Brandbrief an Kanzler Brandenburger CDU-Hochburg reicht Merz "das letzte Mal die Hand"

Bei der Brandenburger Landtagswahl vor zwei Jahren fährt die CDU in Großbeeren bei Berlin ihr bestes Ergebnis ein. Doch nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt platzt auch dort der Frust heraus. In einem offenen Brief fordern sie von Kanzler Merz Taten statt Erklärungen.
In Großbeeren bei Berlin, das eine Hochburg der Christdemokraten in Brandenburg ist, hat die CDU einen Brandbrief an Kanzler und Parteichef Friedrich Merz geschrieben. "Wir brauchen keine CDU-Führung, die der Basis erklärt, warum ihre Politik eigentlich richtig sei. Wir brauchen eine CDU-Führung, die bereit ist, sich zu fragen, warum immer weniger Menschen diese Politik für richtig halten", schreibt der Vorsitzende der CDU Großbeeren, Adrian Hepp, bei Facebook, stellvertretend für insgesamt 33 Mitglieder, die namentlich aufgeführt sind. Darunter ist auch Bürgermeister Martin Wonneberger. "Herr Merz, jetzt ist Führung gefragt!"
Die Christdemokraten der Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming halten den AfD-Sieg und das Debakel für die CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht für einen "Betriebsunfall". "Wir verlieren Wähler nicht deshalb, weil diese Menschen plötzlich radikal geworden sind", heißt es in dem Brandbrief. "Wir verlieren einen erheblichen Teil von ihnen, weil sie das Vertrauen in die CDU und in die Fähigkeit der etablierten Politik verloren haben, ihre Probleme tatsächlich zu lösen."
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fuhr die AfD mit 43,8 Prozent einen haushohen Sieg ein und konnte ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. Die CDU stürzte um fast 20 Prozentpunkte auf 17,2 Prozent ab. Bei der Landtagswahl 2024 fuhr die CDU in Großbeeren mit 22,7 Prozent ihr bestes Ergebnis ein.
Christdemokraten vermissen Reformen
Die 33 CDU-Mitglieder vermissen die versprochenen Reformen. "Wir sind mit dem Versprechen angetreten, Deutschland wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen, Bürger und Unternehmen zu entlasten, Energie bezahlbarer zu machen, Migration konsequenter zu steuern, Bürokratie abzubauen und dafür zu sorgen, dass sich Leistung wieder lohnt", schreiben sie. "Doch was davon ist bei den Menschen bisher tatsächlich angekommen?"
Einen Rücktritt von Merz fordern sie nicht. "An dem Punkt sind wir noch nicht", sagte Hepp der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wollen nochmal das letzte Mal die Hand reichen."
Die Stimmung ist nach Ansicht von Brandenburgs CDU-Generalsekretär Julian Brüning nicht nur in Großbeeren so. "Ich finde es durchaus legitim, dass sich unsere Mitglieder mit einem solchen Brief ein Ventil gesucht haben. Er spiegelt vielerorts die Stimmung an der Basis wider", sagte er.