Politik

Die Söhne teilen aus Der Trump-Clan kämpft notfalls für sich allein

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Eric, Donald, Melania und Ivanka Trump im Januar 2017.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Donald Trump macht einen massiven Wahlbetrug gegen seine Person aus und kaum ein prominenter Politiker springt ihm bei. Stattdessen sind es seine Söhne, die umso heftiger um sich schlagen. Dabei fällt auf, wer so alles schweigt aus der Familie.

Wenn schon der Präsident in diesem kritischen Moment der US-Wahl nicht die fehlende Unterstützung durch die eigene Partei beklagen kann, so kann es doch zumindest sein Sohn. "Die absolute Untätigkeit von praktisch allen, die sich 2024 für die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewerben wollen, ist ziemlich erstaunlich. Sie haben die perfekte Bühne, um zu zeigen, dass sie willens und fähig sind, zu kämpfen, aber sie knicken vor dem Medien-Mob ein", schrieb Donald Trump Junior am Donnerstagabend auf Twitter. Tatsächlich hatte sich bis dato noch gar kein prominenter Republikaner hinter Trumps Betrugsvorwürfe gestellt.

Doch die Ermahnung des Sohnemanns saß: "Daily Beast" beobachtete, dass 20 Minuten später der republikanische Senator Tom Cotton aus Arizona wie Trump forderte, nur legale Stimmen zu zählen. Ähnlich formulierte es Rick Scott, Senator aus Florida. Der texanische Senator Ted Cruz verbreitete ein Video, das einen Mann zeigt, der angeblich nicht die Auszählung in Pennsylvania beobachten durfte.

"Kein Rückgrat", "keinen Mumm"

Bis Freitagmorgen äußerten sich auch Vize-Präsident Mike Pence, der Vorsitzende des Justiz-Ausschusses im Senat, Lindsey Graham, und der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell. Sie forderten allesamt eine rechtmäßige Auszählung. Die Behauptung, es gäbe einen massiven Betrug, machten sie sich nicht zu eigen.

"Die rückgratlose republikanische Partei ist verschwunden, und jeder, der nicht kämpft, sollte mit ihr gehen", erklärte der 42-jährige Donald Junior. Auch sein sechs Jahre jüngerer Bruder Eric tourte durch Medien und Twitter und warf allen sich zurückhaltenden Republikanern wahlweise fehlendes Rückgrat, mangelnden Mumm oder Undankbarkeit vor. Beide Söhne, die für Papas Firma - die Trump Organization - arbeiten, zeigten sich in ihrem heftigen Ton ihres Vaters ebenbürtig. Weil es andere nicht tun, muss die Familie ihrem Oberhaupt umso entschiedener zur Seite springen.

Wo ist Ivanka?

Dabei fällt auf, dass nicht alle so leidenschaftlich mit von der Partie sind. Melania Trump hatte schon in den vergangenen vier Jahren nicht den Eindruck vermittelt, dass ihr Herz am Amt ihres Mannes hängt. Trumps angebliches Lieblingskind Ivanka Trump und deren Ehemann Jared Kushner waren dafür umso mehr im Zentrum all dessen, was im Weißen Haus passiert. Auch im Wahlkampf hatte Ivanka sich mit vielen öffentlichen Auftritten für ihren Vater eingesetzt, und zwar erfolgreich: Unter Trump-Fans zieht sie genauso Massen an wie der Präsident. Sie erfüllt damit ein wenig die Rolle der First Lady, die ihre Stiefmutter nicht ausfüllen wollte oder konnte.

Nun aber: Schweigen. Auf Twitter und Instagram lobte sie zwar nach der Wahl noch einmal die politischen Leistungen ihres Papas. Zu den Betrugsvorwürfen aber nahm sie lange Zeit keine Stellung. Nicht einmal einen Hinweis auf die Spendensammlung ihres Vaters für die angekündigte Klagewelle oder den Link zur Seite, auf der Hinweise auf Wahlbetrug gemeldet werden können, verbreitete sie weiter. Freitagmittag schließlich stellte sie auf Twitter fest, dass nur legale Stimmen zählen sollten. Dass ein systematischer Betrug stattfinde, behauptete sie jedoch nicht.

Das erstaunt insofern, als dass sie und ihr Mann als Berater des Präsidenten im Oval Office ein und aus gehen. Möglich, dass Ivanka und Donald Trump uneins sind. Möglich auch, dass Ivanka Trump nicht die Schmutzarbeit der Kampagne machen soll, um sie nicht für die Zukunft zu verbrennen. Zumindest behauptet Trumps früherer Kommunikationschef Anthony Scaramucci, dass Trump seine Tochter gerne einmal als seine Nachfolgerin im Weißen Haus sehen würde.

Ein Kreis des Vertrauens

Zumindest wäre Ivanka Trump erheblich besser auf das Amt vorbereitet, weil sie seit vier Jahren das Land praktisch mitregiert. Sie ist offiziell Beraterin des Präsidenten beim Thema Wirtschaft und Arbeitsplätze. Ihr Ehemann Jared Kushner war Trumps Sonderbeauftragter im Nahen Osten, wo er den Konflikt zwischen Israel und Palästina beilegen sollte. Auch in der Corona-Pandemie berät er Trump. Es gab immer wieder Berichte darüber, wie sehr sich Mitarbeiter im Weißen Haus und in den Ministerien von Trumps Familie vor den Kopf gestoßen fühlten, wenn diese Regierungsaufgaben an sich rissen, ohne ein Amt innezuhaben.

Es ist auch Trumps Misstrauen in den bestehenden Regierungs- und Verwaltungsapparat geschuldet, dass er sich mit Vertrauten aus der Familie umgibt. Die vielen personellen Abgänge in Trumps Stab und Kabinett sind wohl beispiellos. Umso mehr konnte er, der vor seiner Präsidentschaftskandidatur auch kein eingefleischter Republikaner war, auf die Verwandtschaft bauen.

Die fehlende Hausmacht in der Republikanischen Partei hatte Trump nie auswetzen können. Zu sehr ist Trump eine One-Man-Show. Es ist ihm zwar gelungen, mit Lindsey Graham oder Mitch McConnell einige einflussreiche Partei-Größen für sich einzuspannen, aber ihre Loyalität ist ungewiss. Das gilt erst recht für die vielen republikanischen Gouverneure und Senatoren, die sich bislang mit öffentlichen Aussagen zur Wahl zurückhalten. Der Trump-Clan weiß: Wenn Donald verliert, stehen sie womöglich allein da. Also kämpfen sie umso entschiedener - im Zweifelsfall auch allein.

Quelle: ntv.de