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Ein Drittel weniger Einnahmen Der IS-Miliz geht das Geld aus

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Der Krieg in Syrien und dem Irak ist teuer: Dem IS fehlt es vor allem an Einnahmen aus dem Ölhandel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch vor einem Jahr galt der Islamische Staat als finanzstärkste Terrorgruppe der Welt. Nun kämpft das selbsternannte Kalifat mit wirtschaftlichen Einbußen. Weil die Einnahmen aus Ölverkäufen sinken, erheben die Islamisten neue Steuern.

Die Einnahmen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind seit dem Sommer 2015 um fast ein Dritttel eingebrochen. Das berichtet der britische "Guardian" unter Berufung auf einen Report der militärischen Analysten des "IHS", der die Bewegungen der Islamisten in den IS-kontrollierten Gebieten überwacht. Mitte 2015 hätten der IS-Führung noch rund 100 Millionen Euro pro Monat zur Verfügung gestanden, heißt es in dem Bericht. Mittlerweile seien es "nur" noch rund 70 Millionen Euro. Hauptursache für den Rückgang ist dem IHS-Analysten Ludovico Carlino zufolge die Ölförderung, die aufgrund von Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition und Russlands auf Förderanlagen des IS zurückgefahren werden musste.

Dem Bericht zufolge fördert die Terrormiliz derzeit nur noch etwa 21.000 Barrel Öl pro Tag - 12.000 Barrel weniger als noch vor einigen Monaten. Verglichen mit den Fördermengen der Opec-Staaten, die bei fast 30 Millionen Barrel am Tag liegen, ist das zwar äußerst wenig, dennoch finanzierte sich der Islamische Staat zu immerhin 43 Prozent über die Ölverkäufe auf dem Schwarzmarkt. Weil die Einnahmen eingebrochen seien, habe das Kalifat nun neue "Steuern und Abgaben" eingeführt.

Schon zuvor hatte sich die Terrormiliz dem Bericht zufolge zu etwa 50 Prozent über Steuern, Schutzgelder, Zölle und Lösegelder finanziert. Aber auch Drogenschmuggel, Spenden und der Verkauf von Strom spülten Geld in die Kassen des Kalifats. "Der Islamische Staat ist nach wie vor eine Macht in der Region", erklärte Carlino. "Aber die sinkenden Einnahmen dürften es der Gruppe schwerer machen, die eroberten Territorien auch langfristig zu halten." Nichtsdestotrotz gebe es keinen Grund zur Entwarnung: Denn die Dschihadisten seien durchaus dazu in der Lage, die teilweise zerstörten Förderanlagen zu reparieren.

IS verliert 14 Prozent des Territoriums

Erst vor wenigen Tagen hatte auch US-Präsident Barack Obama Erfolge bei der Bekämpfung der radikal-islamischen Miliz in Syrien und im Irak verkündet. Die von den USA angeführte Militärallianz habe den IS in die Defensive gedrängt, sagte Obama nach einem Treffen mit Sicherheitsberatern. Der Gruppe sei Territorium abgenommen und Versorgungsrouten seien gekappt worden - ebenso wie einige Finanzströme. Laut IHS-Schätzungen verlor der IS allein im vergangenen Jahr rund 14 Prozent seines Herrschaftsgebietes.

In Libyen ist die Terrormiliz allerdings auf dem Vormarsch: Nach US-Angaben hat sich die Zahl der IS-Kämpfer in dem nordafrikanischen Land binnen eines Jahres verdoppelt. Derzeit seien schätzungsweise zwischen 4000 und 6000 IS-Kämpfer in dem nordafrikanischen Land aktiv, hieß es aus Washington. Allerdings gelinge es ihnen, anders als den IS-Kämpfern in Syrien und dem Irak, nicht, rasch Geländegewinne zu erzielen. Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht Chaos in dem Land, das derzeit von zahlreichen bewaffneten Milizen beherrscht wird.

Quelle: ntv.de, jug/AFP