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Gerüstet für den No-Deal-Brexit Briten wappnen sich mit Soldaten

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Ein Soldat steht vor dem Amtssitz von Premier Theresa May in der Downing Street. Dieses Foto stammt von 2017, ein ähnliches Szenario wäre aber auch im Falle eines harten Brexit möglich.

(Foto: AP)

Sollte es zu einem ungeordneten EU-Austritt kommen, könnte in Großbritannien ein Chaos ausbrechen. Die Briten sind darauf vorbereitet: In einem Atomschutzbunker gibt es für den Fall der Fälle ein Einsatzzentrum und auch Soldaten stehen bereit.

Angesichts eines drohenden harten Brexit sieht sich zumindest die britische Armee gut gerüstet: Das Verteidigungsministerium habe für den Fall eines EU-Austritts Großbritanniens ohne ein Abkommen ein Einsatzzentrum in einem atombombensicheren Bunker im Zentrum von London eingerichtet, sagte ein Ministeriumssprecher. Dort gebe es die notwendige Infrastruktur und "ein Team, das bereit ist, jede Maßnahme zu unterstützen, wenn sie nötig wird".

Im Dezember hatte das Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass 3500 Soldaten bereitgestellt würden, um die Regierung im Fall eines ungeordneten Brexit bei unvorhergesehenen Entwicklungen zu unterstützen. Dieses Kontingent sei nun "in Bereitschaft", sagte der Ministeriumssprecher. Der Kriseneinsatz der Armee für den Brexit mit dem Namen "Operation Redfold" war bereits Anfang der Woche gestartet worden.

Britischen Medien zufolge befindet sich der genannte Bunker unter dem Hauptgebäude des Verteidigungsministeriums in Whitehall. Er wird in Zeiten des nationalen Notstands genutzt. Die Armee könnte den Berichten zufolge nach dem Brexit zum Einsatz kommen, um Lebensmittel, Treibstoff und andere Güter ins Land zu bringen und zu verteilen, wenn es zu Verzögerungen des Warenverkehrs an den Landesgrenzen kommt.

EU-Austritt erneut verschoben

Noch bleiben der britischen Regierung einige Tage, um das drohende Brexit-Chaos abzuwenden. Ursprünglich wollte sich Großbritannien schon am kommenden Freitag (29. März) von der EU trennen. Doch Premierministerin Theresa May war zwei Mal mit ihrem mit Brüssel ausgehandelten Abkommen im Unterhaus durchgefallen. Der Termin war nicht mehr zu halten. Forderungen nach einem Rücktritt der Regierungschefin werden immer lauter.

Die EU und May hatten sich schließlich in der Nacht zum Freitag auf eine Verschiebung des EU-Austritts bis mindestens 12. April geeinigt. Stimmt das Unterhaus dem Brexit-Abkommen nächste Woche zu, soll der Austritt am 22. Mai geregelt über die Bühne gehen. Gelingt das nicht, erwartet die EU von Großbritannien vor dem 12. April neue Vorschläge. Britische Medien stufen die Chancen auf Zustimmung zum Abkommen als gering ein.

Auch die EU-Staats- und Regierungschefs sehen offenbar schwarz. Einige hätten die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung auf zehn Prozent taxiert, andere auf fünf - und einige hätten auch das noch für zu optimistisch gehalten, hieß es in Brüssel. Unklar ist noch, wann im Parlament zum dritten Mal über den Deal abgestimmt wird. Als möglicher Termin gilt der Dienstag, eventuell könnte es aber auch etwas später werden. Zunächst wird am Montag über das weitere Vorgehen debattiert. Am Mittwoch oder Donnerstag muss die Regierung das EU-Austrittsgesetz verändern. Dort ist noch der 29. März als Austrittsdatum festgeschrieben.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa/AFP

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