Politik

Corbyn-Treffen mit der Hamas Der Labour-Chef hat ein Terror-Problem

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Jeremy Corbyn

(Foto: REUTERS)

Labour-Chef Jeremy Corbyn hat kürzlich angekündigt, das "Antisemitismus-Problem" in seiner Partei aufzuarbeiten. Neue Enthüllungen zeigen ihnen derweil mit Hamas-Funktionären und verurteilten Terroristen.

Seitdem Jeremy Corbyn an die Spitze der britischen Labour-Partei gerückt ist, ringt diese um ihren Kurs in der Nahostpolitik. Beziehungsweise ringt sie immer wieder damit, sich gegen schwere Antisemitismus-Vorwürfe zu wehren. Gleich mehrere Berichte setzen Corbyn aktuell erneut unter erheblichen Druck und attestieren seine fehlende Distanz zur palästinensischen Hamas.

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So berichtet die "Daily Mail", dass Corbyn 2015, sechs Monate bevor er Labour-Chef wurde, eine Konferenz im britischen Oberhaus abgehalten hat. Corbyn hat dabei demnach eine Reihe von Personen eingeladen, die in der Vergangenheit mit islamistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Aussagen von sich reden gemacht hatten. Fotos des Treffens zeigen Corbyn in einem Tagungssaal des "House of Lords" an der Seite von Daud Abdullah, Azzam Tamimi und Zaher Al-Birawl.

Abdullah ist der ehemalige Vorsitzende des Britischen Muslimischen Rates (MCB), eines islamischen Verbandes, der jahrelang den 2001 eingeführten britischen Holocaust-Gedenktag boykottierte. Als sich der Verband 2007 letztlich dazu entschloss, den Boykott aufzugeben, blieb Abdullah - damals noch stellvertretender Generalsekretär der Organisation - bei seiner Linie. "Ich sehe keinen Grund, warum der Boykott enden sollte", sagt er damals einem Bericht des "Guardian" zufolge.

Selbstmordanschläge - eine "edle Sache"?

Der in Großbritannien lebende Palästinenser Azzam Tamimi ist Mitglied des Politbüros der im Gazastreifen herrschenden Terrororganisation Hamas, die von der EU als Terrororganisation eigestuft wird und die für zahlreiche Anschläge in Israel, sowie den andauernden Raketenbeschuss auf das Land verantwortlich ist. In einem Interview mit der BBC 2004 sagte Tamimi, es sei eine "edle Sache" sein Leben für die palästinensische Sache zu opfern und legitimierte damit Selbstmordattentate. "Es ist der direkte Weg, meinem Gott zu huldigen und ich würde es tun, wenn ich die Gelegenheit hätte", sagte Tamimi. 2012 unterstrich er seine Sichtweise und sagte bei einer Veranstaltung an der Queen Mary University of London, dass er "selbstverständlich" für sein Land sterben würde. "Wenn du nicht bereit bist, für dein Land zu sterben, bist du kein Patriot", so Tamimi.

Der Hamas ähnlich nahe steht der dritte umstrittene Gast Corbyns, Zaher al-Birawi. Er war in der Vergangenheit etwa als Sprecher des "Global March to Jerusalem" tätig, einer von der Hamas gestützten internationalen Kundgebung für die Sache der Palästinenser, vor allem in Gaza.

Ein weiteres Foto, das die "Daily Mail" nun veröffentlicht hat, zeigt Corbyn lächelnd an der Seite des palästinensischen Journalisten und Chefredakteurs des Nachrichten- und Meinungsportals "Rai al-Youm", Abdel Bari Atwan. Der 68-Jährige hat in der Vergangenheit mit gewaltverherrlichenden und antisemitischen Positionen mehrfach von sich Reden gemacht. 2007 sagte er im libanesischen Fernsehen, er werde "auf dem Trafalgar Square vor Freude tanzen, wenn die iranischen Raketen Israel treffen". Das Massaker an einer religiösen Schule in Jerusalem 2008, bei dem acht Schüler im Alter zwischen 15 und 26 Jahren von einem palästinensischen Schützen getötet wurden, bezeichnete er als "gerecht".

Treffen mit verurteilten Terroristen in Katar

Noch 2015, also im gleichen Jahr, als sich Atwan mit Corbyn traf, sagte er dem libanesischen Sender "Al Mayadeen", dass es das oberste Ziel des Dschihad sein müsse, sich gegen "unseren israelischen Feind" zu verbünden. "All unsere Waffen müssen gegen diesen Feind gerichtet sein, ungeachtet unserer Unterschiede. Denn das ist es, was uns vereint", sagte Atwan. Wer Israel nicht als Feind ansehe, sei "weder Araber noch Muslim", fügte er hinzu.

Corbyn, der erst vor wenigen Wochen eingeräumt hat, dass es in Bezug auf Antisemitismus ein "echtes Problem" in der Labour-Partei gebe, und bekräftigte, dass die Partei daran "arbeite", gerät nun zunehmend unter Druck. Ihm wird bereits seit Jahren vorgeworfen, nicht genug gegen antiisrealische und antijüdische Stimmungen in seiner Partei zu tun. Erst kürzlich hatten drei britische jüdische Tageszeitungen auf der Titelseite den gleichen Leitartikel gedruckt und darin vor einer existenziellen Bedrohung jüdischen Lebens in Großbritannien gewarnt, die von einer Regierung ausgehen würde, an der Corbyn beteiligt wäre.

Doch die Liste pikanter Treffen mit Personen aus dem Umfeld der Hamas wird immer länger. Nicht nur die nun veröffentlichten Fotos erhöhen den Druck. Bereits am Montag hatte die "Times of Israel" berichtet dass Corbyn 2012 während einer Tagung in Katar mit mehreren Hamas-Funktionären auf dem Podium saß. Darunter waren demnach Husum Badram zu sehen, der wegen der Beteiligung an mehreren Anschlägen jahrelang in Israel inhaftiert war. Dazu gehören das Attentat auf eine Diskothek in Tel Aviv im Jahr 2001 mit 21 Toten und auf eine Pizzeria in Jerusalem mit 15 Toten. Zu Gast war auch Chalid Mashal, inzwischen im Hamas-Vorstand. Mashaal war wegen Beteiligung an einem Anschlag auf ein Café in Jerusalem zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Badram und Mashaal waren kurz vor der Konferenz im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigekommen. In einem Gastbeitrag für die linke Tageszeitung "Morning Star" lobte Corbyn nach der Konferenz die "faszinierenden und mitreißenden" Beiträge der beiden.

Quelle: n-tv.de