Politik

Kalifornien tröstet Sanders Biden triumphiert am "Super Tuesday"

Nach einer langen Durststrecke feiert Joe Biden bei den Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten wichtige Siege. Neben ihm kann auch Bernie Sanders einige Achtungserfolge verbuchen. Es scheint, als machten die beiden Herren die Entscheidung über die demokratische Präsidentschaftskandidatur unter sich aus.

Die Dinge drehen sich schnell im US-Wahlkampf. "Wir sind sehr lebendig", ruft Joe Biden am Abend des "Super Tuesdays" seinen Unterstützern in Los Angeles zu. Es ist eine Botschaft an alle, die die Kampagne des Ex-Vizepräsidenten schon für tot erklärt haben. Und von ihnen gibt es nicht wenige. "Diese Kampagne hebt ab", jubelt Biden.

Tatsächlich hat er nach einer langen Durststrecke Grund zum Überschwang: Beim wichtigsten Tag der Demokraten-Vorwahlen für das Präsidentschaftsrennen gewinnt Biden laut Prognosen überraschend die Mehrheit der 14 Bundesstaaten - dabei hatten ihn viele längst abgeschrieben. Doch bei der wichtigsten Vorwahl in Kalifornien, wo es um die meisten Delegiertenstimmen geht, sehen Berechnungen den linken Senator Bernie Sanders vorne.

Die genaue Auszählung zieht sich hin. Klar ist aber bereits eines: Die Demokraten-Vorwahl ist zum Altherren-Zweikampf geworden. Die beiden End-Siebziger Biden (77) und Sanders (78) schicken sich an, im November den auch nicht mehr blutjungen Amtsinhaber, US-Präsident Donald Trump (73), herauszufordern. Ein US-Wahlkampf als Arena alter weißer Männer also.

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Für Biden läuft es plötzlich unverhofft geschmeidig. In einem Staat nach dem anderen wird er am "Super Tuesday" zum Sieger erklärt: North Carolina, Virginia, Alabama, Tennessee, Arkansas, Minnesota, Massachusetts und Texas. Sanders sichert sich seinen Heimatstaat Vermont, dazu Colorado und Utah. Und er hat Aussicht auf einen bedeutsamen Sieg in Kalifornien - in jenem Bundesstaat mit der größten Bevölkerungszahl, der im Sommer die meisten Delegierten (415) zum Nominierungsparteitag der Demokraten nach Milwaukee schickt.

Frühere Kandidaten machen sich für Biden stark

Sanders gibt sich vor Anhängern in seiner Heimat betont zuversichtlich: "Heute Abend sage ich euch mit absoluter Zuversicht, dass wir die demokratische Nominierung gewinnen werden." Und er bedenkt Biden mit einigen Breitseiten. Trump sei nicht mit der "immer gleichen alten Politik" zu schlagen. Es müsse einen Aufbruch geben. "Dies wird der Kontrast der Ideen."

In der Tat: Der hart linke Sanders gegen den gemäßigten Mann des Mainstreams, Biden. Über Monate hatte Biden geschwächelt. Bei öffentlichen Auftritten und Fernsehdebatten leistete er sich peinliche Verhaspler, Patzer und Aussetzer. Mal verwechselte er Orte, mal seine Frau, mal das Amt, um das er sich bewirbt ("Ich bin demokratischer Bewerber für den US-Senat."). Kritiker spotteten, Biden sei schon überfordert, simple Gedanken in Worte zu fassen und Sätze zu Ende zu bringen. In nationalen Umfragen fiel er dramatisch zurück und bei den ersten drei Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und Nevada fuhr er nur enttäuschende Ergebnisse ein.

Doch dann kam South Carolina Ende Februar: In dem südlichen Bundesstaat mit vielen afroamerikanischen Wählern triumphierte Biden. Für viele von ihnen bedient er die Sehnsucht nach den Jahren unter dem ersten schwarzen Präsidenten Barack Obama, für den Biden als Vize im Amt war. Kurz nach South Carolina stiegen wichtige Konkurrenten aus dem moderaten Lager - aus Angst vor einer Blamage am "Super Tuesday" - aus: der Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg und die Senatorin Amy Klobuchar.

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Sie - wie auch der zuvor abgesprungene Beto O'Rourke - erklärten offiziell ihre Unterstützung für Biden und riefen ihre Anhänger auf, zu ihm überzulaufen. Das gab Biden ungeahnten Schwung für den wichtigsten Tag der Vorwahl. Dabei hatte es zuvor so ausgesehen, als würde Sanders hier der große Abräumer werden und sich einen schwer einholbaren Vorsprung sichern. Er lag nach den ersten vier Vorwahlen im Februar vorne, führte über Wochen auch in nationalen Umfragen und hatte beste Aussichten in den wichtigen "Super Tuesday"-Staaten.

Warren muss Enttäuschung verkraften

Doch nach den bisherigen Ergebnissen blieb Sanders hinter den Erwartungen zurück. Sanders hat eine leidenschaftliche Anhängerschaft, elektrisiert junge Leute, füllt seine Wahlkampfkasse durch eine beeindruckende Zahl von Kleinspenden. Er ist unverbogen, vertritt seit Jahrzehnten mit Verve die gleichen linken Positionen - etwa für eine Krankenversicherung für alle. Doch mit seiner linken Agenda polarisiert der unabhängige Senator aus Vermont. Das Partei-Establishment ist gegen ihn. Er hat weniger Aussicht, für seine Forderungen Mehrheiten zu organisieren. Doch auch er hat weiter gute Chancen auf eine Nominierung.

Noch ist die ebenfalls linksgerichtete Senatorin Elizabeth Warren im Rennen, die wie Sanders um die liberale Anhängerschaft buhlt. Doch der "Super Tuesday" endet für sie enttäuschend - ohne einen Sieg in einem einzigen Staat. Selbst in ihrer Heimat Massachusetts verliert sie. Noch gibt sich Warren aber kämpferisch, will weiter im Rennen bleiben. Je schneller sie ausscheidet, umso besser für Sanders.

Und Bloomberg - der Mann, auf den sich an diesem Tag besonders viele Augen richteten? Der Milliardär und frühere New Yorker Bürgermeister hatte Hunderte Millionen US-Dollar in den Wahlkampf und in teure TV-Werbespots in "Super Tuesday"-Staaten gepumpt. Dort stand er zum ersten Mal auf dem Wahlzettel - die vorherigen Vorwahlstaaten hatte er ausgespart. Doch die Strategie zahlte sich nicht aus. Bloomberg sammelt zwar in mehreren "Super Tuesday"-Staaten einzelne Delegiertenstimmen, doch er gewinnt keinen einzigen Staat für sich. Nur im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa fährt er einen Sieg ein. Die Zahl der zu vergebenden Delegiertenstimmen dort: magere sechs.

Bloomberg müht sich, die Schlappe herunterzuspielen. "Der Sieg im November beginnt in Florida", sagt er bei einem Wahlkampfauftritt dort. In Florida stehen am 17. März Vorwahlen an; es geht um 219 Delegiertenstimmen. Doch auch hier liegt Biden in Umfragen weit in Führung vor Bloomberg. Zumindest vorerst gibt Bloomberg vor, nicht ans Aufgeben zu denken. Doch es wird gemunkelt, dass er seine Präsidentschaftsbewerbung zügig überdenken will.

Sanders bietet Trump viel Angriffsfläche

Trump dürfte der derzeitige Stand des Rennens gefallen. Für ihn wären sowohl Biden als auch Sanders liebsame Gegner. Biden hat sich zuletzt nicht gerade als begnadeter Redner hervorgetan. Er liefert Trumps Team durch seine verbalen Fehltritte regelmäßig Munition für Spott. Selbst unabhängige Beobachter prophezeien, Trump werde Biden bei TV-Debatten öffentlich vorführen und verbal zerlegen. Sanders dagegen könnte bei öffentlichen Auftritten gegen Trump wohl durchaus bestehen und ihm etwas entgegensetzen. Aber der selbst ernannte "demokratische Sozialist" bietet Trump gleichzeitig besonders viel Angriffsfläche.

Der Präsident würde gegen Sanders wohl mit Inbrunst einen Anti-Sozialismus-Wahlkampf führen, in dem er mit düsteren Szenarien vor venezolanischen Verhältnissen und linksradikalem Fanatismus unter Sanders warnt. Noch ist offen, wer am Ende gegen Trump antreten wird. Die Vorwahlen ziehen sich noch bis Juni hin. Und es könnte passieren, dass selbst dann bei den Demokraten noch kein klarer Gewinner feststeht, sondern es zu einem Showdown beim großen Nominierungsparteitag im Juli kommt.

Quelle: ntv.de, Christiane Jacke, Lena Klimkeit und Can Merey, dpa