Politik

EU-Parlament begrüßt neue Pläne Brüssel kurbelt Kreislaufwirtschaft an

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Frankreich führt als erstes EU-Land einen Reparatur-Index ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine CO2-neutrale, nachhaltige und geschlossene Kreislaufwirtschaft bis 2050 einzuführen, ist ein zentraler Aspekt des Green Deal der EU-Kommission. Das Europaparlament begrüßt neue Pläne, das Wirtschaftsmodell in die Wege zu leiten - auch die Wirtschaft befürwortet den neuen Vorschlag.

Weniger Abfall produzieren und mehr wiederverwenden - das Europaparlament hat Pläne für ein nachhaltigeres Wirtschaften begrüßt. Die Abgeordneten stimmten einem entsprechenden Bericht zu einem Aktionsplan der EU-Kommission zu, wie im Plenum in Brüssel mitgeteilt wurde. Darin fordern sie die Mitgliedstaaten unter anderem auf, die Kreislaufwirtschaft in ihre jeweiligen Corona-Aufbaupläne mit einzubeziehen. EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius hatte eine Kreislaufwirtschaft vor den Abgeordneten als Dreifachsieg für Menschen, Planeten und Wohlstand bezeichnet.

Konkret wollen die Abgeordneten etwa verbindliche Ziele sehen, um den Materialverbrauch bis 2030 entscheidend zu senken. Innerhalb der nächsten 30 Jahre soll zudem der Übergang von einer linearen zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft geschafft werden. Das Wirtschaftsmodell ist ein zentraler Aspekt des Green Deal der EU-Kommission. Dabei sollen Abfälle auf ein Minimum reduziert und weniger Primärressourcen genutzt werden. "Verantwortungsvolles Wirtschaften heißt eben auch so zu wirtschaften, dass kommende Generationen intakte ökonomische und ökologische Lebensgrundlagen vorfinden", kommentierte die FDP-Abgeordnete Svenja Hahn.

Recht auf Reparatur

Zustimmung für das Vorhaben kam auch aus der Wirtschaft. "Der Plan enthält mit Maßnahmen wie der Ausweitung des Ökodesigns oder einem Recht auf Reparatur längst überfällige Ansätze, das Problem der Ressourcenverschwendung an der Wurzel zu packen", hieß es von Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen.

Neben dem Abfallmanagement wollen die EU-Abgeordneten vor allem auch den Designprozess in den Blick nehmen, damit kaputte Einzelteile einfacher ausgetauscht werden können und Produkte gar nicht erst zu Wegwerfobjekten werden. Die EU-Kommission müsse nun zügig einen Gesetzesvorschlag mit verpflichtenden Vorgaben zur Langlebigkeit und Reparierbarkeit für alle Produktgruppen auf dem Binnenmarkt machen, forderte Grünen-Parlamentarierin Anna Cavazzini.

In Frankreich ist bereits ein solches Gesetz Anfang des Jahres in Kraft getreten. Der sogenannte Reparatur-Index soll die Reparierbarkeit von Geräten bewerten. In Deutschland werden die Stimmen auch lauter. Die Grünen im Bundestag plädieren für die Einführung eines Pfands auf Smartphones und Tablets. "Alte Elektrogeräte wieder loszuwerden muss genauso einfach sein wie neue zu kaufen", sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Hoffmann. Zu dem geforderten Maßnahmenpaket gehört auch eine gesetzlich verankerte Verbesserung der Wiederverwertbarkeit. Insbesondere Akkus sollen problemlos austauschbar sein. "Wir brauchen ein Recht auf Reparatur", sagte Hoffmann.

Quelle: ntv.de, cls/dpa/AFP