Politik

Aussicht auf humanitäre Hilfe Deutsche Diplomaten treffen erstmals Taliban

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Ein Taliban-Mitglied vor einem russischen Flugzeug, das Hilfsgüter nach Kabul bringt.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Für die Hälfte der Afghanen werden Lebensmittel knapp. Dem Land droht eine humanitäre Katastrophe. Deutschland und die Niederlande zeigen sich bereit zu helfen, stellen aber Bedingungen. Delegierte aus beiden Ländern treffen daher die Taliban in Kabul.

Deutschland und die Niederlande haben der Taliban-Regierung in Afghanistan Unterstützung bei der Bewältigung der humanitären Notlage der Bevölkerung in Aussicht gestellt. Beide Länder seien bereit, "gerade mit Blick auf den nahenden Winter umfangreiche humanitäre Hilfe zu leisten", erklärte das Auswärtige Amt. Zu diesem Zweck hätten zwei deutsche und ein niederländischer Diplomat hochrangige Vertreter der Regierung in Kabul getroffen.

Die Delegation bestand demnach aus dem Sonderbeauftragten der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan, Jasper Wieck, dem designierten deutschen Botschafter in Kabul, Markus Potzel, und dem niederländischen Sondergesandten für Afghanistan, Emiel de Bont. Sie hätten Vize-Regierungschef Abdul Ghani Baradar sowie Außenminister Amir Chan Motaki und Geheimdienstdirektor Abdul Hak Wasik getroffen. "Beide Seiten unterstrichen die Bedeutung fortgesetzter operativer Kontakte in den Fragen, in denen eine praktische Zusammenarbeit sowohl erforderlich als auch möglich ist", erklärte das Auswärtige Amt.

Deutsche Politik in der Zwickmühle

Die deutsche Botschaft in Kabul war wegen des rasanten Vormarschs der Taliban Mitte August evakuiert worden. Die westlichen Regierungen sind seit der Machtübernahme der militanten Islamisten in einer Zwickmühle. Sie wollen der notleidenden Bevölkerung helfen, zugleich aber jede Unterstützung der international nicht anerkannten Taliban-Regierung vermeiden. Das gilt besonders, weil die Taliban Mädchen und Frauen entgegen ihrer Zusagen ausgrenzen. So ist den meisten Schulmädchen der Klassen sieben bis zwölf die Teilnahme am Unterricht untersagt. Die meisten Frauen im öffentlichen Dienst dürfen nun nicht mehr arbeiten. Die Taliban haben von vorübergehenden Maßnahmen gesprochen, sie dauern bislang aber an.

Die Taliban-Vertreter bekannten sich laut Auswärtigem Amt nun etwa zum gleichberechtigten Zugang von Mädchen und Jungen zu Bildung. Auch wollten sie humanitären Helfern und Helferinnen "einen sicheren und ungehinderten Zugang zu hilfsbedürftigen Gemeinschaften und Menschen" gewähren. Afghanistan ist in hohem Maße auf ausländische Hilfen angewiesen, die seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban-Miliz im August stark zurückgefahren wurden.

Die UNO hat wiederholt vor einer humanitären Katastrophe in dem Land gewarnt. Rund die Hälfte der Afghanen ist demnach von "akuter" Nahrungsmittelknappheit betroffen. Das Auswärtige Amt betonte nun erneut, dass jegliche Hilfe vom Verhalten der Taliban abhänge. Sie müssten die Menschenrechte achten, ausreisewilligen Afghanen die Ausreise ermöglichen und die "internationale terroristische Bedrohung" bekämpfen. Berlin habe entsprechende Zusagen "zur Kenntnis genommen", erklärte das Auswärtige Amt. "Ein weiteres Engagement hängt von deren Umsetzung ab."

Quelle: ntv.de, lve/AFP/dpa

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