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Jeder Fünfte 2019 mit Abschlägen Deutsche bekommen später und länger Rente

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Fast zwei Jahrzehnte beziehen deutsche Senioren Rente - Frauen etwas länger, Männer etwas kürzer.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Deutschen beziehen immer länger Rente - Frauen teils mehr als zwei Jahrzehnte. Zudem gehen die Menschen später in den Ruhestand. Das hat laut Rentenatlas spürbare Folgen für die Rentenhöhe. Klar ist, das System ist zunehmend unter Druck.

Die Menschen in Deutschland beziehen immer länger Rente. So erhielten Männer im vergangenen Jahr im Schnitt 18,2 Jahre Rente - zehn Jahre zuvor waren es noch 2,4 Jahre weniger. Bei Frauen stieg die Bezugsdauer in diesem Zeitraum von 20,6 auf 21,7 Jahre. Das geht aus dem Rentenatlas 2020 der Deutsche Rentenversicherung Bund hervor. Keine großen Verschiebungen gab es seit 2017.

Zugleich sind die Menschen in den vergangenen Jahren immer später in Rente gegangen. Das Durchschnittsalter bei Rentenbeginn stieg bei Frauen von 63,3 Jahren im Jahr 2010 auf 64,5 Jahre im vergangenen Jahr. Ein Jahr zuvor waren es erst 64,1 Jahre - was für die Rentenversicherung ein "außergewöhnlicher Anstieg" ist. Dieses Ein-Jahres-Plus sei von der zum 1. Januar 2019 erweiterten Mütterrente verursacht worden, durch die viele ältere Frauen erstmalig einen Rentenanspruch erlangten. Männer gingen im Schnitt zuletzt mit 64 Jahren in Rente, 2010 schon mit 63,8 Jahren.

Gründe für längeres Arbeiten

Insgesamt rührt der langjährige Anstieg des Renteneintrittsalters laut Rentenversicherung aber vor allem daher, dass man früher teilweise schon mit 60 Jahre in Rente gehen konnte, etwa bei der Altersrente für Frauen oder bei der Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit. Zudem wird das Eintrittsalter stufenweise angehoben. Wer 1964 oder später geboren ist, hat ein Eintrittsalter von 67 Jahren. 816.000 Personen wechselten laut Deutscher Rentenversicherung 2019 insgesamt in die Rente.

Früher in Rente - abschlagsfrei oder mit Abschlägen

Der Anteil der Renten mit Abschlägen lag 2019 bei 22,5 Prozent. 2010 waren es mit rund 320.000 von rund 674.000 insgesamt noch mehr, nämlich 47,5 Prozent. Denn die Menschen bleiben im Schnitt länger im Arbeitsleben - und nähmen später Rente in Anspruch. Die durchschnittliche Höhe der Abschläge lag im vergangenen Jahr bei 96,49 Euro brutto. Zugleich sind 253.492 Arbeitnehmer abschlagsfrei mit 63 in Rente gegangen, was nach mindestens 45 Versicherungsjahren geht - rund 10.000 mehr als im Jahr zuvor.

Rentenhöhe

Die Männer im Westen kamen im Schnitt auf monatliche Altersbezüge von 1557 Euro, Frauen auf 1142 Euro. Im Osten waren es 1262 beziehungsweise 1204 Euro.

Wie passen die Entwicklungen zusammen?

Laut Rentenversicherung ist es kein Widerspruch, dass das Alter der Menschen bei Rentenbeginn steigt - und gleichzeitig die Rentenbezugsdauer. Bei den einen handele es sich um Personen, die aktuell in Rente gehen. Bei der Berechnung der Bezugsdauer würden dagegen Renten angeschaut, die nicht mehr gezahlt werden, etwa weil ein Rentner verstorben sei, wie ein Sprecher sagte. Es handele sich somit um unterschiedliche Gruppen. Auch in Zukunft aber könnte der Rentenbezug trotz längerem Arbeiten ansteigen - mit weiter steigender Lebenserwartung.

Szenarien der Lebenserwartung

Heute geborene Mädchen könnten im Schnitt bis zu 93 Jahre alt werden und Jungen bis zu 90 Jahre. Auf dieses Szenario kommen Experten bei Fortschreibung von Trends - etwa zu gesünderer Lebensweise und medizinischem Fortschritt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben neugeborene Mädchen ansonsten eine Lebenserwartung von 83,4 Jahren, Jungen von 78,6 Jahren. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat sich dank der Fortschritte in Medizin, Hygiene und Ernährung sowie oft besserer Wohn- und Arbeitsbedingungen die Lebenserwartung mehr als verdoppelt.

Niedrigeres Rentenniveau trotz längerer Arbeit?

Die Rente gerät in den nächsten Jahren vor allem auch noch deshalb unter Druck, weil die Babyboomer in Ruhestand gehen. Manche etwa in der Wirtschaft wollen das Problem durch längeres Arbeiten mildern. So hatte eine Arbeitsgruppe der Unionsfraktion im Bundestag in diesem Jahr dafür geworben, dass mehr Lebenszeit jeweils zur Hälfte zwischen Arbeits- und Rentenzeit aufgeteilt wird. Gewerkschaften und SPD sind dagegen. Die Rentenkommission der Bundesregierung, in der alle diese Seiten vertreten waren, gab im März keine eindeutige Antwort in dieser Richtung. Allerdings soll es weiter "Haltelinien" beim Rentenniveau und beim Beitragssatz geben.

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Wie geht es weiter?

Sozialminister Hubertus Heil wollte bis Herbst konkrete Vorschläge machen für Weichen für die Zeit nach 2025. Die Rentenversicherung betont, trotz längerer Rentenbezugsdauer sei der Beitragssatz mit 18,6 Prozent so niedrig wie zuletzt vor 25 Jahren. "Das Rentensystem wird sich auch weiterhin an den sich verändernden Rahmenbedingungen ausrichten und so auch langfristig leistungsfähig und stabil bleiben", gibt man sich dort optimistisch. Die Vorschläge der Rentenkommission sollten umgesetzt werden.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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