Politik

Amthor neuer Spitzenkandidat? CDU überholt Schwesigs SPD im Nordosten

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70 Prozent der Wähler sind laut einer Umfrage zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit Manuela Schwesig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Beliebt, aber in der falschen Partei? So könnte sich die Lage für die Regierungschefin in MV derzeit mit Blick auf die jüngsten Umfragen darstellen. Die oppositionelle CDU liegt gut ein Jahr vor der Wahl deutlich vorn. Den Rückenwind nutzt sie offenbar für eine entscheidende Weichenstellung.

Ohne Führung an die Spitze - die CDU hat in Mecklenburg-Vorpommern die von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig geführte SPD einer Umfrage zufolge in der Wählergunst deutlich überholt. In der repräsentativen Erhebung von Infratest dimap für den NDR kommen die Christdemokraten auf 29 Prozent der Wählerstimmen. Das sind etwa zehn Punkte mehr als bei der Landtagswahl 2016. Die SPD erhielt 24 Prozent Zustimmung - ein Minus von mehr als sechs Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl. Allerdings verbucht Schwesig selbst hohe Zustimmungswerte: 70 Prozent der Wähler sind laut der Umfrage zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihr.

Massiven Rückenwind erhält die CDU den Wahlforschern zufolge derzeit auch aus der Bundespolitik. Sowohl Union als auch Kanzlerin Angela Merkel verbuchen derzeit angesichts ihrer Corona-Politik hohe Zustimmungswerte. Das Ergebnis ist darüber hinaus auch deswegen bemerkenswert, weil der CDU im Nordosten seit dem überraschenden Rücktritt des Landesvorsitzenden Vincent Kokert im März eine gewählte Parteispitze fehlt.

Amthor könnte Landesverband übernehmen

Um die Nachfolge haben sich bislang der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor sowie die Schweriner Justizministerin Katy Hoffmeister beworben. Heute Nachmittag erklärte Hoffmeister allerdings, sie wolle auf ihre Kandidatur verzichten. Damit hat der 27-jährige Amthor knapp anderthalb Jahre vor der Landtagswahl gute Chancen auf den Parteivorsitz.

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Amthor sitzt seit 2017 im Deutschen Bundestag.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein geplanter Wahlparteitag wurde wegen der Corona-Krise verschoben. Über einen neuen Termin will die Landes-CDU am 19. Juni entscheiden. Amthor zufolge könnte der Parteitag im August stattfinden. Der in Ueckermünde Geborene sitzt seit 2017 für seinen Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I - Vorpommern-Greifswald II im Bundestag. Der studierte Jurist will im Herbst 2021 nun erstmals für den Landtag kandidieren. Er schließt auch eine Spitzenkandidatur zur Landtagswahl nicht aus.

Der Landesvorsitzende hätte "das erste Zugriffsrecht auf die Spitzenkandidatur", sagte Amthor. Über die Frage werde aber "zum gegebenen Zeitpunkt" entschieden. Es gehe darum, die CDU "hinter dem Ziel zu versammeln", erfolgreich in die Wahlen zu gehen. Die CDU habe den Anspruch, bei der Wahl die stärkste Kraft zu werden. Mecklenburg-Vorpommern wird von einer Koalition aus SPD und CDU regiert.

Fortsetzung der Koalition ist möglich - unter anderer Führung

Laut der aktuellen Umfrage käme die oppositionelle Linkspartei wie bei der Wahl 2016 auf etwa 13 Prozent der Stimmen, die Grünen würden mit etwa zehn Prozent - anders als die FDP - in den Landtag zurückkehren. Die AfD verlöre sechs Punkte und käme auf 15 Prozent der Stimmen.

Trotz der SPD-Verluste wäre aber bei der Landtagswahl im Frühherbst 2021 die Fortsetzung einer rot-schwarzen Koalition möglich, wenn auch unter Führung der CDU. Auch eine rot-rot-grüne Koalition hätte eine Mehrheit im Landtag.

Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge 1004 Wahlberechtigte im Nordosten befragt. Die Fehlertoleranz wurde mit 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten angegeben.

Quelle: ntv.de, jwu/fzö/AFP