Politik

Proteste an Universitäten Bericht: Sicherheitskräfte im Iran verprügeln Professoren

Demonstranten haben sich in der Innenstadt von Teheran versammelt (Foto vom 21. September).

Demonstranten haben sich in der Innenstadt von Teheran versammelt.

(Foto: Uncredited/AP/dpa)

Schläge, Tritte und scharfe Munition: Im Iran wird massive Gewalt von Sicherheitskräften gegen Demonstranten ausgeübt. Bei Protesten an der Scharif-Universität in Teheran werden Studierende und Professoren zum Ziel der Polizei.

In der iranischen Hauptstadt Teheran sind Sicherheitskräfte örtlichen Medienberichten zufolge mit Gewalt gegen Studierende vorgegangen. Nach Protesten seien auch mehrere Professoren der renommierten Scharif-Universität verprügelt worden, berichtete die iranische Zeitung "Emtedad" auf Telegram. Polizisten und Sicherheitskräfte riegelten den Campus ab. Es sollen auch Schüsse gefallen sein. Einem Tweet der Journalistin Sima Sabet zufolge wurden auch in der "Science and Technology" Studenten attackiert.

Seit Beginn der landesweiten Proteste im Iran haben an zahlreichen Universitäten Studierende gegen die Führung der islamischen Republik und ihren repressiven Kurs demonstriert. Die Behörden haben daraufhin in vielen Städten Vorlesungen abgesagt. Auslöser der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor gut zwei Wochen.

Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich "unislamischen Outfits" festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der jungen Frau demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs von Regierung und Sicherheitskräften sowie gegen das islamische System.

Baerbock spricht von gezielten Sanktionen

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte den regierungskritischen Demonstranten im Iran ihre Unterstützung zugesagt. "Wir schauen hin. Wir stehen an eurer Seite", sagte die Grünen-Politikerin in Hannover bei einem Wahlkampfauftritt vor der Landtagswahl in Niedersachsen. Die Möglichkeiten der Außenpolitik seien manchmal begrenzt, räumte sie ein. "Aber wir können hinschauen. Wir können die Stimme dieser Frauen sein."

Baerbock erneuerte ihre Ankündigung, der Fall gehöre vor den UN-Menschenrechtsrat, und sprach sich für weitere Sanktionen aus. Auf europäischer Ebene werbe sie in Brüssel für "gezielte Sanktionen", die diejenigen treffen sollen, "die diese Verbrechen zu verantworten haben, diejenigen, die willkürlich auf Demonstrationen einschießen", sagte die Ministerin. "Wir werden das auch weiterhin auf die internationale Tagesordnung bringen, wenn es nicht mehr bei Twitter der wichtigste und stärkste Hashtag ist. Weil darauf kommt es an in solchen Zeiten: dass man auch dann hinschaut, wenn es nicht mehr in den Headlines ist", versprach sie.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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