Politik

Tausende Griechen wollen "Ja" "Das ist wie in Simbabwe"

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Das sind die "Ja"-Sager. Sie haben Angst davor, dass Griechenland die EU verlassen und völlig verarmen könnte.

(Foto: REUTERS)

In Athen demonstrieren Tausende für ein "Ja" beim Referendum. Sie fürchten, dass Griechenland bald die Drachme einführt – und die Europäische Union verlässt.

Minos versteht die Welt nicht mehr. "Wieso?", fragt er und schüttelt den Kopf. "Das ist ein so schönes Land. Wie konnte es nur so weit kommen?" Zusammen mit Tausenden ist er an diesem schönen Sommerabend ins Zentrum Athens vor das alte Olympiastadion "Panathinaikon" gekommen. Hier demonstrieren diejenigen, die am Sonntag beim Referendum mit "Ja" stimmen wollen.

So wie dem 40-jährigen Versicherungsmakler geht es hier vielen. Auch sie können es kaum glauben, dass sie in Supermärkten Nudeln und Toilettenpapier auf Vorrat kaufen, und dass die Banken geschlossen sind.

"Das ist wie in Venezuela oder Simbabwe ", sagt Konstantinos. Die jetzige Situation sei eine Katastrophe. Vor den Parlamentswahlen im Januar sei es in Griechenland endlich wieder aufwärts gegangen, so der 32-Jährige. Doch die neue Regierung habe die mühsam errungenen Fortschritte zunichte gemacht. "Das ist so, als ob man beim Marathon fünf Kilometer vor dem Ziel stoppt, an den Start zurückkehrt und noch einmal losläuft."

"Griechenland. Europa. Demokratie", wird gerufen. So richtig kämpferisch klingt das nicht. Es ist eine eigenartige Stimmung. Die meisten Menschen stehen in Gruppen zusammen, diskutieren und geben sich entschlossen. Wer abseits steht, hat jedoch ein sorgenvolles, nachdenkliches Gesicht. Nicht wenige wirken bedrückt. "Egal, wie das Referendum ausgeht. Niemand weiß, wie es hier weitergeht", sagt eine Frau.

"Es geht um Träume und Zukunft"

"Es kann sein, dass ich meine europäische Identität verliere", sagt Thodoris. "Wir sind die erste Generation in diesem Land, die in der Europäischen Union aufgewachsen ist. Unsere Träume, unsere Zukunft, sie liegen in der EU", ergänzt der 23-jährige Jura-Student. Wie die meisten hier ist er sich sicher: Wenn Griechenland die Eurozone verlässt, wird das Land auch der EU den Rücken kehren. Aber ist die Bilanz der Rettungsversuche angesichts von Wirtschaftseinbruch und hoher Arbeitslosigkeit nicht ein Grund, mit "Nein" zu stimmen? "Wir haben jetzt weit mehr als eine Million Arbeitslose", sagt Thodoris. "Das ist schlimm. Doch wenn es zum Bruch mit Europa kommt, dann haben wir hier mehr als zwei Millionen ohne Job."

"Ich habe die Zeiten der Drachme und die heftige Inflation erlebt", sagt Manos. "Wir dürfen unserer Regierung auf keinen Fall die Möglichkeit geben, Geld zu drucken." Wie es ihm geht? "Schlecht. Sehr schlecht", sagt der 52-jährige Bankangestellte. Damit ist er an diesem Abend nicht allein.

Quelle: n-tv.de

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