Politik

Steinmeier fordert Solidarität "Das Virus macht vor keinen Grenzen halt"

Deutschland und die Welt erleben wegen des Coronavirus eine beispiellose Krise. Bundespräsident Steinmeier richtet sich an die Bevölkerung und mahnt: "Nur der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben." Die Menschen müssten über alle Grenzen hinweg zusammenhalten.

Vier Tage nachdem sich Bund und Länder zur Eindämmung des Coronavirus auf gemeinsame Mindeststandards bei der Ausgangssperre verständigt haben, hat sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erneut an die Bevölkerung gewendet. "Abstand halten von Menschen, die wir lieben, und von Orten, die uns wichtig sind: Seit dieser Woche ist das nicht mehr nur eine Empfehlung, sondern das ist das Gebot der Stunde", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft. Schwierig sei, dass diese Stunde eher Wochen dauern werde. "Doch nur der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben."

Steinmeier bedankte sich bei den Menschen, die für ihre Mitbürger da sind und bei den Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihrer Arbeit Leben retten oder das Land am Laufen halten. "Wir spüren miteinander, unser Einstehen füreinander ist jetzt existenziell wichtig", sagte Steinmeier. "Solidarität heißt jetzt, Abstand halten und einander doch näher sein als je zuvor."

Der Bundespräsident erinnerte unter anderem an die Menschen, die durch die Eindämmungsmaßnahmen in finanzielle Probleme stürzen, und zählte unter anderem Taxifahrer, Künstler und Gastronomen auf. Er nannte "die Alleinerziehende und ihre Tochter, die auf einmal daheim, ohne großes Haus, ohne eigenen Garten sind".

Weltweite Zusammenarbeit als Chance

Steinmeier selbst habe mit der Filialleiterin eines Supermarkts telefoniert, die mit ihren Mitarbeiterinnen Zwölf-Stunden-Schichten schiebe. Er dankte Ärzten, Pflegern und Apothekern, "die jenseits der Erschöpfung ihren lebensrettenden Beruf verrichten".

Dabei forderte Steinmeier, die Aufmerksamkeit nicht allein auf Deutschland zu richten. "Unser Blick muss weiterreichen als bis zum nächsten Grenzzaun", appellierte er. "Uns allen zerreißt es das Herz, wenn wir die Bilder aus Italien sehen." Es sei gut, dass Deutschland Corona-Patienten aus Italien und Frankreich aufnehme. Er forderte mehr europäische Kooperation.

Internationale Zusammenarbeit sei auch der Ausweg aus der Krise. "Das Virus hat keine Staatsangehörigkeit und macht vor keinen Grenzen halt", sagte Steinmeier. "Unsere Zukunft liegt nicht in Abschottung voneinander, sondern in geteiltem Wissen." Die Welt müsse "alles Wissen und alle Erfahrung, alle Kreativität und Energie" bündeln.

Quelle: ntv.de, shu