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Über Auschwitz nach Berlin Das ist die Route der Nachtwölfe

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Russische "Nachtwölfe" am 9. Mai 2015 am Brandenburger Tor in Berlin.

(Foto: imago/Mike Schmidt)

Sie tun es wieder: Die russischen Nachtwölfe brechen zu ihrer "Siegesfahrt" nach Berlin auf. Im vergangenen Jahr gab es Ärger, dennoch feierten die nationalistischen Rocker am 9. Mai mit Tausenden am Sowjetischen Ehrenmal in der Hauptstadt.

Mehr als 10.000 Menschen versammelten sich am 9. Mai 2015 zur Ankunft der "Nachtwölfe" am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park in Berlin. Volksfeststimmung. Wenn es so schön war, warum nicht nochmal? Das müssen sich die russischen Biker gedacht haben. "Nach der erfolgreichen Fahrt im vergangenen Jahr wollen wir die Tour wiederholen. Vielleicht wird es eine Tradition - ein Treffen auf Motorrädern am Tag des Sieges", sagte Alexander Saldostanow, der Klubpräsident des nationalistischen Motorradklubs ist, kürzlich der russischen Nachrichtenagentur Tass.

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Alexander Saldostanow

(Foto: AP)

So brechen sie an diesem Freitag wieder zur ihrer "Siegesfahrt" auf. Die Nachtwölfe wollen den Weg der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg bis nach Berlin nachfahren. Dort wollen die Nachtwölfe am 9. Mai einen Tag feiern, der besonders dick im russischen Kalender steht: der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland. Saldostanow und seine Begleiter wollen damit nach eigenen Angaben die antifaschistischen Kämpfer würdigen.

Das geplante Programm sieht laut der russischen Nachrichtenseite "Sputnik" so aus: Von Moskau will die Truppe zunächst nach Weißrussland fahren. Dort besucht die russische Motorrad-Crew Chatyn. Die SS hatte das Dorf im März 1943 eingekreist, in Flammen gesetzt und die Bevölkerung vertrieben und getötet. Seit 1969 befindet sich dort eine Gedenkstätte. Von Chatyn aus fahren die Nachtwölfe weiter zur Brester Festung, anschließend geht es nach Polen, wo der Breslauer Soldatenfriedhof und das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz auf dem Programm stehen. Das ist zumindest der Plan.

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava wollen die Nachtwölfe einen Soldatenfriedhof und das Kriegerdenkmal Slavin besuchen. Anschließend führt der Weg weiter zu Denkmälern nach Wien und Dresden. Die Tour endet am 9. Mai in Berlin. In der deutschen Hauptstadt wollen die Biker das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park und das Brandenburger Tor besuchen. Die Nachtwölfe kommen in diesem Jahr mit 40 Mitgliedern und 60 Sympathisanten nach Deutschland. Nach eigenen Angaben verfügen alle Teilnehmer über Schengen-Visa.

Lässt Polen die Rocker über die Grenze?

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Putin mit den "Nachtwölfen".

(Foto: REUTERS)

Einer darf aber nicht mitfahren: Saldostanow, der Mann mit dem Spitznamen "Chirurg". Weil er auf der Sanktionsliste von EU und USA steht, erhielt er kein Visum. Der Klubpräsident gilt als Vertrauter von Wladimir Putin. Der russische Präsident nahm in der Vergangenheit an Touren der Gruppe teil. Den Nachtwölfen werden unter anderem Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU nachgesagt. Während der Annexion durch Russland patrouillierten sie auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Saldostanow bezeichnete seine Truppe einmal als "eiserne Kavallerie" des Präsidenten.

Auch deshalb stieß die Tour im Vorjahr nicht überall auf großen Jubel. Dass Putins Rocker inmitten der Ukraine-Krise feiernd durch Mitteleuropa fahren wollten, empfanden nicht wenige Länder als Provokation. Polen verwehrte den Bikern an der Grenze die Einreise, deutsche Behörden annullierten die Visa einiger Nachtwölfe und ließen diese nicht ins Land. Die Begründung damals: Die Tour leiste keinen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen. Der Kreml protestierte. Die betroffenen Nachtwölfe klagten später gegen die Entscheidung, woraufhin ein Berliner Verwaltungsgericht die Einreiseverbot kassierte. Spätestens da war Putins Markting-Coup endgültig gelungen.

Auch diesmal könnte es wieder Ärger geben. Polen will dem Motorradklub erneut die Einreise verweigern. Die Nachtwölfe müssten dann möglicherweise wieder einen Umweg wählen, die Strecke würde deutlich länger werden als die bisher vorgesehenen rund 3000 Kilometer. "Wir hoffen, am 1. Mai die Grenze zu überqueren. Ich hoffe, die polnischen Behörden verhalten sich in diesem Jahr angemessener", sagte Organisator Andrej Bobrowski der Agentur Ria Nowosti "Wir fürchten uns nicht vor Schwierigkeiten, sind aber auf Provokationen gefasst." Weiter sagte er: "Wir möchten den europäischen Nachbarn als Freunde die Hand reichen", sagte er. Es gehe nicht darum, jemanden mit sowjetischer Symbolik zu traumatisieren. "Eine rote Siegesfahne werden wir aber mitnehmen."

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Quelle: n-tv.de, cro

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