Politik

Deutlich länger als geplant Dauer von Asylverfahren sinkt auf halbes Jahr

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Im Schnitt dauert es noch sechs Monate, bis in Deutschland ein Asylverfahren abgeschlossen ist.

(Foto: picture alliance / Daniel Maurer)

Zwar werden in Deutschland Asylverfahren immer schneller abgeschlossen - dennoch liegen sie noch weit entfernt von den Zielen der Bundesregierung. Bei Antragstellern aus manchen Ländern ziehen sich die Verfahren besonders lange hin.

Die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren in Deutschland ist einer Zeitung zufolge auf ein halbes Jahr gesunken. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe im dritten Quartal 2018 im Schnitt 6,1 Monate benötigt, um ein Asylverfahren abzuschließen, berichtete die Funke Mediengruppe vorab unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion.

Im ersten Quartal 2018 waren es demnach 9,2 Monate, im zweiten Quartal 7,3 Monate. Damit hat die Bundesregierung ihr selbst gestecktes Ziel allerdings erneut nicht erreicht: Zu Beginn der Flüchtlingskrise im September 2015 hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten darauf verständigt, Asylverfahren in drei Monaten abzuschließen.

Überdurchschnittlich lange dauerten Asylverfahren dem Bericht zufolge bei Menschen aus Pakistan (9,1 Monate), der Russischen Föderation (8,8 Monate), Somalia (8,4 Monate) und Afghanistan (7,5 Monate). Bei Syrern dauerte das Verfahren hingegen nur 4,4 Monate.

"Selbstgestecktes Ziel verfehlt"

Die innenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Ulla Jelpke, kritisiert die Dauer der Verfahren. "Die Bundesregierung hat ihr selbstgestecktes Ziel von drei Monaten Asylverfahrensdauer krachend verfehlt", sagte Jelpke den Funke-Zeitungen. Auch im dritten Quartal sei die durchschnittliche Verfahrensdauer immer noch mehr als doppelt so hoch.  

"Statt aufwändig und zumeist ohne Ergebnis, bereits gewährten Schutzstatus wieder infrage zu stellen, wie es derzeit im Rahmen der Widerrufsprüfungen hunderttausendfach geschieht, sollte das Personal im Bamf für die Prüfung der Asylanträge eingesetzt und weiter qualifiziert werden", so Jelpke weiter. Das könnte die Verfahrensdauern wirksam verkürzen, "und zwar ohne, dass die Qualität der Verfahren leidet".

Quelle: n-tv.de, kst/rts/AFP

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