Rechte von Angestellten im Gazastreifen übernehme, die zuvor Teil der Hamas-Verwaltung waren.
Ein israelischer Regierungsvertreter teilte mit, Israel fordere eine vollständige Entwaffnung der Hamas, "einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess". Die Betonung auf "sämtliche Waffen" könnte sich auf eine angebliche Weigerung der Hamas beziehen, auch alle Gewehre herauszugeben, wie die Zeitung "The Times of Israel" schreibt.
Der diskutierte 15-Punkte-Plan erfülle die Forderungen nach israelischer Auffassung nicht ausreichend, hieß es. Es werde bis zur vollständigen Entwaffnung der Hamas und Entmilitarisierung des Gazastreifens keinen Abzug der israelischen Armee von der sogenannten "gelben Linie" geben.
Wieder Tote bei israelischen Luftangriffen
Die im Friedensplan von US-Präsident Trump vorgesehene Entwaffnung der Hamas war bislang nicht umgesetzt worden. Die Organisation hatte eine Abgabe ihrer Waffen bisher abgelehnt.
Seit Oktober 2025 herrscht im Gaza-Krieg eine Waffenruhe, es kommt aber immer wieder zu israelischen Luftangriffen. Das israelische Militär spricht in der Regel von gezielten Attacken auf Hamas-Mitglieder, dabei werden aber immer wieder Unschuldige getötet. Nach palästinensischen Angaben starben heute wieder vier Menschen bei Luftangriffen, darunter zwei Kinder. Seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe wurden im Gazastreifen nach Angaben von dortigen Behörden mehr als 1200 Palästinenser von Israels Militär getötet, die meisten von ihnen Zivilisten.
Im Zuge des von Trump vermittelten Plans wurde zu Jahresbeginn das international besetzte "Board of Peace" ins Leben gerufen, das den Wiederaufbau von Gaza und die Nachkriegsordnung überwachen soll. Israel kontrolliert weiterhin rund zwei Drittel des abgeriegelten, durch den Krieg verwüsteten Küstengebiets. Der Hamas gelang es seit Beginn der Waffenruhe aber, ihre Herrschaft in dem von ihr weiterhin kontrollierten Gebiet wieder zu festigen.