Politik

Tiananmen-Platz abgeriegelt Chinas Führung wird nervös

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Ein Großaufgebot von Polizei und Armee soll neue Proteste auf dem Tiananmen verhindern.

(Foto: AP)

Der 4. Juni 1989 ist ein dunkler Tag in der chinesischen Geschichte. Hunderte Menschen werden bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Peking getötet. Nun werden weitere erschütternde Details bekannt - und der Tiananmen-Platz gesperrt.

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Shao Jiang hat das Massaker vom Tiananmen überlebt und protestiert heute in London für die Menschenrechte in seiner chinesischen Heimat.

(Foto: dpa)

Zum 25. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens hat Chinas Führung mit einem massiven Polizeiaufgebot ein öffentliches Gedenken an die Opfer verhindert. Polizisten, Soldaten und Sicherheitskräfte in Zivil umringten den Platz in Peking und sperrten umliegende Straßen ab. Mit scharfen Sicherheitskontrollen sollte jeder Hinweis auf die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 unterbunden werden. Zugleich wurde im Internet der Zugang zu Google blockiert. Zensoren löschten auch Einträge beim beliebten Kurznachrichtendienst Weibo.

Polizisten führten ausländische Journalisten von dem Platz ab mit dem Hinweis, der Tiananmen-Platz sei für sie gesperrt. Ein Reuters-Journalist, der im Universitätsviertel von Peking über den Jahrestag berichten wollte, wurde mehrere Stunden von chinesischen Polizisten festgehalten.

Nach Angaben von Amnesty International wurden bereits im Vorfeld des Jahrestags mindestens 66 Menschen inhaftiert. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die chinesische Führung dazu auf, die festgehaltenen Aktivisten freizulassen und eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten. Auch nach 25 Jahren ist die Zahl der Todesopfer bei dem Militäreinsatz nicht bekannt. Schätzungen von Menschenrechtsgruppen schwanken von mehreren Hundert bis mehreren Tausend Toten.

Bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 waren einige Hundert Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl ist auch 25 Jahre danach nicht bekannt. Tausende wurden landesweit festgenommen. Einige Dutzend Teilnehmer an den Protesten wurden hingerichtet.

Brutales Vorgehen der Sicherheitskräfte

Bei der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung haben chinesische Soldaten laut US-Dokumenten lachend wahllos auf die Demonstranten geschossen. Ein bislang geheimer US-Militärbericht wurde nun 25 Jahre nach den Ereignissen in der Nacht zum 4. Juni 1989 freigegeben und vom Nationalen Sicherheitsarchiv an der George Washington University veröffentlicht. Diese hatte die Freigabe juristisch erzwungen.

Der Bericht des US-Militärs zeigt das Chaos, das damals in China herrschte. Unter anderem wird eine nicht genannte Quelle zitiert, die das Geschehen von einem Hotelzimmer am Tiananmen-Platz aus beobachtete und von einem "brutalen" Vorgehen der Sicherheitskräfte sprach. Ziel sei es gewesen, der Demokratiebewegung möglichst große Verluste beizubringen.

Soldaten der 27. Armee, die nicht den Pekinger Dialekt sprachen und offensichtlich aus verschiedenen Provinzen eingezogen worden waren, "lachten und schossen wahllos auf Gruppen, denen sie begegneten", heißt es weiter. Noch vor der Offensive hätten Polizisten in Zivil in einem Restaurant Einzelpersonen festgenommen.

Das Dokument zeigt aber auch, dass die Informationen damals lückenhaft und teilweise falsch waren. So wurde in einem US-Geheimdiensttelegramm am Tag nach der Niederschlagung eine Quelle zitiert, wonach Chinas damaliger starker Mann Deng Xiaoping gestorben sei. In Wahrheit starb Deng erst 1997.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/AFP

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