Politik

Auch in Deutschland "Charlie Hebdo" ist sofort ausverkauft

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Kunden warten in der Wandelhalle des Hauptbahnhofs in Hamburg, um ein Exemplar der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo zu kaufen. Die meisten vergeblich.

(Foto: dpa)

Nur wenige "Charlie Hebdo"-Exemplare gelangen nach Deutschland. Am frühen Morgen stehen die Menschen Schlange, um ein Heft zu ergattern - doch die meisten werden enttäuscht.

Die Nachfrage nach der neuen "Charlie Hebdo"-Ausgabe reißt nicht ab. In Frankreich waren am frühen Samstag wieder Exemplare des ersten Hefts nach den Terroranschlägen von Paris zu haben. Seit dem Erscheinungstag am Mittwoch war das Satiremagazin jeweils in kürzester Zeit vergriffen. Auch hierzulande gab es erste Exemplare. Die Stückzahlen in deutschen Großstädten sind allerdings sehr begrenzt.

So gingen viele Hamburger statt mit der neuen "Charlie Hebdo" mit leeren Händen nach Hause. Die Kioske wurden nur mit einer extr em limitierten Stückzahl beliefert, andere wurden komplett ausgelassen und mussten so wartende Kunden vertrösten. Vielerorts bildeten sich Schlangen - so auch am Hamburger Hauptbahnhof, wo mehr als 60 Menschen in der Kälte ausharrten. Am Ende wurden nur sieben von ihnen mit einer Ausgabe belohnt. Damit bestätigte sich die Befürchtung vieler Einzelhändler, dass die Lieferung dem Ansturm nicht gerecht werden könnte.

Ein Kiosk - zwei Exemplare

Vor einem Buch- und Zeitschriftengeschäft im Berliner Hauptbahnhof warteten gegen 05.00 Uhr etwa 100 Menschen, um bei Ladenöffn ung ein Heft zu kaufen. Doch lediglich die ersten beiden in der Reihe hatten Glück: in dem Geschäft standen nur zwei Exemplare zum Verkauf. Im gesamten Hauptbahnhof gab es einem Fotografen der Deutschen Presse-Agentur zufolge nur 14 Hefte. Alle waren auf Französisch und kosteten vier Euro.

Auch in Stuttgart gingen Hunderte potenzielle Käufer leer aus. "Wir hätten 500 Exemplare bestellen können, die alle verkauft worden wären", sagte eine Zeitschriftenhändlerin im Stuttgarter Hauptbahnhof. Im Minutentakt kämen die Anfragen von Kunden. Die Verkäufer beklagten Probleme bei der Belieferung.

Die Redaktion des Magazins war am Mittwoch davor Ziel eines Anschlags. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben, der Großteil davon Mitarbeiter der Zeitschrift. Teils sehr derbe frühere Mohammed-Karikaturen in dem Heft gelten als Hintergrund des Angriffs mutmaßlicher islamistischer Terroristen. Nach den Glaubensvorstellungen von Muslimen sollen weder Gott noch Mohammed bildlich dargestellt werden. Das Titelbild der jüngsten Ausgabe zeigt dennoch erneut eine Zeichnung Mohammeds. In mehreren islamischen Ländern hatte dies nach den Freitagsgebeten zu teils heftigen Protesten geführt.

Festnahmen in Frankreich

Im afrikanischen Niger zündeten aufgebrachte Muslime ein französisches Kulturzentrum an. Mindestens ein Mensch kam Medienberichten zufolge ums Leben. Auf dem Tempelberg in Jerusalem versammelten sich Hunderte Palästinenser. Laut palästinensischer Nachrichtenagentur Maan wurde bei der Kundgebung eine französische Flagge verbrannt. In der südpakistanischen Stadt Karachi kam es bei Protesten zu schweren Zusammenstößen. In der algerischen Hauptstadt Algier demonstrierten Tausende gegen "Charlie Hebdo".

In Frankreich nahmen Ermittler im Zusammenhang mit der Terrorwelle der Vorwoche derweil weitere zwölf Menschen fest. Sie sollten wegen möglicher Verbindungen zu den drei Attentätern vernommen werden, hieß es. Es gehe vor allem um die Frage, ob sie logistische Unterstützung für die Anschläge auf "Charlie Hebdo", einen koscheren Supermarkt und eine Polizistin leisteten. Insgesamt wurden 17 Menschen von den Attentätern getötet, die drei wurden von Polizisten erschossen.

US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigten am Freitag angesichts der Pariser Anschläge eine noch engere Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf an. Die belgischen Behörden gingen weiter davon aus, dass die Attentäter aus Paris keine Verbindungen zu den mutmaßlich in Belgien ausgehobenen Dschihadisten hatten. Dort planten Extremisten nach offiziellen Angaben mit schweren Waffen und Sprengstoff einen größeren Anschlag auf die Polizei. Neben zwei am Donnerstagabend bei einem Anti-Terroreinsatz Getöteten gehörten mindestens 13 Verdächtige zu der gesprengten Terrorzelle, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. In dem Land gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe.

Quelle: ntv.de, dsi/dpa/AFP