Politik

Versteck im "Turm der Winde" Bericht: Hitler wollte Papst entführen lassen

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Papst Pius XII. spricht am 5. Juli 1943 vor 20.000 Italienern in Vatikanstadt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Was zunächst nach einer Verschwörungstheorie klingt, ist ein Zeitzeugenbericht, den der Vatikan nun veröffentlicht: Demnach beauftragte Adolf Hitler ein SS-Kommando mit der Deportation von Pius XII. - doch es gab einen Notfallplan.

Die Pläne der Nationalsozialisten, während der deutschen Besetzung Roms im Zweiten Weltkrieg den Papst zu entführen, waren offenbar recht weit fortgeschritten. Nach einem Bericht in der Vatikanzeitung "L'Osservatore Romano" suchte man im Kirchenstaat bereits nach einem geeigneten Versteck, um Pius XII. vor dem Zugriff der SS zu schützen. Demnach sollte der Pontifex im Notfall im sogenannten Turm der Winde verborgen werden, der sich über einem Flügel der vatikanischen Bibliothek erhebt.

Autor des Berichts ist Antonio Nogara, Sohn des damaligen Direktors der Vatikanischen Museen, Bartolomeo Nogara. Er berichtete, dass der Priester Giovanni Battista Montini - der spätere Papst Paul VI. - seinen Vater in einer Winternacht Ende Januar oder Anfang Februar 1944 in dessen Dienstwohnung aufgesucht habe. Montini habe ihm von Information der US-amerikanischen und britischen Militärgeheimdienste berichtet, wonach es bereits einen "fortgeschrittenen Plan" zur "Festnahme und Deportation des Heiligen Vaters" gegeben habe.

Ein deutsches SS-Kommando sei mit der Entführung - unter dem Vorwand, den Heiligen Vater 'unter dem persönlichen Schutz' des Führers in Sicherheit bringen zu wollen - beauftragt gewesen. Daraufhin hätten sich Montini und Nogara "mit einer Feuerwehr-Taschenlampe und vielen Schlüsseln" auf den Weg nach einem geeigneten Versteck für den Papst gemacht. Nach drei Stunden seien sie wieder zurückgekehrt.

Ein Versteck für den Notfall

Laut Bericht hatten sich die beiden Männer für den Bibliotheksturm entschieden. Dann sei die Aktion anscheinend aber doch noch von deutscher Seite abgeblasen worden. Andernfalls, so schreibt es Nogara unter Berufung auf seinen Vater, hätten die Alliierten eine Entführung mit einem Spezialkommando und Fallschirmspringern verhindert. Der Papst hätte demnach also nur bis zu deren Eintreffen, etwa zwei oder drei Tage, im Vatikan versteckt werden müssen.   

Rom war nach dem Wechsel Italiens ins Lager der Alliierten im September 1943 bis zur kampflosen Räumung Anfang Juni 1944 von Nazideutschland besetzt. Pius XII. wurde nach dem Krieg kritisiert, seine Stimme nicht entschieden genug gegen die NS-Verbrechen erhoben zu haben. Antonio Nogara starb 2014. Sein Text wurde erst nach seinem Tod im Nachlass entdeckt.

Quelle: ntv.de, jug/dpa

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