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"Akt der Respektlosigkeit" China verurteilt Maas-Gespräch mit Wong

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Wong und Maas unterhalten sich bei einer Veranstaltung in Berlin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kurz nachdem Aktivist Wong in Hongkong aus Polizeigewahrsam entlassen wird, reist er nach Berlin. Dort trifft er bei einem Fest unter anderem auf Bundesaußenminister Maas. China kritisiert die Begegnung scharf.

China reagiert verärgert auf eine Begegnung von Bundesaußenminister Heiko Maas mit dem Hongkonger Aktivisten und Regierungskritiker Joshua Wong. Die chinesische Regierung verurteilte das Treffen als "Akt der Respektlosigkeit". Maas war Wong am Montagabend bei einer Veranstaltung im Bundestagsgebäude begegnet und hatte sich gemeinsam mit ihm ablichten lassen.

Das Auswärtige Amt hat die Kritik aus China zurückgewiesen. Im Außenministerium wurde auf Anfrage auf die Position vom Vortag verwiesen: Treffen mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft seien ein ganz normales Verfahren. Maas habe zudem darauf verwiesen, dass sich die Bundesregierung immer für Meinungsfreiheit einsetze.

Es sei kein formaler Empfang im Auswärtigen Amt oder ein weiteres Treffen geplant, hieß es im Außenministerium. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte schon am Montag erklärt, es sei keine Begegnung zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Wong geplant. Dieser will am Mittwoch in der Bundespressekonferenz auftreten.

Wong fordert mehr Unterstützung

Wong hatte am Montagabend als Ehrengast an einem von der "Bild"-Zeitung organisierten Fest im Reichstagsgebäude teilgenommen. Der Bürgerrechtler hatte dort erklärt, die ehemalige britische Kronkolonie sei nun ein Bollwerk zwischen der freien Welt und der "Diktatur Chinas". Er zog Parallelen zwischen der friedlichen Wiedervereinigungsbewegung in Deutschland und dem Freiheitskampf in Hongkong. "Wenn wir in einem neuen Kalten Krieg sind, dann ist Hongkong das neue Berlin."

Wong forderte mehr Unterstützung für die Protestbewegung in Hongkong. "Ich hoffe, dass Menschen weltweit die Leute in Hongkong unterstützen, die für Freiheit und freie Wahlen kämpfen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Es sei an der Zeit, "dass sich mehr Menschen in Deutschland auf Hongkong konzentrieren". Er bitte die Deutschen "um Hilfe in unserem Kampf". Der Protest werde fortgeführt, "bis wir eines Tages freie Wahlen haben", betonte der 22-Jährige.

Er war kurz vor seinem Abflug nach Deutschland in Hongkong aus Polizeigewahrsam entlassen worden. Die Behörden warfen ihm vor, gegen seine Kautionsauflagen verstoßen zu haben. Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus, wie der Lokalsender RTHK berichtete. Am Montag kam Wong dann wieder auf freien Fuß.

Enttäuscht von Merkel

Der Aktivist hatte sich zuletzt enttäuscht von Bundeskanzlerin Angela Merkels Besuch in China gezeigt. Merkel hätte sich noch deutlicher äußern und für freie Wahlen einsetzen müssen, sagte er "Bild am Sonntag".

Die FDP im Bundestag forderte Merkel derweil zu einem umgehenden Treffen mit Wong auf. "Diese Gelegenheit darf die Bundeskanzlerin nicht ungenutzt lassen. Sie muss noch heute den direkten Austausch suchen und Wong im Kanzleramt empfangen", sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin Gyde Jensen. Dabei sollte Merkel deutliche Worte zur Lage in Hongkong finden, die ihr bei ihrer China-Reise fehlten.

Quelle: n-tv.de, ibu/rts/AFP/dpa

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