Politik

Angeblich nach Lösegeldzahlung Britische Geisel in Libyen freigelassen

RTX14PGK.jpg

Bengasi gehört zu den seit dem Sturz Gadaffis am stärksten umkämpften Städten in Libyen.

(Foto: REUTERS)

Im Mai entführt eine bisher unbekannte Gruppe in Libyen den britischen Lehrer Bolam. Über Monate lebt die Familie in Angst, dass dem Mann der Tod durch radikale Islamisten droht. Nun kommt er überraschend frei - angeblich nach einer Geldzahlung.

Ein vor fünf Monaten in Libyen entführter Lehrer aus Großbritannien ist wieder auf freiem Fuß. Wie das Londoner Außenministerium in der Nacht mitteilte, sei David Bolam "sicher und wohlauf" wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. Der an einer internationalen Schule Englisch unterrichtende Lehrer war im Mai in Bengasi von einer nicht näher genannten Gruppe entführt worden. Die Küstenstadt befindet sich zum Großteil unter der Kontrolle von radikalislamischen Milizen und gehörte zu den ersten, in denen sich bewaffneter Widerstand gegen die frühere Regierung regte. Bolams US-Kollege Ronnie Smith war dort im Dezember erschossen worden.

Die Geiselnahme sei auf Bitten des Außenministeriums in London geheim gehalten worden. Im Sender BBC hieß es, es sei Lösegeld gezahlt worden. Das Außenministerium sei nicht in die Verhandlungen eingeschaltet gewesen. Offenbar waren verschiedene ortsansässige Verhandlungsgruppen zu der Übereinkunft gekommen, Bolan laufen zu lassen. Zu weiteren Details wollte sich das Ministerium nicht äußern. "Wir kommentieren keine Einzelheiten in Entführungsfällen. Die Familie hat um Privatsphäre gebeten", sagte eine Sprecherin.

Wollte Libyen nicht verlassen

Bolam hatte sich Ende August bereits in einem Video an die britische Regierung gewandt und um Hilfe zu seiner Freilassung gebeten. In einer Botschaft sprach er damals Premierminister David Cameron direkt an und sagte, dass er bereits "sehr lange" festgehalten werde. Im Mai war Bolam beim Einkaufen "von einer der ansässigen Milizen" entführt worden, wie ein früherer Kollege der BBC erzählte. Im Gegensatz zu anderen Lehrkräften habe Bolan das seit dem Sturz von Langzeitdiktator Muammar al-Gadaffi in einen Bürgerkriege abrutschende Land nicht verlassen wollen, da er "an das was er tat glaubte".

Die in Syrien und im Irak kämpfende Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hatte am Freitag ein Video veröffentlicht, auf dem eine zweite britische Geisel, Alan Henning, enthauptet wurde. Die Tat sorgte weltweit für Empörung.

Quelle: ntv.de, bwe/AFP/dpa