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Tories drohen mit Austritten Brexit-Ultras planen die Zeit nach May

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May hat bereits angekündigt, bei Wahlen nicht erneut anzutreten.

(Foto: imago images / Xinhua)

Noch ist Premierministerin May im Amt, doch ihre Autorität liegt in Scherben. Bei den Tories gibt es längst Planspiele, sie durch Brexit-Hardliner zu ersetzen. In der Partei könnte das zu viel Ärger führen.

Man kann sich angenehmere Jobs vorstellen als derzeit Premierministerin von Großbritannien zu sein. Wenige Tage vor dem geplanten EU-Austritt ihres Landes gibt es immer noch keine Zustimmung für ihren Brexit-Plan, und die größten Widersacher sitzen ausgerechnet in der eigenen Partei. Und die warten nur auf den Moment, die glücklose Parteichefin abzulösen.

Wie die "Times" schreibt, sprach May bei  einem Treffen am vergangenen Donnerstag erstmals selbst den Kampf um ihre Nachfolge an. "Politik ist ein harter Wettbewerb", sagte sie demnach, und einige am Tisch hätten ein Interesse daran, ihren Platz einzunehmen. Daran sei "nichts falsch", allerdings sei es voreilig, sich nun darauf zu konzentrieren. Offenbar betonte May weiter, dass es keinen Job zu erben gebe, wenn die nächsten Tage kein gutes Ende nähmen.

Ähnlich klang Handelsminister Liam Fox. Er warnte ebenfalls mögliche Anwärter auf Mays Posten davor, die Partei zu zerstören, wenn sie sich nicht hinter das EU-Abkommen stellten. Leute wie Boris Johnson und Dominic Raab riskierten, "eine Krone zu erben, aber kein Königreich", so ein Augenzeuge.

Seit Langem ist Mays Position mehr als heikel. Bereits im Dezember initiierten die Tories ein parteiinternes Misstrauensvotum gegen die glücklose Regierungschefin. Das misslang zwar, und jetzt müssen sie ein weiteres Jahr warten, bis sie wieder über Mays Sturz abstimmen dürfen. Immerhin versprach diese inzwischen, nicht ein weiteres Mal bei Wahlen antreten zu wollen. Nur: Gefestigt ist Mays Position dadurch noch lange nicht, wie ihre folgenden historischen Abstimmungsniederlagen im Unterhaus und die mehr als mangelhafte Fraktionsdisziplin zeigten.

Sowohl Johnson als auch Raab wollen bei einer dritten Abstimmung, die allerdings bislang alles andere als gewiss ist, gemeinsam mit mindestens 20 anderen Tories gegen Mays Deal stimmen. Bereits als kurzzeitiger Brexitminister lag Raab mit der Premierministerin über Kreuz. Aus Protest gegen deren Brexit-Abkommen, das er "nicht guten Gewissens" verantworten könne, trat er im vergangenen November zurück. Eine Seite "Ready for Raab" wirbt inzwischen offen für ihn als künftigen Tory-Chef und nächsten Premierminister.

"Boris hat die Eigenschaften eines Stars"

Gefährlicher als Raab dürfte noch Boris Johnson für May werden. Johnson, der für ein Verlassen des Staatenbundes warb und entscheidend zum Sieg der Brexit-Befürworter beitrug, wird schon lange für den Posten gehandelt. Allerdings scheute er sich, direkt nach dem Referendum, danach zu greifen. Vielmehr wurde er zunächst Außenminister, bis auch er aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs zurücktrat.

"Boris hat die Eigenschaften eines Stars, die wir bei der Wählerschaft brauchen, um Corbyn zu schlagen, wenn es bald Wahlen gibt", zitiert der "Guardian" einen Abgeordneten, der sich überzeugt zeigt, dass es noch in diesem Jahr zu Neuwahlen kommt. Zumindest bei den Brexit-Anhängern unter den Tories wäre Johnson, der inzwischen auch eine etwas staatstragendere Frisur trägt, ein klarer Favorit.

Allerdings könnte seine Kandidatur dafür innerhalb der Tories auf erheblichen Widerstand stoßen. Laut "Guardian" kündigte eine Ministerin bereits an, die Partei zu verlassen, wenn Johnson und seine Unterstützer wie Jacob Rees-Mogg die Konservativen übernähmen. Einem anderen Minister zufolge haben bereits fünf oder sechs Konservative offen erklärt, den Tories den Rücken zu kehren, wenn Johnson und eine Gruppe von "Brexitultras" die Parteilinie bestimmten.

Auch die einstige Tory-Politikerin Anna Soubry erwartet dem Bericht zufolge Parteiaustritte, sollte Johnson Premier werden. Sie hat es bereits vorgemacht: Im Februar verließ sie zusammen mit zwei Kolleginnen die Partei und lief zu der neugegründeten "Unabhängigen Gruppe" über.

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Quelle: n-tv.de

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