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"Unangebrachte Angriffe" Bolsonaro reagiert schroff auf G7-Hilfen

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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sieht die Souveränität seines Landes missachtet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dank hört sich anders an: Brasiliens Präsident Bolsonaro zeigt sich empört angesichts der angekündigten Hilfen der G7-Staaten. "Als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", twitterte Bolsonaro. Er vermutet hinter den Hilfen eine feindliche Agenda.

Nach der Hilfszusage der G7-Staaten für das von verheerenden Waldbränden betroffene Amazonasgebiet hat sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes verbeten. "Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt, und seine Absichten hinter einer "Allianz" der G7-Staaten zur "Rettung" des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", schrieb der Staatschef auf Twitter.

Zuvor hatten die G7-Staaten bei ihrem Gipfel im französischen Biarritz eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar, rund 17,9 Millionen Euro, für den Kampf gegen die Feuer im Amazonas-Regenwald zugesagt. Die Mittel sind vor allem für die Bereitstellung von Löschflugzeugen bestimmt. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte die Brände kurzfristig auf die Agenda des Treffens gesetzt. In einem zweiten Schritt werde im September bei der UN-Vollversammlung eine Amazonas-Initiative gestartet, sagte Macron. Dabei solle es auch um Aufforstung gehen. Weil der Amazonasregenwald große Mengen an CO2 binden kann, ist er für das globale Klima von entscheidender Bedeutung. Macron bezeichnete das Amazonasgebiet als "Gemeingut".

"Andere Staatschefs haben sich mit Brasilien solidarisiert, schließlich ist der Respekt vor der Souveränität eines Landes das Mindeste, was man in einer zivilisierten Welt erwarten kann", schrieb Bolsonaro weiter. "Mit dem kolumbianischen Präsidenten Iván Duque haben wir über die Notwendigkeit eines gemeinsamen Plans der Länder der Amazonasregion gesprochen, um unsere Souveränität und unsere Bodenschätze zu schützen."

Derweil hat US-Präsident Donald Trump die Arbeitssitzung des G7-Gipfels zu Umweltthemen geschwänzt, bei der auch die Brände im Amazonas-Becken Thema waren. Eine Sprecherin begründete Trumps Fernbleiben damit, dass der Präsident bilaterale Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem indischen Premierminister Narendra Modi absolviert habe. In der Gipfelsitzung zu Umweltthemen sei er von einem hochrangigen Regierungsbeamten vertreten worden.

Umweltschützer: Politisches Klima für Abholzung

In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. Insgesamt wurden mehr als 79.000 Brände registriert. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus. Umweltschützer werfen dem rechten Präsidenten Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen.

Der Staatschef hat wiederholt klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet. Nachdem Bolsonaro wegen seiner zögerlichen Reaktion auf die Brände weltweit in die Kritik geraten war, schickte er am Wochenende die Streitkräfte in den Kampf gegen die Flammen. "Während einige kritisieren, arbeiten andere", schrieb das Präsidialamt bei Twitter über Fotos von Einsatzkräften bei den Löscharbeiten. Insgesamt stehen in der Amazonasregion 43.000 Soldaten bereit.

 

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa/AFP

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