Politik

Chemikalien an 20 Standorten Bundeswehr-Grundstücke mit Gift belastet

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Auf einem Truppenübungsplatz in Mecklenburg-Vorpommern wird im Dezember scharf geschossen. Die Überreste solcher Übungen belasten die Böden an mindestens 20 Standorten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlandweit sind Truppenübungsplätze und Flugplätze der Bundeswehr vergiftet. Die inzwischen verbotenen Chemikalien in den Böden sind Überreste von Löschschaum, den die Feuerwehr viele Jahre lang vor allem bei Übungen benutzt hat. Das Problem ist schon lange bekannt. Geschehen ist bisher nichts.

Zahlreiche Liegenschaften der Bundeswehr sind mit giftigen Chemikalien verunreinigt. "Nach derzeitigem Stand wurde auf 20 Liegenschaften eine PFC-Kontamination nachgewiesen", sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn. Die betroffenen Standorte müssten umfassend untersucht und möglicherweise saniert werden, erklärte sie. Recherchen des Bayerischen Rundfunks ergaben, dass rund 100 weitere Standorte möglicherweise ebenfalls vergiftet sind. Der Sender beruft sich auf Bundeswehrberichte mit Gutachten und Messwerten.

Erste Verdachtsfälle kamen bereits 2016 auf. Bei den Giftstoffen handle es sich um sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Die Chemikalien kamen durch Löschschaum in die Böden, den die Bundeswehrfeuerwehr bei Bränden oder Übungen seit Jahrzehnten einsetzt. Das Löschmittel soll teilweise auch von zivilen Feuerwehren benutzt werden. Die Bundeswehr hat laut BR noch nirgendwo mit der Sanierung begonnen.

Allein vier belastete Standorte befinden sich in Sachsen-Anhalt. Betroffen sind die Truppenübungsplätze Altmark, Altengrabow, Klietz und Holzdorf. Auch Truppenübungsplätze in Bayern und Brandenburg sind belastet.

Am Beispiel des Bundeswehr-Flugplatzes Manching in Oberbayern belegt der BR das Ausmaß der Giftbelastung. Auf dem Bundeswehr-Gelände sei der Schwellenwert für einen besonders schädlichen PFC-Stoff im Grundwasser teils 400-fach überschritten. In angrenzenden Ortsteilen von Manching dürften Anwohner ihre Gärten nicht mehr mit Brunnenwasser gießen. Wer ein Haus bauen wolle, müsse auf den Keller verzichten. Denn der Aushub sei sonst teuer als Sondermüll zu entsorgen.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte, die Bundeswehr engagiere sich mit ihrem Altlastenprogramm seit mehr als 25 Jahren für die Beseitigung als umweltschädlich erkannter Stoffe in ihren aktuellen und ehemaligen Liegenschaften.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa