Politik

"Geschlagen und getreten"Deutsche Aktivisten berichten von Misshandlung in türkischer Haft

05.02.2026, 08:12 Uhr
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Die Lage in den kurdisch regierten Gebieten Syriens ist kritisch. Dagegen wollten die Aktivisten protestieren. (Foto: picture alliance / SIPA)

16 Aktivisten und Journalisten aus Deutschland wollen auf die humanitäre Lage der Kurden in Syrien aufmerksam machen. Auf ihrer Reise durch die Türkei werden sie festgenommen. Sie berichten von schlimmen Verhältnissen und körperlicher Misshandlung in der Haft.

Mitglieder einer Gruppe von Aktivisten und Journalisten aus Deutschland, die in der Südtürkei festgesetzt wurden, haben von Misshandlung in der Haft berichtet. Die Delegation wollte bei ihrer Reise Proteste gegen die eskalierende Gewalt in Syrien begleiten, wurde jedoch laut Angaben der Linken festgenommen und nach Istanbul gebracht.

Wie eine der Festgenommenen der "Südwest Presse" erzählt, habe sich die Gruppe auf der Polizeiwache komplett ausziehen und ihre Handys abgeben müssen. "Eigentlich wurde uns alles abgenommen", sagte die Aktivistin demnach weiter. Nach einer eintägigen Reise zum Abschiebegefängnis, bei der es nur ein Stück Brot zu essen gegeben habe, seien sie auf der Polizeiwache körperlich angegangen worden. "Sie haben auf uns eingeschlagen und eingetreten", zitiert die Zeitung die 23-Jährige. "Sie haben auch mich auf den Boden getreten und geschlagen." Mindestens drei Männer hätten sich auf sie gesetzt und versucht, ihre Hände mit Kabelbindern zu fesseln, und sie dann in ihre Zelle geschleift.

Ein Grund für die Festnahme wurde der Gruppe ihrem Anwalt zufolge nie mitgeteilt. Auch das Recht auf einen Anwalt sei ihnen verwehrt worden. Als Grund für ihre Abschiebung wurde ihnen laut Bericht Verletzung von Visums-Vereinbarungen vorgeworfen. Sie seien allerdings nur vier Tage in der Türkei gewesen und hätten als deutsche Staatsbürger ein Recht auf 90 Tage visumsfreien Aufenthalt.

Die Gruppe war Teil einer Delegation, die in kurdische Regionen im Südosten der Türkei gereist war. Die Teilnehmer wollten Proteste gegen die eskalierende Gewalt in Syrien begleiten und mögliche Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. In der Türkei war die Delegation mit Mitgliedern der türkischen DEM-Partei unterwegs, die den Aktivisten und Journalisten auch halfen, bis kurz vor die syrische Grenze zu kommen, wo sie jedoch festgenommen wurden. Inzwischen sind sie wieder in Deutschland angekommen.

In Syrien führt die Übergangsregierung seit Anfang Januar Angriffe auf die selbstverwalteten kurdisch regierten Gebiete des Landes durch. Die humanitäre Lage ist Beobachtern und Ortsansässigen zufolge kritisch. Laut "Tagesschau" sind die Wasser- und Stromversorgung gekappt und die medizinische Versorgung ist katastrophal. Trotz eines frisch verlängerten Waffenstillstandes halten Kämpfe um die Stadt Kobanê an. Seit der Befreiung von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ist die Stadt für viele Menschen weltweit ein Symbol. Die Schwächung kurdischer Milizen könnte zu einem Wiedererstarken des IS in der Region führen.

Quelle: ntv.de, toh

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