Politik

Reaktion auf Pariser Attentate De Maizière stellt neue Anti-Terror-Truppe vor

Die Elitetruppe GSG9 erhält Verstärkung: Eine neue Einheit für groß angelegte Fahndungsaktionen steht bereit. Sie ist speziell geschult, speziell bewaffnet - und soll schneller auf Terror-Anschläge reagieren können. Ein gefährlicher Job.

Eine Spezialeinheit der Bundespolizei wird künftig die bestehenden Kräfte bei großen Anti-Terror-Einsätzen unterstützen. Am Nachmittag stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière die neue Truppe am Standort Blumberg nahe Berlin vor. Die Einheit hat den sperrigen Namen BFE+: Die Abkürzung steht für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus. Sie soll bis zum kommenden Jahr 250 Beamte an verschiedenen Standorten umfassen. Anders als GSG9-Beamte sollen sie im Alltag ganz normalen Polizeidienst leisten.

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Ein Beamter der neuen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus.

(Foto: AP)

In Blumberg nahmen zunächst 50 Beamte die Arbeit auf. Wie deren Aufgaben im Ernstfall aussehen können, präsentierten sie bei einer groß angelegten Anti-Terror-Übung, bei der eine Schießerei nach dem Muster der Anschläge von Paris im November simuliert wurde. Danach stellte de Maizière die Truppe offiziell in Dienst. "Ich bedanke mich für Ihre Bereitschaft, bei der BFE+ dabei zu sein", sagte er. "Ich bedanke mich auch bei den Ausbildern. Und ich wünsche Ihnen, dass sie möglichst wenig schwierige Einsätze haben werden."

Bereits nach den Terroranschlägen auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" im vergangenen Januar hatte der Innenminister analysieren lassen, wie Deutschland auf einen solchen Fall vorbereitet ist. Heraus kam, dass nachgebessert werden muss. Gewerkschafter hatten moniert, dass deutsche Polizisten gegen den Beschuss mit Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow nicht gewappnet seien. Zudem fehlten Beamte, die für Anti-Terror-Einsätze ausgebildet sind.

BFE+ soll Fahndungsaktionen ausführen

Die neue Einheit soll - anders als die Elitetruppe GSG9 - für tagelange, groß angelegte Fahndungsaktionen geschult werden. Bisherige Sondertrupps sind vor allem Zugriffskommandos. Die BFE, die es ähnlich auch bei den Bereitschaftspolizeien der Länder gibt, zählen bereits zu den Spezialkräften der Polizei. Sie sind für besonders gefährliche Einsätze gedacht, bei denen die Hilfe der noch spezialisierteren Beamten der SEKs und der GSG9 noch nicht benötigt wird oder diese nicht rechtzeitig verfügbar sind.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichnete die neue Einheit als Bereicherung. Der stellvertretende Vorsitzende, Jörg Radek, mahnte aber, man dürfe den normalen Streifenpolizisten nicht vergessen. "Der ist im Zweifel der erste, der mit einem Beschuss konfrontiert ist und diesen erwidern muss." Streifenbeamte hätten aber keine ausreichenden Schutzwesten und oft nur ein Magazin für ihre Waffe. "Die einen statten wir robust aus und den anderen fehlt ein zweites Magazin", klagte Radek.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, verlangt eine bessere Ausstattung von Polizeistreifen. Sie müssten stets Helme und robuste Schutzwesten im Auto dabei haben. "Es wäre verantwortungslos, beim einfachen Streifenpolizisten nichts zu tun." Den Aufbau der neuen Einheit hält Wendt grundsätzlich für richtig. "Das ist gut investiertes Geld."

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP

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