Politik

Premier auf Intensivstation Boris Johnson bekommt Sauerstoff

Sein Kurs im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie stieß auf Kritik. Nun liegt der infizierte britische Premier Johnson auf der Intensivstation. Er sei bei Bewusstsein und erhalte Sauerstoff, heißt es. Die Regierungsgeschäfte übernimmt fürs Erste der Außenminister.

Sorge um Boris Johnson: Der britische Premierminister hat eine Sauerstoffzufuhr bekommen, wurde bislang aber nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Dieses stehe aber bereit, sollte es notwendig werden, sagte der Staatssekretär für Kabinettsangelegenheiten, Michael Gove, dem Radiosender LBC. Johnson war am Montag auf die Intensivstation verlegt worden. Der Gesundheitszustand des 55-Jährigen habe sich im Verlauf des Nachmittags verschlechtert, teilte das Büro des Regierungschefs mit. Eine Lungenentzündung habe Johnson aber nicht, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf dessen Sprecher. Der Zustand des Premierministers sei "stabil" und er bleibe guten Mutes.

Johnson habe Außenminister Dominic Raab gebeten, "ihn zu vertreten, wo es nötig ist". Von Regierungen aus aller Welt gingen Genesungswünsche für Johnson ein. Der Premier sei bei Bewusstsein, hatte es zunächst geheißen. Er sei nur "vorsichtshalber" auf die Intensivstation verlegt worden - für den Fall, dass er ein Beatmungsgerät benötigen sollte. Königin Elizabeth II. werde laufend über Johnsons Zustand unterrichtet, teilte der Buckingham-Palast mit. Johnson ist weltweit der ranghöchste amtierende Politiker, bei dem eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde.

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In Johnsons Umfeld waren zuvor Befürchtungen geäußert worden, dessen Erkrankung könnte sich unter seiner hohen Arbeitsbelastung verschlimmert haben. Viele der an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 leidenden Patienten zeigten Fieber- und Erschöpfungssymptome und nutzten die "Isolation, um zu schlafen und sich zu erholen", erklärte Gesundheitsstaatssekretärin Nadine Dorries, die selbst eine Corona-Infektion überwunden hat.

Derweil begab sich auch der britische Staatsminister Michael Gove in eine Selbstisolation. Ein Familienmitglied leide unter milden Corona-Symptomen, teilte Gove bei Twitter mit. "Ich habe keine Symptome und arbeite normal weiter." Bereits mehrere Mitglieder der Regierung sind von der Pandemie betroffen. Gesundheitsminister Matt Hancock und der medizinische Berater der Regierung, Chris Whitty, haben ihre Infektion allerdings bereits überstanden.

"Die Amerikaner beten alle für seine Genesung"

Noch am Montagnachmittag hatte sich Johnson über Twitter aus dem Krankenhaus gemeldet und erklärt, er sei "guter Stimmung". Er stehe weiterhin in Kontakt mit seinem Team, mit dem er an der Eindämmung der Pandemie arbeite. Der Premier dankte zudem den "brillanten Mitarbeitern" des britischen Gesundheitssystems, "die sich in dieser schwierigen Zeit um mich und andere kümmern".

Johnson hatte seine Corona-Infektion Ende März öffentlich gemacht. Nach gut einer Woche in Quarantäne in seiner Dienstwohnung wurde der Premier am Sonntagabend in ein Krankenhaus eingeliefert, da er weiterhin Symptome von Covid-19 zeigte.

Wünsche für die rasche Genesung Johnsons kamen unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und US-Präsident Donald Trump. Die Kanzlerin wünsche dem britischen Premier "viel Kraft und gute Besserung". Sie hoffe, dass er das Krankenhaus bald verlassen könne, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Von der Leyen wünschte dem Premier ebenfalls eine "schnelle und vollständige Genesung". Ihre Gedanken seien bei Johnson und seiner Familie, twitterte sie. Macron erklärte, Johnson habe ebenso wie das britische Volk "in diesem schweren Moment meine ganze Unterstützung".

Trump zeigte sich "sehr traurig" über Johnsons Verlegung auf die Intensivstation: "Die Amerikaner beten alle für seine Genesung", sagte der US-Präsident. Genesungswünsche für den britischen Premier kamen etwa auch von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, Polens Präsidenten Andrzej Duda und dem kanadischen Regierungschef Justin Trudeau.

Mehr als 50.000 Infektionen im Land

Der neue Chef der britischen Labour-Partei, Keir Starmer, sprach von "sehr traurigen Neuigkeiten". Seine Gedanken seien bei Johnson und dessen Familie. Außenminister Raab kündigte im Sender BBC an, er werde als Vertreter des Premiers dessen Kurs im Kampf gegen das Coronavirus fortsetzen.

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Johnson war zu Beginn der Coronavirus-Krise in die Kritik geraten, weil er restriktive Maßnahmen abgelehnt hatte. Inzwischen gilt im ganzen Vereinigten Königreich eine Ausgangssperre. Bis Montag wurden in Großbritannien mehr als 50.000 Corona-Infektionen nachgewiesen, fast 5400 Menschen starben. Auch Gesundheitsminister Matt Hancock und Thronfolger Prinz Charles hatten sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. Beide sind aber inzwischen wieder genesen.

Elizabeth II. hatte sich am Sonntag wegen der Coronavirus-Krise in einer Fernsehansprache an die Briten gewandt. Sie appellierte an das Durchhaltevermögen ihrer Landsleute.

Quelle: ntv.de, mli/AFP