Politik

Proteste in Bagdad Demonstranten stürmen Grüne Zone

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Demonstranten haben das Parlament in Bagdad gestürmt.

(Foto: REUTERS)

Seit Monaten fordern schiitische Demonstranten eine neue Regierung. Doch Parteien fürchten um ihre Pfründe. Nun stürmen Tausende Menschen die hoch gesicherte Grüne Zone und das Parlament.

Bei einem Protest für politische Reformen sind Tausende Demonstranten in die hochgesicherte Grüne Zone der irakischen Hauptstadt Bagdad eingedrungen. Der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija zeigte Bilder von Anhängern des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr, die über die Betonschutzwände kletterten.

Einige Demonstranten drangen auch in das Parlament ein. Dieses liegt wie zahlreiche Ministerien und Botschaften in der Grünen Zone Bagdads. Al-Sadr und seine Anhänger protestieren seit Monaten regelmäßig für Reformen. Sie fordern ein Kabinett aus Technokraten.

Das Land ist seit Monaten politisch gelähmt. Angesichts von Massenprotesten und immer lauteren Reformforderungen versucht Ministerpräsident Haidar al-Abadi seit Wochen, Experten in sein Regierungsteam zu holen. Bisher werden wichtige Posten nach politischen und konfessionellen Kriterien vergeben. Mehrere Parteien stemmen sich gegen eine Expertenregierung, weil sie dann die Kontrolle über wichtige Ministerien verlieren würden.

Erst am Dienstag war es im Parlament zu Tumulten gekommen. Aufgebrachte Abgeordnete hatten Al-Abadi mit Wasserflaschen beworfen und auch Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi am Reden gehindert, wodurch eine Abstimmung über die Kabinettsliste unmöglich geworden war. Sie soll nun kommende Woche nachgeholt werden.

Mindestens 24 Tote bei Anschlag

Bei einem Autobomben-Anschlag nahe Bagdad wurden derweil mindestens 24 Menschen getötet. Mindestens 33 Menschen wurden bei der Explosion in dem östlich der Hauptstadt gelegenen Ort Nahrawan verletzt, darunter drei Sicherheitskräfte, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat übernahm in einer Erklärung im Internet die Verantwortung für das Attentat. Der Anschlag habe schiitischen "Ungläubigen" gegolten, hieß es. Das Bekenntnis ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die irakische Nachrichtenseite Al-Mada berichtete, der Attentäter habe versucht, in eine Gruppe schiitischer Pilger zu fahren. Die IS-Terrormiliz hatte sich in der Vergangenheit mehrfach zu Anschlägen gegen Schiiten in Bagdad und anderen irakischen Städten bekannt. Die Extremisten beherrschen auch nach Rückschlägen in den vergangenen Monaten große Teile im Norden und Westen des Landes.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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