Politik

Nach mutmaßlichem Giftgasangriff Chemieexperten nehmen Proben in Duma

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Menschen stehen vor zerstörten Gebäuden in Duma. Über 40 Menschen wurden bei der mutmaßlichen Giftgasattacke getötet.

(Foto: dpa)

Der Westen wirft dem syrischen Regime vor, bei einem Luftangriff auf die Stadt Duma Giftgas eingesetzt zu haben. Erst jetzt - zwei Wochen später - bekommen Inspekteure von der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen Zugang zum Ort der Attacke.

Zwei Wochen nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff im syrischen Duma haben Chemiewaffenexperten mit der Untersuchung des Tatorts begonnen. Das Team der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) habe in der Stadt bei Damaskus Proben genommen, die nun in Rijswijk in den Niederlanden analysiert werden sollen, teilte die OPCW mit. Experten zufolge kann die Analyse der Proben zwei bis drei Wochen dauern.

Die Organisation ließ offen, ob die Experten noch einmal nach Duma fahren. Das werde nach einer Bewertung der Lage vor Ort entschieden, erklärte die Organisation. Die OPCW-Experten hatten tagelang auf den Einsatz warten müssen. Als Grund wurden Sicherheitsprobleme genannt. Der Westen vermutet, die syrische Regierung und ihre Schutzmacht Russland wollten die Untersuchung verschleppen.

Spuren von Giftgas womöglich noch nachweisbar

Nach Einschätzung von Experten könnten die OPCW-Inspektoren jedoch immer noch deutliche Spuren in Kleidern, an Wänden, Felsen und im Boden finden, wenn tatsächlich giftige Chemikalien eingesetzt wurden, auch wenn ihre Wirksamkeit mit der Zeit nachlässt.

"Nervengase wie Sarin können sich nach der Verwendung in der Umgebung für viele Wochen halten", sagte Alastair Hay, Professor für Umweltgifte, von der Universität Leeds. Entscheidende Hinweise könnten auch im Blut, Urin und in Organen von Opfern gefunden werden.

Moskau hatte zuvor mitgeteilt, eigene Proben in Duma hätten keine Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen gezeigt. Auch die syrische Regierung dementierte wiederholt den Einsatz chemischer Waffen.

Die Untersuchung des Orts, an dem die Attacke ausgeführt worden sein soll, war bis zuletzt nicht möglich. Sicherheitsmitarbeiter der Vereinten Nationen waren jüngst unter Beschuss geraten, als sie die Sicherheitslage für das OPCW-Team erkunden wollten. Bis vor zwei Wochen war das Gebiet noch von Islamisten kontrolliert worden. Dann wurde es von Regierungstruppen zurückerobert.

Am 7. April hatten Aktivisten und Hilfsorganisationen von einer mutmaßlichen Attacke mit Giftgas in der Stadt berichtet. Nach Angaben der Zivilschutzorganisation Weißhelme wurden dabei mehr als 40 Menschen getötet. In der Nacht zum 14. April bombardierten die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion, um die syrische Führung am weiteren Einsatz dieser Waffen zu hindern. Syrien und sein Verbündeter Russland warfen dem Westen daraufhin Bruch des Völkerrechts vor. Auch ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kam zu dem Schluss, dass der Militärschlag völkerrechtswidrig war.

UN-Sicherheitsrat in der "Sackgasse"

Unterdessen verlegte der UN-Sicherheitsrat seine Beratungen über den festgefahrenen Syrien-Konflikt am Wochenende nach Schweden. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte bei seiner Ankunft im südschwedischen Backakra, das Gremium sei beim Thema Syrien immer noch tief gespalten.

"Wir müssen wirklich eine Lösung hinsichtlich der Verletzung internationalen Rechts finden, um die es sich beim Einsatz von Chemiewaffen handelt", sagte Guterres. Die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, bedauerte die "Sackgasse", in der sich der Sicherheitsrat beim Thema Syrien befinde.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/AFP